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18.03.2011

08:14 Uhr

Alternative Energien

Gemeinde wehrt sich gegen Windkraft

Vondapd

Nach der Katastrophe in Japan diskutiert ganz Europa alternative Energieversorgungen. In den Niederlanden rückt deshalb der Protest einer kleinen Gemeinde gegen eine Windkraftanlage in den Fokus.

Ein groß angelegter Windpark. Quelle: dpa

Ein groß angelegter Windpark.

AmsterdamWindmühlen gehören in der Vorstellungskraft der Nachbarländer zu den Niederlanden wie Gouda und Holzschuhe. Da erscheint es merkwürdig, dass ausgerechnet dort mit Vehemenz gegen einen Windkraftpark gestritten wird. Allerdings haben die modernen Windkraftanlagen auch nicht viel mit den klassischen Windmühlen gemeinsam.

In der kleinen Gemeinde Urk sollen die gewaltigen Anlagen rund 200 Meter in die Höhe reichen. 86 Turbinen in drei Reihen sollen an Land und jenseits der Küste entstehen und einmal Strom für 400.000 Haushalte produzieren. Doch so weit ist es noch lange nicht, denn die Bewohner der Region fürchten um ihre gewohnte Lebensweise und Traditionen.

„Das sind die höchsten Gebäude in Holland“, sagt der örtliche Bestatter Leen van Loosen. „Das ist einfach verrückt.“ Im gleichen Maß, wie immer mehr Windkraftanlagen in Europa entstehen, kommt es zu immer mehr juristischen Auseinandersetzungen zwischen den Betreibern und den betroffenen Gemeinden. Angesichts eines steigenden Ölpreises, der weltweiten Bemühungen um den Klimaschutz und neuen Zweifeln an der Sicherheit der Atomkraft gelten die erneuerbaren Energien jedoch als saubere Lösung für das Energie- und Umweltproblem. Und unter den erneuerbaren Energien ist die Windkraft die billigste und weit entwickelt noch dazu.

Neue Kapazitäten in der EU und weltweit

Allein im vergangenen Jahr entstanden in der Europäischen Union Kapazitäten für 10.000 Megawatt aus Windkraft. Damit stiegt die gesamte EU-Kapazität auf 84.000 Megawatt aus Windkraft oder zehn Prozent der Energieerzeugung, wie die Europäische Vereinigung für Windenergie in einem Bericht feststellte. Weltweit wuchsen die Kapazitäten für Strom aus Windkraft im vergangenen Jahr um fast 36.000 Megawatt oder 22,5 Prozent, fast die Hälfte davon in China.

Aber wenn schon die Niederländer die Windkraft ablehnen, wie viel Hoffnung besteht dann, dass der Rest der Welt sie als wichtige Energiequelle akzeptieren kann?

„In Holland gibt es kaum ein Projekt, das sich nicht verzögert“, sagt der Windkraftexperte Michiel Muller von der Beratungsfirma Ecofys. In ganz Europa müssen neue Anlagen zahlreiche Hürden nehmen, durchschnittlich dauert es 55 Monate, bevor mit dem Bau begonnen werden kann.

Kommentare (4)

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SelbstDenker857

18.03.2011, 09:23 Uhr

Warum Stimmungsmache mit solch einer Überschrift?! Wenn ich den Inhalt des Artikels richtig verstanden habe, dann sind die Einwohner von Urk nicht generell gegen einen Windpark in Ortsnähe und schon gar nicht gegen Windkraft im allgemeinen, sondern nur gegen diese Größe. Also, 22 Turbinen weniger als geplant und das Projekt ist akzeptiert! Eine seriösere Überschrift täte dem Thema gut!

Hartmann

18.03.2011, 15:04 Uhr

Ja, so ist das, alles im Leben hat zwei Seiten, sogar "grüne" Energie. Da werden wir ja noch auf manches Schauspiel gespannt sein können, besonders auf die "grünen" Kommentatatoren zu ihrer Herzenssache.

nachhaltiger

18.03.2011, 16:26 Uhr

Spitzenleistung und durchschnittliche Jahresleistung sind bei Wind besonders verschiedene paar Schuhe.

Die Durchschnittsleistung ist bei Wind je nach Standort 15 bis 40% der Spitzenleistung.

Dies muss man mit 80 bis 95% der Spitzenleistung der Kohle- und Atomkraftwerke vergleichen mit bis zu 8500 voll verfügbarer Leistung pro Jahr.

10.000 MW Wind sind damit nur 1500 bis 4000 MW durchschnittliche Leistung. Dazu variiert die Leitung vvon 0 bis 10.000 MW und als Ersatz müssen damit in der Planung 10.000 MW Ersatzleitung immer zur Verfügung stehen, wenn 10.000 MW als Spitzenleistung bei Windstille benötigt wird.

Oder man baut doppelt so viel Mühlen, die man bei Starkwind wegregelt. Dann braucht man "nur" noch 5000 MW.

Anstatt die Spitzenleistung zu nennen, wäre es hier besser die durchschnittliche Leistung und die nötige Ersatzleistung hier anzuführen, um hier den Netzwirkungsgrad der Windenergie deutlich zu machen.

Für mehr Windenergie werden intelligente Zähler und intelligente Verbrauchsgeräte mit adaptiver Regeleung benötigt, damit Kühlschränke und Klimatisierungen bei besonders viel Stromangebot ein Maximum verbrauchen und sich auf ein Minimum beschränken bei niedrigem Angebot.

Dann mal als Neu-Anti-Atomler mit Energiesparen beginnen und intelligentem Verbrauchen.

Und beim Langstreckenfliegen die Höhenstrahlung nicht vergessen, ansonsten kann der Urlaub auch in Tschernobyl stattfinden.

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