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27.03.2012

16:15 Uhr

Alkoholmissbrauch

Indianer verklagen Brauereien auf 500 Millionen Dollar

Ein Indianer-Reservat in South Dakota hat einige der weltweit größten Brauereien auf 500 Millionen Dollar verklagt. Es ist der letzte verzweifelte Versuch, den Alkoholmissbrauch der Stammesmitglieder zu unterbinden.

Ein Häuptling der Oglala Sioux, in Pine Ridge, South Dakota, USA. Bei den Oglala Sioux Indianern im US-Bundesstaat South Dakota grassiert der Alkoholismus. In ihrer Verzweiflung verklagt die Gemeinschaft nun Brauereien auf eine halbe Milliarde Dollar. dpa

Ein Häuptling der Oglala Sioux, in Pine Ridge, South Dakota, USA. Bei den Oglala Sioux Indianern im US-Bundesstaat South Dakota grassiert der Alkoholismus. In ihrer Verzweiflung verklagt die Gemeinschaft nun Brauereien auf eine halbe Milliarde Dollar.

Whiteclay ist eine kleine Ortschaft im US-Bundesstaat Nebraska, in der rund ein Dutzend Menschen wohnen. Es gibt vier Getränkeläden, eigentlich eher Blechbaracken, in denen jeden Tag etwa 13.000 Bierdosen an den Mann bringen. Eine gigantische Nachfrage mitten im Nirgendwo, denn bis zur nächsten großen Stadt man muss zwei Stunden fahren. Wo kommt dieser ungeheure Durst her?

Die Antwort liefern die betrunkenen Gestalten, die entlang der Hauptstraße in Whiteclay zu finden sind. Es sind Indianer des Oglala-Sioux-Stammes, viele von ihnen alkoholabhängig. Eigentlich kommen sie aus dem Reservat Pine Ridge im benachbarten Bundesstaat South Dakota, doch dort ist der Alkoholkonsum streng verboten.

Aus diesem Grund besorgen sich die Indianer in Whiteclay Starkbier mit 8,1 Prozent Alkohol. Der Ort liegt nur 30 Kilometer südlich vom Reservat entfernt. Anschließend betrinken sie sich entweder direkt in Whiteclay oder schmuggeln die Getränke ins Reservat, um sie dort zu konsumieren oder weiterzuverkaufen.

Die Situation ist dramatisch: Auf rund 45.000 Mitglieder des Oglala-Sioux-Stammes, die in Pine Ridge leben, kamen im vergangenen Jahr mehr als 20.000 Festnahmen, die auf Alkoholkonsum zurückzuführen sind, schreibt die „New York Times“. Mitglieder des Stammes werden aufgrund der ausschweifenden Lebensweise zwischen 45 und 52 Jahre alt, das ist weit unter dem US-Durchschnittswert von 77,5 Jahren. Selbst die trinkfesten Männer in Russland werden deutlich älter (2007 lag das Durchschnittsalter bei etwa 61 Jahren). Weil die Mütter in Pine Ridge während der Schwangerschaft trinken, leidet jedes vierte Kind an gesundheitlichen Spätfolgen.

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