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09.03.2014

09:32 Uhr

Amoklauf von Winnenden

„Eine Menschenkatastrophe“

VonCaroline Lindekamp

Vor fünf Jahren tötete Tim Kretschmer die Tochter von Gisela Mayer und 14 weitere Menschen. Seitdem setzt sich Gisela Mayer gegen Gewalt in Schulen ein. Ihr Versuch, mit den Eltern des Täters zu sprechen, scheiterte.

Gisela Mayer: Sie hat ihre Tochter beim Amoklauf in Winnenden verloren. Mit dem Aktionsbündnis Winnenden will sie nun gegen Gewalt an Schulen vorgehen.

Gisela Mayer: Sie hat ihre Tochter beim Amoklauf in Winnenden verloren. Mit dem Aktionsbündnis Winnenden will sie nun gegen Gewalt an Schulen vorgehen.

Der Amoklauf von Winnenden jährt sich am Dienstag (11. März) zum fünften Mal. Bedeutet das Datum etwas für Sie?  

Ja und nein. Natürlich gibt es eine Art äußeren Gedenkens für die Öffentlichkeit. Das ist dieser Jahrestag. Auf der persönlichen Ebene ist es etwas ganz anderes, das sind keine fünf Jahre seit der Tat. Wenn ich meine Gefühle frage, dann war es vorgestern. Dieses Empfinden ist überhaupt nicht an Jahrestage gekoppelt, sondern beispielsweise an schönes Wetter. Wir haben immer den Frühling so gefeiert. Die schönen Tage sind die schmerzvollen Tage, die an den Verlust erinnern. Das hat mit offiziellen Daten nichts zu tun. Da wird man noch mal an den Vorgang erinnert, an die Grausamkeit der Tat. Aber der Schmerz ist an anderen Tagen viel stärker.

Was ist ihnen vom 11. März 2009, dem Tag des Amoklaufs, noch am präsentesten?

Stark im Gedächtnis geblieben sind mir diese völlig chaotische Ansammlung von Menschen, die Weigerung, mich zu meiner Tochter zu lassen, und die Unfähigkeit, mir die Wahrheit zu sagen. Es waren nur Andeutungen, die Formulierungen vergesse ich im Leben nicht. Erst hieß es: „Es sieht schlecht aus“, dann „Es sieht sehr schlecht aus“, schließlich „Es sieht ganz schlecht aus“. Verstanden hat es meine jüngere Tochter. Sie war es, die es ausgesprochen hat: „Verstehst Du es nicht, Mama? Es heißt, dass Nan tot ist.“

Sie haben Ihre Tochter Nina an deren 25. Geburtstag beerdigt. Sie war damals Referendarin an der Realschule. Erzählen Sie mir von Nina?

Es gibt ein schönes Bild für sie: Licht, Lebensfreude und Leichtigkeit. Das charakterisiert sie am besten. Sie war ein ganz positiver Mensch, der bei allen Widrigkeiten immer überzeugt war, dass alle Dinge irgendwie gut ausgehen. Und sie hat ja auch bis zu ihrem Ende Recht behalten. Sie war von einem ungebrochenen Optimismus geprägt, von einer großen Liebe zu den Menschen und sie war voll Geduld. Wenn der Täter ein Mensch in Not war, der keinen Ansprechpartner hatte, sie wäre die erste gewesen, die ihm geholfen hätte.

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