Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.09.2015

15:20 Uhr

Altkanzler wieder zuhause

Helmut Schmidt verlässt Klinik – und darf rauchen

Die Ärzte haben Helmut Schmidt noch nicht für gesund erklärt. Doch nach gut zwei Wochen ist der Altkanzler wieder zu Hause. Der 96-Jährige darf mit Erlaubnis der Mediziner auch rauchen – wenn er sich an einen Rat hält.

Der 96-Jährige Altkanzler ist starker Raucher. dpa

Helmut Schmidt

Der 96-Jährige Altkanzler ist starker Raucher.

HamburgMehr als zwei Wochen nach der Entfernung eines Gefäßverschlusses hat Altkanzler Helmut Schmidt am Donnerstag die Klinik wieder verlassen. Die Entlassung sei „auf ausdrücklichen Wunsch des Patienten“, erfolgt, teilte die Asklepios Klinik St. Georg in Hamburg mit. Die Pflege und weitere ärztliche Versorgung im häuslichen Umfeld sei gesichert.

Spezialisten hatten dem 96-Jährigen Anfang September ein Blutgerinnsel im Bein entfernt. Der Gefäßverschluss wurde mit Hilfe eines Katheters aufgelöst. Der SPD-Politiker und Mitherausgeber der „Zeit“ ist aber noch nicht vollständig geheilt. „Die Durchblutung des rechten Unterschenkels und Fußes hat nach initialer Verbesserung durch den Kathetereingriff im weiteren Verlauf erneut abgenommen, ist aber weitgehend kompensiert“, hieß es. In Abstimmung mit Helmut Schmidt sei „in Anbetracht seines aktuell reduzierten Allgemeinzustandes eine Operation vorerst zurückgestellt“ worden, hieß es weiter.

Helmut Schmidts Bekenntnisse

Schmidt spricht...

In dem am Samstag im Verlag C. H. Beck erscheinenden Buch „Was ich noch sagen wollte“ gibt Altkanzler Helmut Schmidt (SPD) teils sehr persönliche Einblicke. Einige Zitate:

Quelle: dpa

über Loki

„Ich konnte mich in jeder Situation auf sie verlassen. Ich zögere nicht zu sagen: Loki war der Mensch in meinem Leben, der mir am wichtigsten war.“

(Schmidt über seine 2010 verstorbene Ehefrau Loki.)

über die RAF

„Für Loki und mich war klar: Im Falle einer Entführung lassen wir uns nicht austauschen.“

(Schmidt zur Gefahr, von RAF-Terroristen entführt zu werden – eine entsprechende Anweisung ließ er dem Kanzleramt übermitteln.)

über den Sohn

„Im Juni 1944 brachte Loki einen Sohn zur Welt, der nach acht Monaten an Gehirnhautentzündung starb. Der Feldpostbrief, in dem Loki mir vom Tod des Kindes berichtete, war verloren gegangen. Erst aus einem späteren Brief zog ich die Schlussfolgerung, dass der Junge gestorben sein musste. Es war ein schrecklicher Moment.“

(Schmidt zum Tod des Sohnes – er war zu dem Zeitpunkt an der Front.)

über seine Affäre

„In unserer 68 Jahre währenden Ehe hat es ein einziges Mal etwas gegeben, was ein Außenstehender eine Krise nennen könnte. Ich hatte eine Beziehung zu einer anderen Frau.“

(Schmidt zu seiner Affäre Ende der 60er/Anfang der 70er Jahre - er musste Loki von einer Trennung abbringen.)

...über die Nazi-Zeit

„Die Heutigen wissen alles viel besser.“

(Schmidt zu Belehrungen wegen seiner Rolle in der Nazi-Zeit.)

über Politik

„Es zeichnet politische Führer wie Churchill, de Gaulle oder Adenauer aus, dass sie nicht nur die nächste Wahl, sondern auch das langfristig Notwendige im Blick haben. Der Trend, nur noch in Legislaturperioden zu denken, hat seither erheblich zugenommen.“

(Schmidt zu Veränderungen in der Politik.)

über Verstädterung

„Hier wächst, potenziert durch die sozialen Netzwerke, die Gefahr der Verführbarkeit. Je mehr Menschen auf einem Fleck zusammenwohnen, desto leichter sind sie massenpsychologisch zu beeinflussen - auch und gerade durch falsche Vorbilder.“

(Schmidt zu den Risiken der weltweit zunehmenden Verstädterung.)

über Erich Ollenhauer

„Er war ein anständiger Mensch, aber ein mittelmäßiger Politiker.“

(Schmidt über den früheren SPD-Chef Erich Ollenhauer, der die Partei von 1952 bis 1963 führte.)

über Kohl

„Ich möchte Kohl zugute halten, dass er im Grunde ein anständiger Politiker gewesen ist.“

(Schmidt zu Kohls Leistungen bei der Deutschen Einheit – er warnt davor, die CDU-Spendenaffäre überzubewerten.)

über den Westen

„Inzwischen haben die Schlafwandler den Ukraine-Konflikt auf das Feld der Ökonomie verlagert; gleichwohl ist die Gefahr eines großen Krieges nicht gebannt. (...) Das Machtgefüge der Welt ist insgesamt in Bewegung.“

(Schmidt zur Rolle des Westens im Ukraine/Russland-Konflikt)

über Gehälter

„Von zehn Jahren wäre keiner auf die Idee gekommen, dem Vorstandsvorsitzenden von VW 15 Millionen Euro Gehalt zu zahlen.“

(Schmidt zur Steigerung der Gehälter für Unternehmenschefs – er wirft den Gewerkschaften vor, dies nicht verhindert zu haben.)

„Schmidt geht es besser, aber die Bein- und Fußdurchblutung ist eingeschränkt, und seine Motorik lässt weiter zu wünschen übrig“, sagte der Kardiologe Prof. Karl-Heinz Kuck der „Bild Hamburg“ (Donnerstag). „Ich hoffe, dass er zu Hause schneller wieder in die Gänge kommt.“ Gegen eine Zigarette hat Kuck nichts einzuwenden. „Schmidt raucht seit mehr als 80 Jahren. Er soll ruhig wieder zur Zigarette greifen. Hauptsache, er bewegt sich.“

Ein interdisziplinäres Team von Spitzenmedizinern hatte den Altkanzler behandelt. Nach dem Kathetereingriff hatten sich die Ärzte zunächst zufrieden geäußert. Der Chefarzt der Gefäßchirurgie, Prof. Thomas Koeppel, deutete aber bereits damals die Möglichkeit einer Bypass-Operation im Fall eines erneuten Verschlusses an. In den vergangenen zwei Wochen hatte Schmidt blutverdünnende Medikamente und Schmerzmittel bekommen.

In der Klinik rauchte Schmidt diesmal nach Angaben der Ärzte nicht - im Gegensatz zu früheren Krankenhausaufenthalten. Er habe aber ein Nikotinpflaster bekommen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×