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19.01.2015

13:37 Uhr

Aldi-Erbin im Achenbach-Prozess

„Wir wollten keinen Albrecht-Aufschlag zahlen“

Finale im Prozess gegen den Kunstberater Helge Achenbach: Als Zeugin erscheint die Witwe des Aldi-Erben Berthold Albrecht. Sie hatte Achenbach vor Gericht gebracht. In die Details war sie aber nicht eingeweiht.

Achenbach-Prozess: Die als Zeugin geladene Babette Albrecht kommt im Landgericht in Essen an. Die Witwe des 2012 gestorbenen Aldi-Erben Berthold Albrecht sagt gegen den angeklagten Kunstberater Helge Achenbach aus. dpa

Achenbach-Prozess: Die als Zeugin geladene Babette Albrecht kommt im Landgericht in Essen an. Die Witwe des 2012 gestorbenen Aldi-Erben Berthold Albrecht sagt gegen den angeklagten Kunstberater Helge Achenbach aus.

EssenKirchner, Gerhard Richter und Picasso - im Betrugsprozess gegen den Kunstberater Helge Achenbach hat die Witwe des Aldi-Erben Berthold Albrecht einen Einblick in das Millionengeschäft mit Kunst gegeben. Unter großem Medienandrang sagte Babette Albrecht, die einst gut befreundet mit dem angeklagten Achenbach war, am Montag vor dem Landgericht Essen aus.

Die Aldi-Familie, die zu den reichsten Familien Deutschlands zählt, gilt als äußerst verschwiegen und zurückgezogen. Und nach eigenen Angaben war die Milliardärs-Witwe in Details nicht eingeweiht. Die Staatsanwaltschaft wirft Achenbach vor, den 2012 gestorbenen Berthold Albrecht bei Kunst- und Oldtimerverkäufen um rund 23 Millionen Euro betrogen zu haben.

Babette Albrecht (54) hatte nach dem Tod ihres Mannes die Rechnungen prüfen lassen. Eine Strafanzeige der Familie Albrecht hatte die Ermittlungen gegen den bekanntesten Kunstberater Deutschlands in Gang gebracht. Die Geschäftsbeziehung sei auf „Vertrauensbasis“ gelaufen, sagte Babette Albrecht. Es habe keinen schriftlichen Vertrag mit Achenbach gegeben.

Mündlich vereinbart worden sei eine fünfprozentige Provision, sagte die 54-Jährige. „Das heißt, das war kein Freundschaftsdeal, sondern schon Geschäft.“ Sie sei aber nicht in die Preisvereinbarungen zwischen Berthold Albrecht und Achenbach einbezogen gewesen. Ihr verstorbener Mann habe die Rechnungen immer selbst bezahlt.

Insgesamt hatte Achenbach 28 hochkarätige Kunstwerke innerhalb von knapp zweieinhalb Jahren an Albrecht verkauft, unter anderem Bilder von Kokoschka, Kirchner, Picasso und Gerhard Richter. In 14 Fällen soll Achenbach laut Anklage nicht abgesprochene Preisaufschläge vorgenommen haben.

Kunstberater Achenbach: Millionengeschäfte mit dem Aldi-Erben

Helge Achenbach

Der Düsseldorfer Kunsthändler ist seit Jahrzehnten in der Kunstszene tätig. Er gilt als Erfinder der Kunstberatung.

Geburtsdatum

17. April 1952

Achenbach Art Consulting

Achenbach besitzt seine eigene Kunstberatung. Die Achenbach Art Consulting existiert seit knapp 40 Jahren und arbeitete bereits mit renommierten Künstlern wie Gerhard Richter, Jörg Immendorff oder Andreas Gursky zusammen.

Betrugsvorwürfe

Im Juni 2014 wurden Betrugsvorwürfe gegen den Kunstberater bekannt. Babette Albrecht, Witwe des verstorbenen Aldi-Erben Berthold Albrecht, soll Anzeige gegen Achenbach erstattet haben. Der Grund: „verdeckte Preisaufschläge“. Auch Christian Boehringer von dem Pharmakonzern Boehringer Ingelheim soll zu den Opfern Achenbachs zählen.

Sündenfall (1)

Achenbach verkaufte Bilder von Oskar Kokoschka. Dieser war ein österreichischer Maler, Grafiker und Schriftsteller des Expressionismus und der Wiener Moderne. Er wurde 1886 geboren und starb 1980.

Sündenfall (2)

Achenbach verkaufte Bilder von Ernst Ludwig Kirchner. Dieser war ein deutscher Maler und Grafiker und wird zu den wichtigsten Vertretern des Expressionismus gezählt. Er lebte von 1880 bis 1938.

Geschäftspartner

Achenbach machte Geschäfte mit Berthold Albrecht. Der Manager war einer von zwei Söhnen des Aldi-Nord Gründers Theo Albrecht. Berthold Albrecht lebte von 1954 bis 2012.

Geschäftsvolumen

Berthold Albrecht hat in nur drei Jahren mithilfe von Achenbach Kunstwerke und Oldtimer im Wert von rund 120 Millionen Euro erstanden.

Schaden

Die Staatsanwaltschaft geht im Zusammenhang mit den Albrecht-Geschäft Achenbachs von Betrug aus und hat einen Schaden von rund 23 Millionen Euro errechnet.

Achenbach sollte als Berater und Fachmann „den bestmöglichen Preis ergattern“, sagte Babette Albrecht. „Wir wollten doch keinen Albrecht-Aufschlag zahlen.“ Achenbach sitzt seit Juni 2014 in Untersuchungshaft. Er hatte in einem Teilgeständnis eingeräumt, teilweise „unberechtigte Aufschläge“ bei den Kunstverkäufen an seinen Duzfreund Albrecht vorgenommen und Rechnungen eigenhändig manipuliert zu haben. Bei den Oldtimergeschäften will er Albrecht über die Millionenaufschläge vorab informiert haben.

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