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02.10.2014

11:53 Uhr

Aktionswoche „Wider den rauen Ton im Netz“

Ein Tag voller Liebe

VonSonja Schärf

Trolle mischen Netz-Diskussionen auf und zetteln Streit an. Aber was geschieht, wenn man online nicht als „Hater“ sondern als „Lover“ unterwegs ist? Unsere Autorin hat den Selbsttest gewagt – und Erstaunliches erlebt.

Nichts als Liebe im Kopf: Für einen Tag war Autorin Sonja Schärf als freundlichste Kommentatorin der Welt im Netz unterwegs.

Nichts als Liebe im Kopf: Für einen Tag war Autorin Sonja Schärf als freundlichste Kommentatorin der Welt im Netz unterwegs.

Ich bin Mitarbeiterin im Social-Media-Team von Handelsblatt Online und deswegen unmittelbar betroffen von Trollen, die im Netz ihr Unwesen treiben und nur eines im Sinn haben: Unruhe stiften! Jeden Tag wühle ich mich durch den Wust von Kommentaren unter unseren Artikeln und Facebook-Posts, um Trolle aufzuspüren. Dabei fällt mir immer wieder auf, wie einfach es scheinbar ist, Streit anzufangen und andere Kommentatoren gegen sich aufzubringen. In beinahe jeder Diskussion im Netz verbreiten Trolle durch gezielte Provokationen und Hetzreden Unmut. Dabei lenken sie den Diskurs oft schnell und gezielt vom eigentlichen Thema ab.

Aber was geschieht, wenn ein Kommentator nicht am laufenden Band Wut gegen Artikel, Redakteure und Politik äußert, sondern ausschließlich freundlich und liebevoll kommentiert? Wenn statt Beleidigungen anderer Diskussionsteilnehmer, Respekt und Nettigkeit als gezielte Kommunikations-Waffe eingesetzt werden? Ganz nach dem Motto: „Liebe so viel du kannst!“. Ich habe es ausprobiert, wie es sich anfühlt, einen Tag lang als „Lover“ im Netz unterwegs zu sein.

Aktionswoche: „Macht das Web sozialer –  wider den rauen Ton im Netz!“

Aktionswoche

„Macht das Web sozialer – wider den rauen Ton im Netz!“

Im Netz lässt der Umgangston oft zu wünschen übrig. Die Aktionswoche des Handelsblatts „Macht das Social Web sozialer!“ dreht sich um die Frage, warum bei Facebook und Co. oft eine Kultur des Gegeneinanders gelebt wird.

Um überall angemessen kommentieren zu können, muss ich natürlich als zuerst einmal eine neue Identität im Netz anlegen. Dabei mache ich mir viele Gedanken über einen möglichen Usernamen, der meine Liebes-Botschaft bereits in sich trägt. Trolle operieren in den Kommentar-Foren von Online-Magazinen unter Decknamen, wie „Der Aufklärer“, „Ich-sage-wie-es-ist“ oder „Netz-Schatten“. Nach reiflicher Überlegung entscheide ich mich schließlich für „Lisa Love“. Meine Botschaft sollte damit wohl deutlich erkennbar sein.

Bei meinem bevorzugten Social Network stoße ich aber schon auf das erste Hindernis. Es heißt, man möchte nicht, dass ich mich mit einem virtuellen Namen anmelde. Ich solle doch bitte meinen richtigen Namen angeben. Na gut, dann eben „Lisa Liebe“ – Das klappt! Als Gegenstück zu den meist grimmig drein guckenden Profilen diverser Trolle lade ich als Profilbild ein Foto von mir hoch, auf dem ich verzückt in die Kamera lächele und verziere es obendrein noch mit kleinen rosa Herzchen.

Ein paar Informationen müssen mein Profil ja noch verschleiern, als Wohnort wähle ich daher das in der sächsischen Schweiz gelegene „Liebstadt“. Trolle machen ihre Mission ja schließlich auch unmissverständlich deutlich, wie es kürzlich sehr offensichtlich in einem Interview mit Berufs-Troll Uwe Ostertag in der FAZ zu lesen war.

Kommentare (3)

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Herr J� Jacob

02.10.2014, 12:58 Uhr

Schöner Artikel. :-)

Frau Handelsblatt Redaktion

02.10.2014, 13:24 Uhr

Danke! :)

Herr Uwe Ostertag

02.10.2014, 17:14 Uhr

Als Titel des Artikels würde ich wählen
"Die schöne 'Unschuld' aus der Redaktion mit der Giftspritze"

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