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14.08.2014

15:15 Uhr

„ALS Ice Bucket Challenge“

Warum sich Promis nass machen

Die „Ice Bucket Challenge“, eine kurze Dusche unter Eiswasser, wird in den USA zum Internet-Phänomen. Schauspieler, Milliardäre und Gouverneure machen bei dem nasskalten Spaß mit ernstem Hintergrund mit.

Palo AltoFacebook-Gründer Mark Zuckerberg (30) ist einem Internet-Trend gefolgt und hat sich einen Eimer mit Eiswasser über den Kopf geschüttet. Der Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, habe ihn zu der Aktion im Rahmen der „Ice Bucket Challenge“ aufgefordert, sagte der Milliardär in einem Video, das er am Donnerstag auf seiner Facebook-Seite veröffentlichte. Danach schüttete er sich den Eimer mit Wasser über den Kopf, stutzte kurz und sagte dann: „Das war wirklich kalt.“

Die „Ice Bucket Challenge“ (etwa: „Eistonnen-Herausforderung“) verbreitet sich in den USA seit etwa zwei Wochen schneeballartig in den sozialen Netzwerken. Die Regeln: Ein Herausgeforderter entleert einen Eimer mit Eiswasser über sich und darf dann drei weitere Menschen nominieren, die binnen 24 Stunden dasselbe tun müssen. Tun sie dies nicht, sollen sie 100 Dollar einer Stiftung für die Bekämpfung der Krankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) spenden.

Der Hinweis auf ALS ist das eigentliche Ziel der Aktion. Die seltene Krankheit führt zu Nervenzerstörungen und fortschreitenden Muskellähmungen. Etwa die Hälfte der Patienten stirbt innerhalb der ersten drei Jahre. Über die genauen Ursachen und Mechanismen der Nervenkrankheit ist dabei wenig bekannt. Der Physiker Stephen Hawking lebt dank einer künstlichen Beatmung seit Jahrzehnten mit der Krankheit, wie der Berliner Mediziner Thomas Meyer erläutert. ALS sei zwar nicht heilbar, aber zu behandeln, wobei sich der Patient darauf einstellen muss, im gelähmten Körper eingeschlossen zu sein.
Der Neurologe leitet die ALS-Ambulanz an der Charité-Klinik. Deren Mitarbeiter würden überwiegend durch Spenden finanziert. „Was fehlt, ist eine öffentliche Förderung der ALS-Therapieforschung“, sagt Meyer. Die Eiswasser-Aktion findet der Mediziner „genial“. Es gebe bereits erste Spenden, die die Ambulanz erreichten. Und wer wird nun als nächster vor der Kamera nass? Meyer ist sicher, dass weitere deutsche Prominente folgen. „Wir arbeiten daran.“

Das virale Marketing kommt nun der ALS-Forschung zugute: Nach Angaben der ALS-Stiftung sind innerhalb von zwei Wochen vier Millionen Dollar (knapp drei Millionen Euro) an Spenden bei der Organisation angekommen - im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres seien es dagegen nur etwa 1,1 Millionen Dollar gewesen.

Aufmerksamkeit verschafft der „Ice Bucket Challenge“ vor allem die Beteiligung von Prominenten: Popsänger Justin Timberlake machte sich nass – und nominierte Moderator Jimmy Fallon. Nach erfolgreicher Eimer-Entleerung forderte der das Football-Team der New York Jets zum Nachmachen auf.

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