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27.08.2012

12:06 Uhr

Afrika

Simbabwe beschlagnahmt Wildpark

Naturreservate als reserviertes Jägerparadies: Simbabwe macht das angeblich möglich - für die Günstlinge Mugabes. Wenn das stimmt, könnten die Geberländer sich künftig knauseriger zeigen und internationale Hilfen kürzen.

Robert Mugabe, Präsident von Simbabwe. dpa

Robert Mugabe, Präsident von Simbabwe.

Addis Abeba/ HarareDie Regierung von Simbabwe hat im Rahmen ihrer Landreform den größten privaten Wildpark Afrikas beschlagnahmt. Experten befürchten, dass durch die Enteignung des Naturreservats Save Valley Conservancy viele dort lebende Tierarten bedroht werden könnten. Westliche Geberstaaten überlegen offenbar jetzt, dem Land im Süden Afrikas finanzielle Hilfen zu entziehen.

„Wir sind sehr besorgt“, sagte ein westlicher Diplomat, der anonym bleiben wollte, der Deutschen Presse-Agentur (dpa). „Wir denken über mögliche Reaktionen nach, denn die Situation ist sehr ernst.“

Das Reservat liegt im Südosten Simbabwes an der Grenze zu Mosambik und ist rund 400 000 Hektar groß. In dem Gebiet sind neben Löwen, Leoparden, Geparden und Elefanten auch vielerorts durch Wilderei bedrohte Nashörner beheimatet.

Tierschützern zufolge werden künftig nur noch enge Vertraute des langjährigen Präsidenten Robert Mugabe von dem Land profitieren. Sie sollen im Rahmen der Beschlagnahmung Jagdlizenzen für den Park erhalten. Bisher gab es bereits kontrollierte Safaris.

Nach Angaben eines anderen europäischen Diplomaten könnten die Geberstaaten dem Land ihre Unterstützung für die nächste Konferenz der Welttourismusorganisation (UNWTO) entziehen, die 2013 gemeinsam von Simbabwe und Sambia in der Grenzregion um die Viktoria-Fälle stattfinden soll. „Simbabwe hängt für die Ausrichtung dieses Kongresses völlig von internationaler Hilfe ab und kann ohne uns nichts tun“, hieß es. Über die Idee solle in der kommenden Woche in Berlin diskutiert werden.

Mugabe hat im Rahmen seiner „beschleunigten Landreform“ in den vergangenen 20 Jahren immer wieder große Gebiete im Besitz von Weißen beschlagnahmen lassen - meistens mit Gewalt und ohne Entschädigung. Ziel war es, die Spuren der Kolonialzeit zu verwischen und das Land der schwarzen Bevölkerung zurückzugeben. Jedoch profitierten meist nicht die früheren Landarbeiter von den Enteignungen, sondern Freunde der Mugabe-Regierung.

Die Maßnahme hat das Land, das früher als Brotkorb Afrikas galt, in den Ruin getrieben. Weite Ländereien liegen brach. Heute ist Simbabwe eines der ärmsten Länder des Kontinents.

 

Von

dpa

Kommentare (4)

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norbert

27.08.2012, 13:23 Uhr

Der Skandal ist, daß Mugabe überhaupt noch was bekommt. Die BRD ist vermutlich auch bei den Geberstaaten ...

Account gelöscht!

27.08.2012, 14:01 Uhr

Wieso bekommt der eigentlich noch was von uns?

Account gelöscht!

27.08.2012, 16:50 Uhr

Simbabwe war vor knapp 20 Jahren ein blühendes Land und in vielerlei Hinsicht "kultivierter" als Südafrika, welches sehr von der Appartheit gezeichnet war. Beispielsweise beherrschten in Simbabwe viel mehr Schwarze recht gut die englische Sprache.
Man muß schon an der menschlichen Vernunft zweifeln, wenn man sieht, wie sehr ein Land in so kurzer Zeit heruntergewirtschaftet werden kann.
Danke HB für diesen Beitrag!

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