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21.04.2017

16:50 Uhr

Anschlag auf BVB-Bus

Tatverdächtiger war angeblich Soldat

Der Mann der den Bombenanschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund verübt haben soll, war nach Medieninformationen Soldat bei der Bundeswehr. Er handelte nach ersten Erkenntnissen alleine – und aus Habgier.

Nach BVB-Anschlag

Festnahme – ist der mutmaßliche Täter gefasst?

Nach BVB-Anschlag: Festnahme – ist der mutmaßliche Täter gefasst?

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DüsseldorfDer Tatverdächtige im Fall des Anschlags auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund war einem Medienbericht zufolge Soldat bei der Bundeswehr. Der heute 28-Jährige leistete von April bis Dezember 2008 seinen Grundwehrdienst beim Lazarettregiment in Dornstadt bei Ulm ab, wie das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ am Freitag berichtete. Währenddessen soll er unter anderem in einer Unterstützungseinheit für die Sanitäter der Bundeswehr tätig gewesen sein, die sich um die Instandsetzung der Elektrotechnik kümmerte. Während seiner dreimonatigen Grundausbildung wurde er auch - wie üblich - im Umgang mit Waffen geschult.

Spezialkräfte der GSG9 hatten den 28-Jährigen am Freitagmorgen festgenommen. Laut Mitteilung der Generalbundesanwaltschaft wird dem Mann versuchter Mord, Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion sowie gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Gegen den Mann wurde am Freitagabend Haftbefehl erlassen. Die Behörde erklärte am Mittag, bisher gäbe es keine Hinweise auf weitere Täter oder Komplizen.

Im Zuge der Festnahme hat es allerdings Durchsuchungen in vier baden-württembergischen Städten gegeben. Dabei handelt es sich um Freudenstadt, Rottenburg, Tübingen und Haiterbach (Landkreis Calw), wie das Landes-Innenministerium am Freitag in Stuttgart mitteilte. Der 28 Jahre alte Tatverdächtige komme aus Freudenstadt. Die Bundesstaatsanwaltschaft hat „Kommunikationsmittel sichergestellt“, die jetzt ausgewertet werden, auch in Hinblick auf die Beteiligung weiterer Personen. Der Verdächtige werde noch am Nachmittag dem Haftrichter vorgeführt. Entsprechend wenig Details könnten zum jetzigen Zeitpunkt genannt werde, sagte eine Sprecherin am Freitagmittag.

Den Ermittlern zufolge hatte Sergej W. aus dem Raum Tübingen Geldgier als Motiv. Die Geldwäscheanzeige einer Bank und ein Hinweis aus dem Finanzsektor hätten zu dem Verdächtigen geführt. Mitarbeiter der „Comdirect“-Bank hatten der Polizei eine Verdachtsanzeige wegen Geldwäsche gegen den Deutsch-Russen übermittelt, der Kauf erschien ihnen verdächtig. Der Festgenommene habe vor dem Anschlag auf einen fallenden Kurs der BVB-Aktie gesetzt. Dies bestätigte die Bundesstaatsanwaltschaft ausdrücklich.

Das Kalkül: Durch die Explosion sollte der BVB-Aktienkurs zum Einsturz gebracht werden. Davon hätte der Täter dann profitiert, da er sich am Tag des Anschlages, dem 11. April, 15.000 Put-Optionsscheine gekauft hatte. Die Bundesstaatsanwaltschaft sprach von „mehreren zehntausend Euro“, die der Verdächtige eingesetzt hätte. NRW-Innenminister Ralf Jäger nannte am Mittag eine konkrete Summe, bezog sich hier aber nur auf einen Kredit den der Angeklagte aufgenommen hätte, „nach meinem jetzigen Kenntnisstand 79.000 Euro.“

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Put-Optionsscheine gewinnen an Wert, wenn eine Aktie fällt. Gab es im Vorfeld bisher verschiedene Angaben, wie viel Profit der mutmaßliche Täter mit dem Einsatz hätte machen, verwies die Staatsanwaltschaft auf laufende Berechnungen des BKA. Zuvor hatte es geheißen, bis zu vier Millionen Euro Gewinn seien möglich gewesen. Diese Zahl wurde bisher nicht bestätigt. Nach exklusiven Handelsblatt-Berechnungen dürfte sie aber deutlich überzogen sein.

Tatsächlich reagierte die BVB-Aktie auf den Anschlag mit Kursverlusten – allerdings nur mit leichten Abschlägen. Hatte sie am 11. April vor dem Anschlag am Abend noch mit 5,61 Euro den Xetra-Handel beendet, fiel sie im Tagesverlauf des 12. April im Tiefpunkt auf 5,50 Euro. Das entspricht einem Minus von zwei Prozent und ist kein starker Kurseinbruch. Den Handel am 12. April beendete die BVB-Aktie sogar mit Zugewinnen von 1,8 Prozent bei 5,71 Euro.

Kommentare (30)

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Herr Hofmann Marc

21.04.2017, 08:11 Uhr


Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Frau ke Schludewig

21.04.2017, 08:14 Uhr

Die Gier tötet täglich viel mehr Menschen als man annehmen sollte. Nehmen wir nur den geplanten Pipeline Bau des Westens, der durch Syrien verlaufen sollte. Dahingegen ist der Anschlag auf den Bus des BVB eher ein kleines Licht trotzdem natürlich eine abscheuliche und schlimme Tat. Krank...

Herr Tirk Nüller

21.04.2017, 08:31 Uhr

Man denkt sich beim täglichen lesen der News, tiefer geht es nicht mehr und dann wird der nächste abartig kranke Gier-Hammer rausgehauen.
Wir müßen echt etwas ändern, so können wir alle zusammen nicht mehr weitermachen, weil es ansonsten im gemeinsamen, gesellschaftlichen Untergang endet.
Eine faires Geld-, Wirtschafts- und Gesellschaftssystem ist zwingend erforderlich, um solche abartigen Exzesse im Namen des Geldes zu unterbinden.
Warum können wir nicht anfangen, über ein System nachzudenken, dass niemanden zurücklässt und welches die Kooperation und Zusammenarbeit in den Vordergrund stellt, „human first“ auf seine Grundlage schreibt und dafür sorgt, das der erwirtschaftete Wohlstand allen zugute kommt und nicht nur den Kapitalhaltern, die mit ihrem Geld über Zins- und Zinseszins noch mehr Geld verdienen.
Zudem sollten wir die Arbeit nach ihrem gesellschaftlichen Wert beurteilen und entlohnen und nicht mehr nur nach dem angeblichen Leistungsprinzip, dass sich in den letzten Jahren selbst karikiert hat. Kenne persönlich selbst einige Minderleister mit hohen Einkommen und sichersten Jobs. Für das aktuelle Einkommen war nicht das Leistungsprinzip ausschlaggebend, sondern die lange Betriebszugehörigkeit im gleichen Unternehmen und das fortschreitende Alter der Beschäftigten, die es sich auf ihren lockeren, gutbezahlten Pöstchen schick und gemütich bis zur Pensionierung/Rente eingerichtet haben.
Wenn schon Leistungsprinzip. dann für alle!
Arbeit muß sich wieder lohnen. Wenn ökonomisch immer weiter gespart und gekürzt wird, es es nur eine Frage der Zeit, bis einige auf abstruse Ideen kommen (siehe BVB-Anschlag), um ans große Geld zu gelangen. Ich bin sicher, dass diese Entwicklung in Zeiten von massiver Geldentwertung weiter zunehmen werden. Wer nichts mehr zu verlieren hat, wird auf Dauer brandgefährlich und zur Gefahr für die öffentliche Sicherheit und für Menschen, die vermögend sind. Ich würde gerne mal über die Lebensumstände des Attentäters lesen.

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