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18.03.2011

06:52 Uhr

AKW-Augenzeugenberichte

„Plötzlich stieg eine weiße Wand aus dem Meer auf“

VonFinn Mayer-Kuckuk

Techniker des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi erzählen von den Minuten der Katastrophe - und von der Hilflosigkeit des Personals angesichts eines unerwarteten Mega-Erdbebens.

Schäaden soweit das Auge reicht: Vor einer Woche hat sich alles in Japan dramatisch verändert. Quelle: dapd

Schäaden soweit das Auge reicht: Vor einer Woche hat sich alles in Japan dramatisch verändert.

Nagoya

Japan ist ein Land mit vielen Erdbeben, und Kernkraftwerksmitarbeiter gehören eher zu den nervenstarken Typen. Doch als der Tsunami auf seinen Arbeitsplatz zurollte, packte den Techniker die nackte Angst. Ihm war sofort klar, dass die Anlage nicht auf die drohende Überschwemmung ausgerichtet ist, berichtet er der japanischen Tageszeitung "Yomiuri". Der ungenannte Augenzeuge befindet sich derzeit in einer Evakuierungsunterkunft außerhalb der 20-Kilometer-Zone um den Katastrophenmeiler.

Der Techniker hat in einem Nebengebäude von Block sechs gearbeitet, als das Erdbeben zuschlug. Wegen der heftigen Erschütterungen stürzte er sofort die Notausgangtreppe hinunter ins Freie. Dort hatte er freien Blick aufs Meer. Die Erde beruhigte sich gerade wieder, da sah der Techniker die erste Warnung vor einer Flutwelle: "Der Meer zog sich an der gesamten Küste entlang unglaublich weit zurück."

Als Bewohner einer Erdbebenregion wusste der Mann genau, was das bedeutet. Er hastete also die Treppe wieder hinauf, die er gerade heruntergekommen war. Von einem höher gelegenen Stockwerk aus blickte er auf das Meer. "Kaum 30 Sekunden später stieg eine weiße Wand aus dem Wasser auf", berichtet er. Vom Augenschein her war ihm sofort klar, dass sich die Flutwelle bis zu einer Höhe auftürmte, auf der wichtige Teile des Kraftwerks vergleichsweise schutzlos liegen.

Tatsächlich schlugen die Wellen schon wenig später auf die Wände des Reaktorgebäudes ein und umspülten sie komplett - ein Ereignis, das nach Annahme von Seismologen und Ingenieuren in dieser Region nie hätte eintreten sollen. So hatten damals die Seismologen und Ingenieure geurteilt. Sie lagen völlig falsch, wie sich am vergangenen Freitag zeigte: Die tiefer gelegenen Gebäude der Anlage, darunter die Kraftstofftanks für den Notstrom, schwemmte die Welle innerhalb von Sekunden fort.

Als der Techniker sah, dass die Hallen mit den Generatoren und Kühlmittelpumpen unter Wasser standen, ging ihm sofort durch den Kopf: "Das wird wirklich, wirklich gefährlich."

Kommentare (2)

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Hartmann

18.03.2011, 12:19 Uhr

Na endlich kann man sich über die tatsächlichen Ursachen ein genaueres Bild machen. Nach Tagen hysterischer Berichterstattung und den ständigen Wiederholungen durch die Medien.

algore

20.03.2011, 20:41 Uhr

Es wird behauptet, dass der Tsunami die Notstromaggregate zerstörte. Warum gibt es hierüber keine Aufzeichnungen? Es liegt kein Bild-oder Videobeweis vor. Man kann suchen soviel man möchte. Meiner Meinung nach sind die Japaner schlau genug die Aggregate auf einer sicheren Höhe zu installieren. Wenn dem so ist, können die Aggregate nur durch das Erdbeben Schaden genommen haben. Dann aber wäre das Sicherheitsrisiko für alle Atomkraftwerke skandalös und alles müßte vom Netz, denn 9,0 wurde nur am Hypozentrum (Epizentrum) gemessen. Desweiteren stammen alle Tsunami-Videos von anderen Gebieten. Sehr seltsam, dass die Behörden vom streng (Video-) überwachten Reaktorgelände kein einziges Überwachungsvideo zur Aufklärung freigibt. Das stinkt doch zum Himmel. Den Menschen wird suggeriert, dass beides zusammenkommen muss. Starkes Erdbeben und Tsunami. Was wäre, wenn nur ein starkes Erdbeben der Stärke 6-7 ausreichte, um den GAU zu erzeugen?

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