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19.03.2013

10:13 Uhr

Anklage wegen Mord

„Rockefeller“-Prozess eröffnet

Als „Rockefeller“, „Chichester“ und mit vielen anderen Namen hielt ein deutscher Hochstapler in den USA viele Leute zum Narren. Nun steht der gebürtige Bayer in Los Angeles wegen Mordes vor Gericht.

Christian Karl Gerhartsreiter vor Gericht. dpa

Christian Karl Gerhartsreiter vor Gericht.

Los Angeles Ist der Angeklagte ein kaltblütiger Killer, der den Toten zerstückelte, in Tüten verpackte und im Garten vergrub? Oder ist der gebürtige Bayer Christian Karl Gerhartsreiter (52) nur ein komischer Kauz, der zufällig auf dem Grundstück wohnte, auf dem 1994 die Leichenteile von John Sohus gefunden wurden.

Sein Mandant sei ein „seltsamer Typ, ein komischer Kerl“, räumte Verteidiger Brad Bailey am Montag in seinem Eröffnungsplädoyer vor Gericht in Los Angeles ein. „Sie werden von Zeugen über sein merkwürdiges, sonderliches und bizarres Verhalten hören“, warnte Bailey die Jury von sieben Frauen und fünf Männern. Aber „viel mehr als das“ könnte man dem Deutschen nicht vorwerfen, zitierte die „Los Angeles Daily News“ aus der Rede des Verteidigers.

Lächelnd habe Gerhartsreiter den Gerichtssaal betreten, berichteten US-Medien. Der unscheinbar wirkende Brillenträger mit schütterem Haar erschien im dunkelblauen Anzug. Als notorischen Betrüger und Hochstapler, der in den 80er Jahren ein „großer Hollywood-Produzent“ werden wollte, stellte Staatsanwalt Habib Balian in seiner Eröffnungsrede den Deutschen dar. „Er verheimlichte, wer er wirklich war“. Mit falscher Identität habe er Zugang zu reicheren Kreisen gesucht.

Gerhartsreiter, der sich jahrelang als Mitglied der „Rockefeller“-Familie ausgab, war 2011 angeklagt worden, vor 28 Jahren den Sohn seiner Vermieterin getötet zu haben. Unter dem falschen Namen Christopher Chichester lebte er in den 80er Jahren in Kalifornien, darunter in einem Gästehaus in San Marino bei Los Angeles, wo 1994 beim Ausheben einer Grube für einen Swimmingpool der grausige Leichenfund gemacht wurde. Ankläger Balian zeigte den Juroren Fotos von Plastiktüten mit den ausgegrabenen Überresten. Den Gerichtsmedizinern zufolge wies die Leiche schwere Kopfverletzungen und Stichwunden am Oberkörper auf. Erst 2008 konnte sie mit neuen DNA-Methoden eindeutig identifiziert werden.

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