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16.05.2016

21:31 Uhr

„Antanz-Trick“

Jugendliche belästigen zwei Frauen beim Karneval der Kulturen

Beim Karneval der Kulturen in Berlin feiern und tanzen traditionell Hunderttausende. Kriminelle nutzen das Gedränge auf dem Straßenfest – wie jetzt zum Leidwesen von zwei Frauen.

Von den Tätern konnten ein 14-Jähriger und zwei 17-Jährige gefasst werden. dpa

Karneval der Kulturen in Berlin

Von den Tätern konnten ein 14-Jähriger und zwei 17-Jährige gefasst werden.

BerlinAuf dem Karneval der Kulturen in Berlin sind zwei junge Frauen aus einer Gruppe von etwa zehn jungen Männern heraus sexuell belästigt und bestohlen worden. Die Polizei nahm einen 14-Jährigen und zwei 17-Jährige kurzzeitig fest, wie sie am Wochenende mitteilte. Von einem größeren Fall wie in der Kölner Silvesternacht werde nach ersten Ermittlungen nicht ausgegangen. Bis zum Montagmittag gab es keine weiteren Hinweise auf potenzielle Opfer.

Bei dem Straßenfest am Pfingstwochenende in Berlin-Kreuzberg tanzten die zwei 17 und 18 Jahre alten Frauen am Samstagabend vor einer Bühne. Sie seien von etwa zehn jungen Männern umringt, angetanzt, bedrängt und angefasst worden, teilte die Polizei mit. Die Frauen versuchten, vor der Gruppe zu fliehen, wurden aber immer wieder zurückgezogen. Einer der Männer soll auch ein Handy aus der Jackentasche der 17-Jährigen gestohlen haben.

Als herbeigerufene Polizisten kamen, hatte sich die Gruppe bereits aufgelöst, wie ein Sprecher sagte. Nur die drei 14- und 17-Jährigen konnten gefasst werden und wurden von Zeugen erkannt. Die Polizei suchte noch nach weiteren Tatbeteiligten. Ein Festbesucher hatte die Szene mit seinem Handy gefilmt.

Sexualstraftaten in Deutschland

Sexualstraftaten...

... machen in Deutschland weniger als ein Prozent der Gesamtkriminalität aus. 2014 wurden laut polizeilicher Kriminalstatistik bundesweit knapp 47.000 Fälle registriert – eine leichte Steigerung im Vergleich zum Jahr 2013.

Sieben Prozent...

... Prozent der Tatverdächtigen waren Frauen. Knapp vier Fünftel der Taten konnten aufgeklärt werden.

6100 der Verdächtigen...

... hatten nicht die deutsche Staatsangehörigkeit, das entspricht einem Anteil von 18,4 Prozent. Insgesamt waren es rund 33.100 Verdächtige. „Hierbei ist zu berücksichtigen, dass die nichtdeutsche Wohnbevölkerung zu einem größeren Teil als die deutsche aus jüngeren Männern besteht“, heißt es beim Bundeskriminalamt. „Ferner dürfte die besondere Lebenslage junger Ausländer bedeutsam sein.“

Der Missbrauch von Kindern...

... lag unter den Sexualstraftaten 2014 an erster Stelle – mit mehr als 12.100 Fällen. Knapp dahinter folgen Fälle von Vergewaltigung und sexueller Nötigung, die nach Paragraf 177 des Strafgesetzbuches geahndet werden. Im Verhältnis zur Zahl der Einwohner gab es die meisten solcher Fälle in Großstädten wie Berlin, Köln, Bremen und Stuttgart.

Je nach Schwere der Tat...

... drohen langjährige Haftstrafen: bei sexueller Nötigung mindestens ein Jahr, in minder schweren Fällen mindestens sechs Monate. Vergewaltigung wird mit wenigstens zwei Jahren Haft geahndet. Mindestens drei Jahre Gefängnis werden verhängt, wenn der Täter bewaffnet ist. Gefährdet er das Leben seines Opfers, drohen nicht weniger als fünf Jahre Haft. Führen sexuelle Nötigung oder Vergewaltigung zum Tod, folgen lebenslange Haft oder Gefängnis nicht unter zehn Jahren.

Nachdem die Personalien der drei bereits polizeibekannten Verdächtigen aufgenommen waren, wurden sie wieder entlassen. Die Polizei ermittelt gegen sie wegen Taschendiebstahls, Nötigung und Beleidigung auf sexueller Grundlage. Die junge Frau bekam ihr Handy zurück.

Der sogenannte Antanz-Trick ist eine seit längerem bekannte Masche von Dieben. Sie überrumpeln dabei ihre Opfer und nutzen den Körperkontakt, um Wertgegenstände zu stehlen. Nach ähnlichem Muster waren in Köln zu Silvester zahlreiche Frauen bestohlen und belästigt worden.

Von

dpa

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