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27.07.2016

13:50 Uhr

Amokläufer von Winnenden

Mutter des Täters haftet nicht für Behandlungskosten

Musste die Mutter des Amokläufers von Winnenden wissen, dass ihr Sohn gefährlich ist und freien Zugang zu einer Waffen und Munition hat? Nein, meinen Stuttgarter Richter. Der Vater bleibt jedoch im Fokus.

Ein 17-Jähriger erschoss 2009 an seiner ehemaligen Schule und auf der Flucht 15 Menschen und sich selbst. dpa

Nach dem Amoklauf in Winnenden

Ein 17-Jähriger erschoss 2009 an seiner ehemaligen Schule und auf der Flucht 15 Menschen und sich selbst.

StuttgartDie Mutter des Amokläufers von Winnenden muss nicht für die Behandlungskosten von Opfern und Hinterbliebenen der Bluttat im März 2009 aufkommen. Die klagende Unfallkasse des Landes hat ihre Berufung gegen ein Urteil des Landgerichts Stuttgart vom August 2015 zurückgezogen, wie das Oberlandesgericht Stuttgart am Mittwoch mitteilte.

Der 13. Zivilsenat hatte zuvor deutlich gemacht, dass die Mutter im Gegensatz zum Vater ihre Aufsichtspflicht über den 17-jährigen Amokläufer aus Sicht des Gerichts nicht verletzt hat. Sie habe keine Kenntnis davon gehabt, dass der Vater die Schusswaffe offen im Schlafzimmerschrank liegen hatte, hieß es. Und sie hätte dies auch nicht wissen müssen.

Mit der Waffe erschoss ihr Sohn beim Amoklauf an seiner ehemaligen Schule in Winnenden bei Stuttgart und auf seiner Flucht 15 Menschen und sich selbst. Der Amokläufer von München vor wenigen Tagen soll sich vor seiner Bluttat an den Tatorten in Winnenden informiert haben.

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Im Prozess sei zudem klar geworden, schrieb das Oberlandesgericht am Mittwoch, dass 2009 keine erhöhte Aufsichtspflicht über den fast Volljährigen bestand. Auch nach ärztlicher Einschätzung habe nichts darauf hingedeutet, dass sein sozial auffälliges Verhalten in Aggression und Gewalt umschlagen könnte.

Der Vater war im August 2015 vom Landgericht Stuttgart dazu verurteilt worden, der Unfallkasse Baden-Württemberg die Kosten für die Heilbehandlung von Schülern, Eltern und Lehrern ersetzen zu müssen. Die Schadenersatzklage gegen die Mutter hingegen scheiterte damals, die Berufung dagegen wurde nun mangels Aussicht auf Erfolg von der Unfallkasse zurückgezogen.

Das Verfahren gegen den Vater läuft weiter. Die Versicherung machte ursprünglich eine Forderung von knapp 717.000 Euro geltend. Der nächste Termin ist für den 18. November vorgesehen, hieß es beim Landgericht. Dann gehe es um die Höhe der Zahlungen. Es sei davon auszugehen, dass die Kammer versuchen wird, dann einen Vergleich auszuhandeln.

Von

dpa

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