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19.05.2014

12:53 Uhr

Anzeige wegen Verleumdung

Strauss-Kahn geht gegen Film über Sex-Affäre vor

Der frühere IWF-Chef Strauss-Kahn geht gegen den Film „Welcome to New York“ vor. Er zeigt ihn als triebgesteuerten Macho, der bis zu den Vergewaltigungsvorwürfen ein Leben zwischen Champagner, Zigarren und Orgien führte.

Der französische Schauspieler Gerard Depardieu (l) verkörpert in dem Film den früheren IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn. Strauss-Kahn sei angewidert und entsetzt über den Film. dpa

Der französische Schauspieler Gerard Depardieu (l) verkörpert in dem Film den früheren IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn. Strauss-Kahn sei angewidert und entsetzt über den Film.

ParisWegen Rufschädigung klagt der einstige Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, gegen einen Film über seine Sex-Affäre in New York. Der Film „Welcome to New York“ mit dem Schauspieler Gérard Depardieu als sexbesessener Hauptfigur sei „eine Scheiße, eine Hundekacke“, sagte Strauss-Kahns Anwalt Jean Veil am Montag dem Sender Europe 1. Außerdem sei der Streifen von US-Regisseur Abel Ferrara „zum Teil antisemitisch“. Strauss-Kahns Ex-Frau Anne Sinclair hatte am Wochenende ihren "Ekel" über den Film zum Ausdruck gebracht.

Strauss-Kahn sei „angewidert und entsetzt über den Film“, der am Samstagabend erstmals am Rande des Filmfestivals von Cannes gezeigt worden war, sagte Anwalt Veil. Er habe den Auftrag gegeben, Klage einzureichen wegen Rufschädigung aufgrund der „Vergewaltigungsanschuldigungen und der Anspielungen“ den gesamten Film über. Der einstige IWF-Chef sei von der Justiz in New York klar von diesem Vorwurf entlastet worden. „Wie jeder hat er das Recht auf Vergessen.“

Der einstige Hoffnungsträger der französischen Sozialisten war im Mai 2011 in New York festgenommen worden, nachdem ein Zimmermädchen des Hotels Sofitel ihn der Vergewaltigung beschuldigt hatte. Strauss-Kahn musste als IWF-Chef zurücktreten, das Strafverfahren gegen ihn wurde später aber wegen mangelnder Glaubwürdigkeit des mutmaßlichen Opfers eingestellt. Er räumte allerdings ein, dass er „einvernehmlichen Sex“ mit dem Zimmermädchen hatte. Später wurde ihm zudem vorgeworfen, an ausschweifenden Sex-Partys mit Prostituierten beteiligt gewesen zu sein. Seine Frau, die renommierte Journalistin Sinclair, die ihn in der Sofitel-Affäre stets unterstützt hatte, trennte sich daraufhin von ihm.

Die Chronologie des Strauss-Kahn-Skandals

Samstag 14. Mai

Strauss-Kahn wird in New York festgenommen. Nach der später veröffentlichten Anklageschrift soll der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) in seiner Hotelsuite versucht haben, ein 32-jähriges Zimmermädchen zu vergewaltigen. Es war zum Aufräumen gekommen.

Sonntag 15. Mai

Die Frau identifiziert Strauss-Kahn, wie Medien berichten.

Montag 16. Mai

Eine New Yorker Richterin entscheidet, dass Strauss-Kahn vorerst in Haft bleibt. Sie begründet dies mit Fluchtgefahr. Eine Kaution von einer Million Dollar lehnt sie ab. Die New Yorker Staatsanwaltschaft legt Strauss-Kahn sechs Straftaten zur Last: „Sexuelle Belästigung ersten Grades“, dafür drohen 25 Jahre Haft. Hinzu kommt „versuchte Vergewaltigung ersten Grades“, dafür könnten 15 Jahre verhängt werden. Ferner geht es zweimal um „sexuellen Missbrauch“, „Freiheitsberaubung“ und „unsittliches Berühren“. Erste Berichte über ein Alibi des 62-Jährigen tauchen auf. Nach unbestätigten Meldungen französischer Medien war der IWF-Chef zur mutmaßlichen Tatzeit gar nicht im Hotel, sondern traf seine Tochter. Er habe seine Hotel-Rechnung um 12.28 Uhr bezahlt und sei dann Essen gegangen. Eine regierungsnahe französische Website veröffentlicht angebliche Polizeiprotokolle und diplomatische Berichte. Danach hat die Polizei DNA-Spuren, vermutlich Sperma, sichergestellt. Auf Strauss-Kahns Oberkörper seien Kratzspuren zu sehen gewesen. Die New Yorker Justiz prüft, ob der IWF-Chef schon einmal eine Frau angegriffen hat. Ein früherer Fall außerhalb der USA gleiche in groben Zügen dem aktuellen Vorwurf.

Dienstag 17. Mai

Strauss-Kahn soll nach Angaben eines New Yorker Boulevardblattes die Möglichkeit von „einvernehmlichem Sex“ eingeräumt haben. Er genießt nach Angaben des IWF keine diplomatische Immunität. Das Zimmermädchen will gegen den Chef des Internationalen Währungsfonds aussagen, sagt ihr Anwalt dem Sender CNN. Sie arbeite bereits mit Polizei und Staatsanwaltschaft zusammen. In seiner Gefängniszelle bleibt der IWF-Chef wegen angeblicher Selbstmordgefahr rund um die Uhr unter Beobachtung.

Mittwoch 18. Mai

Die Lage für Strauss-Kahn wird immer prekärer. US-Finanzminister Geithner fordert offen eine Übergangslösung für die Führung des Währungsfonds. Das mutmaßliche Opfer sagt überraschend vor der Grand Jury aus. Der Fernsehsender CNN berichtet, dass die 32-Jährige abgeschirmt in New York vernommen wird. Die Grand Jury hat letztlich zu entscheiden, ob es zu einem Prozess gegen den Franzosen kommt. Die „New York Post“ meldet, Strauss-Kahns mutmaßliches Opfer habe möglicherweise Aids.

Donnerstag 19. Mai

Strauss-Kahn zieht die Konsequenzen aus der Sex-Affäre und tritt als IWF-Chef zurück. Außerdem kommt er gegen eine Kaution von rund einer Millionen Dollar in bar frei. Er bleibt unter Hausarrest und muss eine elektronische Fußfessel tragen.

Montag, 23. Mai

Strauss-Kahn streitet in einer E-Mail an seine ehemaligen IWF-Kollegen alle Vorwürfe der versuchten Vergewaltigung vehement ab. "Ich bin zuversichtlich, dass die Wahrheit ans Licht kommen wird und ich entlastet werde", schreibt er in dem veröffentlichten Brief. Gleichzeitig kommen neue Indizien ans Licht. Auf der Kleidung des Zimmermädchens und dem Teppich des Hotelzimmers befanden sich Spermaspuren.

Dienstag, 24. Mai

Die Spermaspuren auf dem Kleid des Zimmermädchen stimmen mit der DNA von Strauss-Kahn überein, berichten mehrere Medien. Die Anwälte des Ex-IWF Chefs äußern sich zunächst nicht dazu.

Donnerstag, 26. Mai

Strauss-Kahn hat eine neue Bleibe in New-York: Das Apartment soll im Stadtteil Tribeca liegen. Dort steht er bis zum Beginn des Prozess unter Hausarrest.

Freitag, 1. Juli

Wende im Fall Dominique Strauss-Kahn: Offensichtlich ist die Glaubwürdigkeit der Frau, die dem ehemaligen IWF-Chef versuchte Vergewaltigung vorwirft, erschüttert. Nach Haft und verschärftem Hausarrest ist Strauss-Kahn wieder auf freiem Fuß. Doch er darf die USA vorerst nicht verlassen.

„Welcome to New York“ ist zum Teil an den Originalschauplätzen der Affäre um Strauss-Kahn gedreht. Seine Ex-Frau wird im Film von Jacqueline Bisset verkörpert. Depardieu, der im französischen Präsidentschaftswahlkampf 2012 den konservativen Kandidaten Nicolas Sarkozy unterstützt hatte, versicherte nach der Premiere, er habe die Hauptfigur nicht „ins Recht oder Unrecht setzen“ wollen. Er könne die „Regungen“ einer solchen Figur „verstehen“, bedaure aber „Menschen, die so sind“.

Der Film kann seit Samstagabend im Internet gesehen werden. Die Produzenten hatten betont, dass der Streifen nach US-Recht zu beurteilen sei und sie sich zuvor rechtlich gegen Klagen abgesichert hätten. Sinclair will nicht gegen den Film klagen.

Von

afp

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