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27.04.2012

08:20 Uhr

Amokläufe

Die Lehren aus Winnenden und Erfurt

Ein schärferes Waffenrecht, Krisenpläne in Schulen, stärkere Zensur von Computerspielen - das sind die Konsequenzen zehn Jahre nach der Bluttat an einer Schule in Erfurt. Wie die Politik Amokläufe verhindern will.

Ein Apsperrband trennt die Medienvertreter von Trauernden vor dem Gutenberg-Gymnasium. Vor zehn Jahren erschoss ein Ex-Schüler hier 16 Menschen und anschließend sich selbst. dpa

Ein Apsperrband trennt die Medienvertreter von Trauernden vor dem Gutenberg-Gymnasium. Vor zehn Jahren erschoss ein Ex-Schüler hier 16 Menschen und anschließend sich selbst.

Nach den Amokläufen in Erfurt und Winnenden verfiel Deutschland in eine Schockstarre. Wie kann man so ein Blutbad verhindern? Zehn Jahre nach der Tragödie von Erfurt und drei Jahre nach dem Amoklauf in Winnenden hat die Politik ihre Konsequenzen gezogen.

Die wohl größten Änderungen hat das Waffenrecht erfahren. Die Vorschriften wurden mehrfach verschärft und gelten mittlerweile als besonders streng. Seit der umfangreichen Gesetzesnovelle nach Erfurt müssen etwa Personen unter 25 Jahren, die erstmals eine Waffe legal besitzen wollen, ein ärztliches oder psychologisches Attest zu ihrer „geistigen Reife“ vorlegen. Der Besitz von sogenannten Pumpguns mit Pistolengriff ist heute untersagt. Der Amokläufer von Erfurt, der 16 Menschen und anschließend sich selbst erschossen hatte, besaß eine solche Waffe.

Mit der Errichtung des Nationalen Waffenregisters hat der deutsche Bundestag das Waffenrecht am Donnerstag erneut verschärft. dpa

Mit der Errichtung des Nationalen Waffenregisters hat der deutsche Bundestag das Waffenrecht am Donnerstag erneut verschärft.

Auch das Sportschießen ist von den strengeren Auflagen nicht ausgenommen. Nach Winnenden wurde die Altersgrenze für das Sportschießen mit Großkaliberwaffen von 14 auf 18 Jahre angehoben. Auch die Kontrollen zur Waffenaufbewahrung in Privatwohnungen wurden verschärft. Eine direkte Konsequenz aus dem Amoklauf in Winnenden: Der Attentäter hatte im März 2009 mit der Pistole des Vaters an seiner Schule und auf der Flucht 15 Menschen und sich selbst getötet. Der Vater, ein Sportschütze, hatte die Waffe nicht wie vorgeschrieben in einem Tresor weggeschlossen. Seit dem sind bei Waffenbesitzern verdachtsunabhängige Kontrollen ohne Vorankündigung möglich.

Eine weitere Maßnahme soll künftig ein nationales Waffenregister darstellen. Die Grundlage dafür verabschiedete der Bundestag am Donnerstag. Deutschland setzt damit zwei Jahre früher als vorgeschrieben eine EU-Richtlinie um. Bisher werden die Daten über Waffen und ihre Halter in knapp 600 lokalen Waffenbehörden verwaltet. Ein Zentralregister soll mit seinen besseren Auskunftsmöglichkeiten die Arbeit der Sicherheitsbehörden erleichtern.

Kommentare (2)

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prinzipal

27.04.2012, 08:40 Uhr

Eine Lehre sollte auch sein: Es heißt Winnenden und nicht Winneden!

Account gelöscht!

27.04.2012, 08:44 Uhr

Zehn Jahre nach Erfurt:
".....Die Grundlage dafür verabschiedete der Bundestag am Donnerstag."
Zehn Jahre dauert das. Die Waffenlobby hat schon einen starken Einfluß. Was zahlen da die toten Kinder ...

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