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20.03.2012

02:50 Uhr

Anschlagserie

Sarkozy ruft höchste Terrorwarnstufe für Toulouse aus

Nach dem vier Morden an einer jüdischen Schule in Toulouse steht Frankreich unter Schock. Es ist der dritte Anschlag in nur einer Woche. Präsident Sarkozy löst die höchste Terror-Alarmstufe aus.

Trauer um die Opfer von Toulouse

Video: Trauer um die Opfer von Toulouse

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Paris/ToulouseFrankreich trauert um die vier Opfer eines Anschlags auf eine jüdische Schule in Toulouse. Am Montagabend nahmen mehr als 1000 Menschen an einer Feier in einer Pariser Synagoge teil.

Unter den Teilnehmern waren Staatspräsident Nicolas Sarkozy, sein sozialistischer Herausforderer bei den Präsidentenwahlen François Hollande sowie mehrere Minister. Tausende, die keinen Platz mehr in der Synagoge Nazareth gefunden hatten, verharrten vor dem Gotteshaus. Eine Demonstration von mehreren tausend Trauernden, die der Verband jüdischer Studenten organisiert hatte, führte von dem Platz der Republik zur Bastille. Viele der meist jungen Teilnehmer, schwenkten zum Zeichen der Einheit französischen Fahnen, berichteten Medien am späten Abend.

Ein Unbekannter hatte am Montag drei Schüler und einen Lehrer vor einer jüdischen Schule in Toulouse erschossen. Die Schüsse kamen aus derselben Waffe, mit der in der vergangenen Woche drei Soldaten getötet und einer schwer verletzt worden waren - ebenfalls in Toulouse und in der etwa 50 Kilometer entfernten Gemeinde Montauban. Nach dem mutmaßlichen Täter wird mit Hochdruck gefahndet.

Die Trauer in Frankreich ist groß. dapd

Die Trauer in Frankreich ist groß.

Wie die französische Nachrichtenagentur AFP unter eine nicht namentliche genannte Quelle in den Reihen der Ermittler berichtete, gehen die Kriminalisten vor allem zwei Hypothesen nach: dass hinter den Anschlägen Islamisten oder Rechtsextremisten stecken könnten. Jedoch beschränke man sich nicht allein darauf. Auch andere Möglichkeiten würden in Betracht gezogen.

Drei der Soldaten hatten Wurzeln in Nordafrika, einer war ein Schwarzer. Jedes Mal beschrieben Zeugen den Täter als einen schwarz gekleideten Mann, der auf einem Motorroller geflüchtet war. Wegen des Anschlags unterbrachen die Parteien vorübergehend den Präsidentschaftswahlkampf. Sarkozy reiste noch am Vormittag nach Toulouse. Auch Hollande sagte alle Parteitermine ab und informierte sich am Nachmittag am Tatort.

Sarkozy sprach von einer nationalen Tragödie. Nach einer Sitzung des Sicherheitskabinetts im Élysée am Abend verhängte er die höchste Terror-Alarmstufe für die Region. Alle jüdischen und muslimischen Einrichtungen werden nun besonders gesichert. Nach Angaben von Sarkozy handelt es sich beim Täter um denselben, der in den Tagen zuvor zwei Anschläge auf Soldaten verübt hatte. „Jedes Mal wenn dieser Mann in Aktion tritt, handelt er, um zu töten. Er lässt seinen Opfern keine Chance“, betonte Sarkozy.

Toulouse

Schüsse vor jüdischer Schule

Toulouse: Schüsse vor jüdischer Schule

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Ein antisemitisches Motiv sei wahrscheinlich, der Mann sei gefährlich und müsse schnellstens gefasst werden. Vor Beginn des Unterrichts hatte der Täter am Montagmorgen vor der Ozar-Hatorah-Schule auf einen 30-jähriger Religionslehrer und seine beiden Kinder im Alter von drei und sechs Jahren geschossen, wie Staatsanwalt Michel Valet mitteilte. Das dritte Opfer war nach den Angaben zehn Jahre alt. Ein 17-Jähriger wurde schwer verletzt.

Mit derselben großkalibrigen Waffe waren schon am 11. und 15. März zwei Anschläge auf Soldaten in Toulouse und in Montauban verübt worden. Der Täter habe auch denselben, als gestohlen gemeldeten PS-starken Motorroller für seine Flucht genutzt, berichtete die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Ermittler. Völlig unklar sind dagegen die Hintergründe der Taten. Sarkozy ordnete für diesen Dienstag eine Schweigeminute um 11.00 Uhr zum Gedenken an die getöteten Kinder in allen Schulen an. Die Pariser Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Terrorismus.

Fremdenfeindliche Übergriffe in Frankreich

Traurige Tradition

Angriffe auf Juden, Synagogen oder andere jüdische Einrichtungen gibt es in Frankreich seit Jahren immer wieder; meist werden Molotow-Cocktails oder andere Gegenstände auf Gebäude geworfen. Als Motiv werden Anti-Semitismus, Israel-Hass oder Rechtsextremismus angenommen.

3. Oktober 1980

„Es ist schrecklich. Ich musste an das Attentat in der Rue Copernic vor 30 Jahren denken“, sagte der Vorsitzende des Rates jüdischer Einrichtungen in Frankreich (Crif), Richard Prasquier. Damals waren vier Menschen bei einem Anschlag auf eine Synagoge in Paris gestorben. Am 3. Oktober 1980 war im Zentrum von Paris eine Bombe explodiert, die in einer Satteltasche eines Motorrades versteckt war. Bei dem Anschlag vor der Synagoge starben drei Franzosen und eine junge Israelin, neun Menschen wurden verletzt. Es war der erste tödliche Angriff auf Juden in Frankreich seit der Besatzung durch die Nationalsozialisten während des Zweiten Weltkriegs.

9. August 1982

Entsetzen löste weltweit auch das Attentat auf das jüdische Restaurant Goldenberg in Paris aus, bei dem am 9. August 1982 sechs Menschen getötet und 22 verletzt wurden. Mit einer Maschinenpistole hatten die Täter unterschiedslos auf die anwesenden Gäste und Angestellten gefeuert, nachdem vor dem Lokal eine Handgranate gezündet worden war. Das in der Rue des Rosiers inmitten des alten jüdischen Viertels Marais gelegene Lokal war ein Treffpunkt der jüdischen Gemeinschaft von Paris.

In beiden Fällen wurden bis heute keine Täter verurteilt. Die Ermittlungen zum Restaurant Goldenberg verliefen im Sande, nachdem die französische Justiz zunächst von palästinensischen Tätern ausgegangen war. Der Überfall wurde von einem fünfköpfigen Kommando verübt.

Im Fall des Anschlages auf die Synagoge wurde Ende 2008 in Kanada ein Tatverdächtiger festgenommen. Der libanesischstämmige Mann Hassan D. bestreitet allerdings eine Tatbeteiligung und sieht sich als Opfer einer Namensgleichheit. Die französische Justiz hatte im Oktober 2007 neue Ermittlungen aufgenommen und geht von einem palästinensischen Kommando aus. Kanada stimmte schließlich im vergangenen Sommer einer Auslieferung von Hassan D. zu, nannte die Beweise gegen ihn aber schwach.

8. September 1995

Am 8. September 1995 explodierte eine Bombe vor der jüdischen Schule von Lyon; 14 Menschen wurden verletzt. Für den Anschlag wurden Islamisten verantwortlich gemacht. Ende März 1985 waren bei einer Explosion in einem Kino in Paris während eines jüdischen Filmfestes 18 Menschen verletzt worden.

31. Dezember 2001

Ein Klassenzimmer der jüdischen Schule Ozar Hatorah in Créteil bei Paris wird durch Brandstiftung zerstört.

1. April 2002

Die Synagoge Or Aviv in Marseille wird vermutlich durch Brandstiftung zerstört, gleichzeitig werden andere Synagogen mit Molotow-Cocktails attackiert.

10. April 2002

Ein Schulbus wird im 20. Arrondissement von Paris mit Steinen beworfen, ein Schüler wird leicht verletzt.

8. Juli 2003

Mehrere Schüler der Schule Beth Lubawitsch in Paris werden mit Eisenstangen angegriffen.

25. Mai 2005

Zwei junge Männer werfen Brandsätze auf eine jüdische Schule im 18. Arrondissement von Paris.

5. Januar 2009

Vor dem Zaun einer Synagoge in Toulouse wird ein Auto in Brand gesetzt, es gibt keine Verletzten.

Die Tat gilt als einer der mörderischsten Anschläge auf eine jüdische Einrichtung seit drei Jahrzehnten, als ein Überfallkommando im jüdischen Viertel in Paris in der Rue des Rosiers in einem Restaurant sechs Menschen tötete. Vertreter jüdischer Gemeinden und der jüdische Weltkongress äußerten sich schockiert. Das israelische Außenministerium sprach von Entsetzen über die Nachrichten.

Bluttat in Frankreich: „Er hat auf alles geschossen, was er vor sich hatte“

Bluttat in Frankreich

„Er hat auf alles geschossen, was er vor sich hatte“

Drei Kinder und ein Mann sind tot - hingerichtet von einem Täter, der mutmaßlich auch für die Ermordung von drei Soldaten verantwortlich ist. Die Bluttat an einer jüdischen Schule macht das Ausland fassungslos.

Auch EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und Außenminister Guido Westerwelle verurteilten den Anschlag. Regierungssprecher Steffen Seibert teilte am späten Montagabend mit, Bundeskanzlerin Angela Merkel habe Sarkozy ihr Mitgefühl nach dem Anschlag von Toulouse und den Soldatenmorden übermittelt.

Von

dpa

Kommentare (3)

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Pro-D

20.03.2012, 09:41 Uhr

Alles findet seinen gerechten Ausgleich
17 Menschen brutal durch Israelis ermordet !!!!!
---------


Massaker in Gaza
Israelische Luftschläge gegen Palästinenser fordern Tote und Verletzte. Raketenbeschuß Südisraels als Antwort


Mit der »schlimmsten Luft­attacke seit dem Krieg 2008/09«, so Augenzeugen, hat die israelische Armee am Wochenende mindestens 17 Personen getötet, darunter ein zwölfjähriger Junge. Nach Angaben palästinensischer Ärzte wurden bis Sonntag früh mindestens 30 Personen verletzt, fünf von ihnen befinden sich in kritischem Zustand. Unter den Verletzten sind auch Muamin Shrafi, Reporter eines Satellitenfernsehsenders, und dessen schwangere Frau, meldete die palästinensische Nachrichtenagentur Maan News. Das Haus des Ehepaares sowie das von Nachbarn seien bei den Angriffen getroffen worden. Abu Salmiya, Vertreter der medizinischen Dienste in Gaza, forderte Maan News zufolge »internationale Organisationen und Menschenrechtsgruppen« auf, dem Blutvergießen in Gaza ein Ende zu bereiten. Die Angriffe verstießen gegen »die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte und gegen die Vierte Genfer Konvention«, so Salmiya. Stromausfälle, Mangel an medizinischer Versorgung und ständige Militäroperationen brächten Gaza an den Rand einer »humanitären Katastrophe«.

Account gelöscht!

20.03.2012, 11:01 Uhr

Was für ein unglaublich dämlicher und herzloser Beitrag!

Account gelöscht!

20.03.2012, 11:33 Uhr

warum den immer Kinder?
was können die den dafür, dass ihre Eltern sich einer Glaubensrichtung bekennen?
-_-

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