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10.01.2014

19:09 Uhr

Antisemitismus

Zweiter Auftritt von Komiker Dieudonné verboten

Auch ein zweiter Auftritt des wegen antisemitischer Äußerungen umstrittenen französischen Komikers Dieudonné ist endgültig verboten werden. Der 47-Jährige scheiterte vor dem Obersten Verwaltungsgericht.

Dieudonné Mbala Mbala: Sein Spektakel begeistern nicht nur Neonazis, sondern auch Migrantenkinder aus den Vorstädten und Linksradikale. AFP

Dieudonné Mbala Mbala: Sein Spektakel begeistern nicht nur Neonazis, sondern auch Migrantenkinder aus den Vorstädten und Linksradikale.

ToursAuch ein zweiter Auftritt des wegen antisemitischer Äußerungen umstrittenen französischen Komikers Dieudonné ist endgültig verboten werden. Dieudonné scheiterte am Freitagabend vor dem Obersten Verwaltungsgericht Frankreichs mit dem Antrag, ein Verbot seines Auftritts in der Stadt Tours am selben Abend aufzuheben. Die geplanten Auftritte des Komikers haben in Frankreich zu erbitterten Debatten und einer Reihe juristischer Auseinandersetzungen geführt.

Das Verwaltungsgericht von Orléans hatte am Freitagvormittag ein vom Bürgermeister von Tours verhängtes Auftrittsverbot gegen Dieudonné bestätigt. Der bereits mehrfach wegen antisemitischer Äußerungen verurteilte Komiker zog daraufhin vor den Staatsrat in Paris, das Oberster Verwaltungsgericht des Landes. Der Staatsrat bestätigte aber am Abend das Auftrittsverbot.

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Ein farbiger französischer Kabarettist macht sich über den Holocaust lustig und füllt mit seinen antisemitischen Witzen die Säle. Besonders junge Franzosen feiern Dieudonné. Die Politik ist überfordert.

Bereits am Vorabend hatte das Gericht das Verbot eines Dieudonné-Auftritts in Nantes bestätigt, knapp zwei Stunden vor Beginn der Veranstaltung in der westfranzösischen Stadt. Der 47-jährige Komiker hatte in Nantes eine Frankreich-Tournee beginnen wollen.

Die Debatte um Dieudonné hat in Frankreich in den vergangenen Tagen hohe Wellen geschlagen. Der sozialistische Innenminister Manuel Valls hatte den örtlichen Behörden empfohlen, die Auftritte des Komikers zu verbieten. Der Innenminister sieht in den Auftritten keine humoristischen Veranstaltungen, sondern politische Versammlungen, bei denen der Komiker antisemitische und rassistische Parolen verbreite. Dieudonné ist unter anderem für den sogenannten Quenelle-Gruß bekannt, der an den Hitler-Gruß erinnert, von Dieudonné aber als systemkritische Geste dargestellt wird.

In seiner Entscheidung, Dieudonnés Auftritt in Tours nicht zu erlauben, hatte das Verwaltungsgericht Orléans argumentiert, es gebe ein "großes Risiko, dass es erneut zu schweren Verletzungen" der Menschenwürde komme. Das gelte trotz der Zusage, dass bei Auftritten in Paris von Dieudonné getätigte "strafbare" Äußerungen in Tours nicht wiederholt würden. Am Samstagvormittag muss das Verwaltungsgericht noch über ein weiteres Auftrittsverbot gegen Dieudonné entscheiden: Die Behörden haben auch die geplante Veranstaltung des Komikers am Samstagabend in Orléans verboten, was der Komiker anfechtet.

Von

afp

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