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30.12.2014

19:35 Uhr

Air-Asia-Tragödie

Keine Hoffnung auf Überlebende von Flug QZ8501

Die vor Indonesien entdeckten Wrackteile gehören zu der vermissten Air-Asia-Maschine. Das Flugzeug ist abgestürzt, von den 162 Menschen an Bord hat wohl niemand überlebt. Forderungen nach neuen Technologien werden laut.

Air-Asia-Flug

Absturz bestätigt: Rettungskräfte bergen dutzende Leichen

Air-Asia-Flug: Absturz bestätigt: Rettungskräfte bergen dutzende Leichen

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JakartaTraurige Gewissheit: Das seit Sonntag vermisste Air-Asia-Flugzeug ist mit 162 Menschen an Bord vor Borneo ins Meer gestürzt. Die Ermittler gehen davon aus, dass alle Insassen ums Leben gekommen sind. Die Luftwaffe fand am Dienstag ein großes Trümmerfeld und Leichen, nur zehn Kilometer von der Stelle entfernt, wo der Radarkontakt mit dem Airbus A320 abgebrochen war.

Der Leiter der Rettungskräfte und die Fluggesellschaft bestätigten am Abend, dass die gefundenen Teile zu der Maschine gehörten. Flug QZ8501 war am Sonntagmorgen zwischen Surabaya in Indonesien und Singapur vom Radar verschwunden.

„Es tut uns leid, dass wir unter so tragischen Umständen zusammenkommen“, sagte Sunu Widyatmoko, Chef der AirAsia Indonesia. „Unser Mitgefühle gilt den Familien und Freunden der Menschen an Bord von QZ8501“. „Ich bin am Boden zerstört“, sagte der Chef der AirAsia-Gruppe, Tony Fernandes.

Indonesiens Präsident Joko Widodo sagte: „Mein Mitgefühl gilt den Familien der Passagiere und Besatzungsmitglieder, ich fühle mit ihnen.“ Er fügte hinzu: „Höchste Priorität hat die Bergung der Opfer, wir wollen das so schnell wie möglich abschließen.“

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach ihr Beileid aus. „Ich möchte Sie meiner großen Anteilnahme und meines tiefen Mitgefühls versichern“, schrieb sie in einem Kondolenztelegramm an den indonesischen Präsidenten.

Schwarzes Jahr für die zivile Luftfahrt

Schwarzes Jahr

Bei Luftfahrtkatastrophen waren in diesem Jahr zuvor bereits mehr als 700 Menschen ums Leben gekommen. Damit starben allein in den ersten sieben Monaten dieses Jahres mehr als drei Mal so viele Menschen bei Flugzeugunglücken wie im gesamten Jahr 2013. Laut der Europäischen Agentur für Flugsicherheit in Köln war 2013 aber auch ein besonders sicheres Jahr: Bei 17 Unfällen starben insgesamt 224 Menschen. Zwischen 2003 und 2012 starben bei Flugzeugunglücken demnach im Schnitt jährlich 703.

Quelle: AFP

8. März

Die schwarze Serie beginnt am 8. März: Eine Boeing 777 der Fluggesellschaft Malaysia Airlines verschwindet 50 Minuten nach dem Start in Kuala Lumpur Richtung Peking von den Radarschirmen. An Bord von Flug MH370 sind 227 Passagiere und zwölf Besatzungsmitglieder. Trotz einer gigantischen Suchaktion fehlt bis heute jede Spur von der Maschine. Vermutet wird, dass sie in den Indischen Ozean stürzte.

17. Juli

Rund vier Monate später trifft es erneut Malaysia Airlines: Am 17. Juli stürzt über der umkämpften Ostukraine eine Boeing 777 mit 298 Menschen an Bord ab. Die Maschine war auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur. Vermutet wird, dass das Flugzeug von einer Boden-Luft-Rakete abgeschossen wurde. Die ukrainische Regierung und die prorussischen Rebellen in der Ostukraine machen sich gegenseitig dafür verantwortlich.

23. Juli

Sechs Tage nach dem Crash der Malaysia-Airlines-Boeing kommen in Taiwan 48 Menschen ums Leben, als ein Passagierflugzeug der TransAsia Airways bei stürmischem Wetter nach einem missglückten Landemanöver abstürzt. Zehn der 58 Insassen überleben das Unglück.

24. Juli

Nur einen Tag später verschwindet eine Maschine der algerischen Fluggesellschaft Air Algérie auf dem Weg von Burkina Fasos Hauptstadt Ouagadougou nach Algier. Das Wrack der McDonnell Douglas 83 wird in Mali entdeckt. Von 118 Menschen an Bord überlebt keiner das Unglück. Paris vermutet schlechtes Wetter als Unglücksursache.

28. Dezember

Acht Monate nach dem Verschwinden von Flug MH370 bricht erneut jeder Kontakt zu einem malaysischen Passagierflugzeug ab. Ein Flugzeug der Air Asia mit 162 Menschen an Bord verschwand auf dem Weg von der indonesischen Insel Java nach Singapur von den Radarschirmen. Zuvor hatte der Pilot des Airbus A320-200 die indonesische Luftverkehrskontrolle wegen schlechten Wetters um eine Änderung der Flugroute gebeten. Wenige Tage später werden Leichen und Trümmerteile entdeckt.

Die Luftwaffe hatte am Dienstagmittag die ersten Wrackteile im Meer vor der Südküste Borneos entdeckt, darunter etwas, das wie eine Notrutsche aussah, und mögliche Teile einer Flugzeugtür. Kurz darauf wurden Leichen gesichtet. Spezialisten seilten sich von Hubschraubern ab, um die Toten zu bergen. Die geborgenen Leichen sollen alle zur Identifizierung nach Surabaya geflogen erden, sagte ein Sprecher der Luftwaffe.

Die Angehörigen der Insassen, die am Abflughafen in Surabaya seit Sonntag ausgeharrt hatten, reagierten entsetzt. Viele hatten bis zuletzt auf ein Wunder gehofft. Einige brachen zusammen, als sie hörten, dass Leichen und Wrackteile entdeckt worden waren.

„Er sagte immer, es liege in der Hand Gottes, was mit ihm geschehe.“

Angstvolle Stunden in flammendem Inferno

Strapazierte Überlebende: „Da verliert man seine Hoffnung“

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Ihr Sohn habe immer gewusst, dass sein Beruf Gefahren bringe, sagte die Mutter eines Flugbegleiters von Flug QZ8501 dem Sender Metro TV: „Er sagte immer, es liege in der Hand Gottes, was mit ihm geschehe. Er war ein guter Junge. Er hat mir von überall SMS geschrieben.“

Die deutsche Allianz-Versicherung hat nach dem Absturz des Flugzeugs bereits rasche Hilfe zugesagt. „Wir sind bereit, unseren Kunden so schnell und umfassend wie möglich zu unterstützen“, teilte das Unternehmen in München mit. Die Allianz ist führender Rückversicherer für die Air-Asia-Maschine. Um wie viel Geld es für den Münchner Versicherungskonzern geht, ist noch nicht bekannt.

Das Trümmerfeld liegt etwa 185 Kilometer südwestlich von Pangkalan Bun. Dies sei nur wenige Kilometer von der Stelle entfernt, wo die Maschine zuletzt auf dem Radar gesehen wurde, sagte Luftwaffenkommandant Dwi Putranto. Schiffe waren in der Region unterwegs, um die Trümmerteile an Bord zu nehmen. Die Bergungskräfte suchten gleichzeitig nach den Blackboxen der Maschine, die Aufschluss über die letzten Minuten an Bord geben können.

Der Pilot des Airbus A320 hatte eine Gewitterfront gemeldet und um Kursänderung gebeten, aber keinen Notruf abgesetzt, bevor der Radarkontakt abbrach. Gewitter sind in dieser Jahreszeit üblich in der Region, sie sind normalerweise keine Gefahr für Flugzeuge. Mindestens sechs weitere Maschinen waren in unmittelbarer Nähe und flogen ohne Probleme zu ihren Zielen.

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