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22.03.2011

12:33 Uhr

AKW Fukushima

Wieder Temperaturanstieg in Reaktor 1

Im Reaktor 1 des havarierten Atomkraftwerks Fukushima steigt die Temperatur wieder an, die Blöcke 1 bis 3 müssen durch zusätzliches Wasser gekühlt werden. Nach Ansicht des Energiekonzerns Tepco "ein Grund zur Besorgnis".

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TokioDie zwei beschädigten Atomkraftwerke in Fukushima sind nach Angaben des Betreibers von einer 14 Meter hohen Flutwelle getroffen worden. Das sei mehr als doppelt so hoch, wie Experten bei der Planung der Anlagen erwartet hatten, berichtete der Fernsehsender NHK unter Berufung auf die Tokyo Electric Power Company (Tepco) am Dienstag. Das Unternehmen hatte demnach die Wände der beschädigten Kraftwerke Fukushima Eins und Zwei am Montag untersucht.

Bei der Katastrophe am 11. März hatten mehrere Reaktoren ihre Kühlung verloren. In Fukushima Eins droht deswegen eine Kernschmelze. Seit Tagen versucht ein Rettungsteam, die Reaktoren mit Seewasser zu kühlen und die Stromversorgung wieder herzustellen.

Nach Angaben von Tepco sei die Anlage Fukushima Eins auf einen Tsunami von 5,70 Metern ausgelegt worden, Nummer Zwei für eine Höhe von 5,20 Metern. Die Gebäude mit den Reaktoren und Turbinen wurden nach NHK-Angaben zehn bis 13 Meter über den Meeresspiegel errichtet. Bei der Katastrophe wurden sie teilweise überschwemmt. Tepco hatte bereits zugegeben, dass die Kraftwerke nur für ein Beben der Stärke 8,0 bis 8,3 ausgelegt worden waren. Das Erdbeben am 11. März hatte aber die Stärke 9.

Unterdessen steigt die Temperatur um den Kern des Reaktors 1 wieder an. Nach Ansicht des Betreibers stellt dies einen Grund zur Besorgnis dar. Die Blöcke 1, 2 und 3 müssten zudem durch zusätzliche Wasserzufuhr weiter gekühlt werden. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Kyodo haben nun aber alle sechs Reaktoren wieder eine externe Verbindung zur Stromversorgung.

Tepco hat sich außerdem bei Flüchtlingen aus dem Gebiet um das Unglückskraftwerk Fukushima für die Atom-Katastrophe entschuldigt. Norio Tsuzumi, ein Mitglied der Unternehmensspitze, sagte am Dienstag bei einem Besuch in einem Notlager: „Es tut uns leid, dass wir Ihnen so viel Mühe bereitet haben.“

Die Regierung weitet die Sicherheitszone rund um die Unglücksreaktoren indes nicht aus - auch wenn sich die Lage an dem Unglückskraftwerk am Dienstag wieder verschlechtert hat. "Im Moment ist dies nicht nötig“, sagt Regierungssprecher Yukio Edano. Dazu passt, dass der Betreiber der Atomreaktoren in Fukushima die Arbeiten wieder aufgenommen hat. Der ausgetretene Dampf sei ungefährlich gewesen, teilt das AKW-Unternehmen Tepco am Dienstag mit. „Wir haben entschieden, dass es sicher ist, weiterzuarbeiten“, erklärte ein Sprecher.

Dennoch hat sich Japans Regierung skeptisch über die Lage in Fukushima geäußert. Es sei schwer zu sagen, ob sich das Ganze in eine sichere Richtung entwickle, sagte der Handelsminister laut einer Meldung der Nachrichtenagentur Kyodo. Gleichzeitig sind Vorwürfe gegen den japanischen Industrie- und Wirtschaftsminister laut geworden. Dieser soll Feuerwehrmänner aus Tokio gezwungen haben, stundenlang Wasser auf den radioaktiv strahlenden Reaktor im Atomkraftwerk Fukushima Eins zu sprühen. Minister Banri Kaieda soll den Männern eine Strafe angedroht haben, falls sie die Aufgabe nicht ausführten, wie die Nachrichtenagentur Kyodo berichtete. Der Gouverneur von Tokio, Shintaro Ishihara, habe sich bei Regierungschef Naoto Kan darüber beschwert.

Der Wirtschaftsminister sagte daraufhin auf einer Pressekonferenz am Dienstag: „Wenn meine Bemerkungen Feuerwehrmänner verletzt haben, (...) möchte ich mich in diesem Punkt entschuldigen.“ Er ging allerdings nicht näher darauf ein, ob die Vorwürfe gerechtfertigt seien, schrieb Kyodo.

Mehr als 9000 Menschen sind bei dem verheerenden Erdbeben und Tsunami in Japan ums Leben gekommen. Es seien inzwischen offiziell 9079 Opfer gezählt worden, berichtete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo am Dienstagmittag (Ortszeit). Die Zahl der Vermissten lag am Morgen noch bei etwas über 12 500. Fast 320 000 Menschen seien in Notunterkünften untergebracht, berichtete die Agentur Jiji Press.

Kommentare (8)

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KxAlpha

22.03.2011, 07:31 Uhr

Die Artikelüberschrift hat wohl ein Hamburger geschrieben. Schön, dass es nun auch vom Handelsblatt Mundartenversionen gibt. Hehe.

KriminelleMachenschaften

22.03.2011, 11:57 Uhr

Jeder AKW-Betreiber unterschaetzt unterschaetzt die Gefahren und steht nicht bereit fuer den Ernstfall zu haften.

Vollkommen egal. Das sind doch inzwischen olle Kamellen.

Von der Journaille koennte man mal endlich eine Karte zur Strahlenbelastung um das Kraftwerk herum erwarten. Das waere aktuell interessant.

Leider Fehlanzeige. Stattdessen wird um das eigentliche Kernthema herum nur Belanglosigkeit berichtet...

Die Boersen, die Boersen,...

Account gelöscht!

22.03.2011, 12:08 Uhr

Experten können das aber nicht gewesen sein, die die Planungen gemacht haben. Und auch nicht diejenigen, die das alles genehmigt haben!
Am 4. Nov. 1952, also wenige Jahre vor dem Beginn der "Planungen", gab es vor Kamtschatka, also nicht allzu weit entfernt, ein Beben der Stärke 9 mit darauf folgenden Tsunami-Wellen von bis zu 15 m Höhe, die Tausende Opfer forderten.
Das sind nicht einfach Planungsfehler, das ist Systemversagen aufgrund von Leichtsinn, für den das Wort kriminell noch viel zu schwach ist.
Menschen sind einfach unzulänglich - deshalb kann niemand nirgendwo Atomkraftwerke verantworten.

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