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13.01.2006

07:43 Uhr

Anzeichen für gefährliche Mutation

Forscher entdecken Mutation bei H5N1

Wissenschaftler haben bei der Analyse des Vogelgrippevirus H5N1 von zwei Todesopfern in der Türkei eine alarmierende Entdeckung gemacht: Offenbar mutierte der Virus so, dass es sich leichter an eine menschliche Zelle binden kann als an die eines Vogels.

Virus H5N1 (goldfarben): Entwickelt sich eine für Menschen gefährliche Mutation? Foto: ap

Virus H5N1 (goldfarben): Entwickelt sich eine für Menschen gefährliche Mutation? Foto: ap

HB LONDON. Die Veränderung in einem Gen sei in einer der beiden Proben festgestellt worden, erklärte die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Es sei aber noch zu früh für eine Einschätzung, ob es sich dabei um eine wichtige Mutation handele. Sie erlaube es dem Virus aber, sich leichter an eine menschliche Zelle zu binden als an die eines Vogels.

Dies könne ein Schritt des Virus sein, sich an den Menschen anzupassen, erklärte der WHO-Virologe Mike Perdue. Allerdings habe der Virus sich nicht so weit verändert, als dass er für den Menschen gefährlicher geworden wäre. „Wir müssen abwarten und sehen, wie die restlichen Viren aus der Türkei aussehen“, sagte Perdue.

Bereits vor Bekanntgabe der Genveränderung hatte die WTO vor dem zunehmenden Risiko einer weltweiten Epidemie gewarnt. „Die neuen H5N1-Infektionsfälle beim Menschen in der Türkei zeigen, dass sich die Situation jeden Monat verschlechtert und die Gefahr einer Grippe-Pandemie jeden Tag weiter wächst“, sagte der WHO-Generaldirektor für die Westpazifik-Region, Shigeru Omi. Es müsse daher sichergestellt werden, dass mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln auf erste Anzeichen einer Grippe-Pandemie reagiert werden könne. Dann sei die Chance groß, eine Ausbreitung der Krankheit zu verhindern oder sie zumindest einzudämmen, bevor die Situation außer Kontrolle gerate.

Die Zahl der in der Türkei mit dem tödlichen Erreger Infizierten stieg indes auf insgesamt 18, die meisten von ihnen Kinder. Sollte das Virus tatsächlich die Fähigkeit erlangen, von Mensch zu Mensch überzuspringen, droht laut Experten eine weltweite Ausbreitung, die Millionen Tote zur Folge haben könnte. Der WHO zufolge gibt es trotz der Mutationsentdeckung bislang keine Anzeichen dafür, dass die gefährliche Virus-Variante H5N1, die vor allem in Asien grassiert, von Mensch zu Mensch übertragen wird.

Die Vereinten Nationen (UN) hatten nach der rasanten Ausbreitung der Vogelgrippe in der Türkei vor einem ernsthaften Risiko für die Nachbarländer gewarnt. Innerhalb kurzer Zeit trat die Krankheit in mehr als 80 Provinzen auf, darunter in Touristenzentren an der Ägäis-Küste. Bei den Toten und Infizierten handelt es sich um die ersten Fälle außerhalb Chinas und Südostasiens, wo seit Auftreten der Krankheit mehr als 70 Menschen daran gestorben sind.

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