Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.04.2015

08:46 Uhr

Amoklauf von Aurora

War der US-Kinoschütze unzurechnungsfähig?

Eine nächtliche Filmvorführung im US-Staat Colorado wird zu einem Blutbad. Jetzt steht der Amokläufer vor Gericht. Die Kernfrage im Prozess: War er zur Tatzeit geistig zurechnungsfähig?

Dem mutmaßlichen Amokläufer Holmes (Aufnahme aus dem Jahr 2013) droht die Todesstrafe. ap

James Holmes

Dem mutmaßlichen Amokläufer Holmes (Aufnahme aus dem Jahr 2013) droht die Todesstrafe.

CentennialFast drei Jahre nach dem blutigen Amoklauf in einem Kino im US-Staat Colorado kommt der Prozess gegen den geständigen Schützen James Holmes in Schwung. Am Montagabend (MESZ) sollen vor einem Bezirksgericht in Centennial, einem Vorort von Denver, die Eröffnungsplädoyers von Anklage und Verteidigung beginnen. Der heute 27-jährige Holmes hatte im Juli 2012 bei der nächtlichen Vorführung eines „Batman“-Filmes in Aurora 12 Menschen erschossen und 58 weitere verletzt.

Der Angeklagte hat die Taten zugegeben, aber auf „nicht schuldig wegen Unzurechnungsfähigkeit“ plädiert. Im Prozess wird es daher hauptsächlich um seinen Geisteszustand zur Tatzeit gehen. Im Fall eines Schuldspruches könnte Holmes die Todesstrafe erhalten. Setzt sich die Verteidigung durch, würde er wohl in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Die Geschworenenjury, die über sein Schicksal entscheiden muss, besteht aus 19 Frauen und fünf Männern.

Amokläufe in den USA seit April 2012

April 2012

Bei einem Amoklauf an einem Privatcollege im nordkalifornischen Oakland kommen sieben Menschen ums Leben. Ein 43 Jahre alter ehemaliger Schüler stellt sich der Polizei. Er sei auf eine Angestellte und frühere Mitschüler wütend gewesen, erklärt er.

Juli 2012

Während der Mitternachts-Preview eines „Batman“-Films schießt ein 24-Jähriger in einem Kino der Stadt Aurora bei Denver (Colorado) um sich und tötet zwölf Menschen. 70 werden verletzt. Der Beginn des Hauptverfahrens ist für Februar 2014 geplant, dem Schützen droht die Todesstrafe.

August 2012

Mit einer Kalaschnikow feuert ein 23 Jahre alter frustrierter Angestellter in einem Supermarkt bei New York um sich und erschießt zwei Kollegen. Danach tötet er sich selbst.

August 2012

Eine geplante Zwangsräumung in Texas führt zu einer Schießerei mit drei Toten und vier Verletzten. Ein 35-Jähriger hatte sich in seiner Wohnung verschanzt und das Feuer eröffnet, als ein Polizist ihm den Räumungsbefehl übergeben wollte.

August 2012

Ein Ex-Soldat erschießt sechs Menschen in einem Sikh-Tempel in Wisconsin. Der Täter aus der rechten Szene stirbt durch eine Polizeikugel. Möglicherweise wollte er die Terroranschläge vom 11. September 2001 rächen und hielt die Sikhs für Muslime.

Dezember 2012

Beim bis dahin schlimmsten Amoklauf an einer US-Schule kommen 27 Menschen ums Leben, darunter 20 Kinder. Der 20-jährige Schütze tötet sich nach dem Blutbad in der Grundschule in Newtown (Connecticut) selbst.

Dezember 2012

In Pennsylvania sterben bei einem Amoklauf vier Menschen, darunter der Schütze. Er erschießt in einer Kirche eine Frau, einen Mann in dessen Wohnung und später einen Autofahrer. Bei einer Verfolgungsjagd feuert er auf Polizisten, bevor er selbst tödlich getroffen wird.

April 2013

Mit einem Messer geht ein 21-Jähriger an einem College in Texas wahllos auf Mitstudenten los und verletzt 14 von ihnen. Die Polizei fasst ihn kurz nach der Tat. Nach Medienberichten hatte der Mann seit längerem Gewaltfantasien.

Juni 2013

Ein Mann schießt auf dem Campus des Santa Monica College um sich und tötet vier Menschen. Zuvor zwang der Mann eine Autofahrerin mit vorgehaltener Waffe, ihn zum Campus zu fahren. Polizisten erschießen den Mann in einer benachbarten Bücherei. Quelle: dpa

Holmes Anwälte argumentieren, ihr Mandant sei seit langem psychisch schwer gestört gewesen und habe den Amoklauf während einer besonders schlimmen Krankheitsphase begangen. Tatsächlich hatte sich der junge Mann vor seiner Tat einer Psychologin anvertraut, die sich dann an die Polizei wandte und Holmes als mögliche „Gefahr für die Öffentlichkeit“ bezeichnete.

Die Anklage hingegen macht unter anderem geltend, dass Holmes seine Tat monatelang geplant und seine Wohnung mit mehreren Sprengfallen versehen habe, die ganz offensichtlich für die Ermittler gedacht gewesen seien. Das lasse auf scharfen Verstand und Schuldfähigkeit schließen.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×