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24.05.2011

22:28 Uhr

Aschewolke behindert Flugverkehr

Experten bauen auf neues Drei-Zonen-Modell

Auf Grund der Aschewolke des Vulkans Grímsvötn haben Fluggesellschaften nun auch in Schweden Verbindungen gestrichen. Auch auf Deutschland zieht die Wolke zu.

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Offenbach/Frankfurt/BrüsselWegen der Vulkanasche aus Island sind in Schweden am Dienstagabend zehn Inlandsflüge gestrichen worden. Die Luftverkehrsbehörde erklärte, über der Westküste werde eine mittelstarke Aschekonzentration erwartet, darunter auch über der zweitgrößten Stadt Göteborg.

Die französische Luftverkehrsbehörde DGAC zeigte sich optimistisch: Der Luftraum über Frankreich werde den Vorhersagen für die kommenden Tage zufolge von den Auswirkungen des Vulkanausbruchs vermutlich nur marginal betroffen sein, erklärte die DGAC am Abend. Derzeit sei keine Sperrung des Luftraums vorgesehen.

Mehrere hundert Flüge wurden derweil vor allem in Schottland und Nordengland gestrichen. Die Aschewolke zieht nun aber weiter südlich, auch Richtung deutsche Küste. Die Folgen für Flugreisende waren zunächst unklar: Ein Chaos wie im Frühjahr 2010 soll es allerdings nicht geben, weil ein neues Drei-Zonen-Modell weniger Flugverbote vorschreibt.

Im Laufe des Dienstags dürften rund 500 Flüge abgesagt werden, prognostizierte die europäische Flugsicherheitsbehörde Eurocontrol in Brüssel. „Das ist eine erste Schätzung, die endgültige Zahl wird von der Bewegung der Wolke abhängen“, sagte eine Sprecherin von Eurocontrol am Dienstag in Brüssel.

Das deutsche Drei-Zonen-Modell

Keine einheitlichen Standards

Wann ein Flugzeug wegen Vulkanasche nicht mehr fliegen darf, hängt von der Konzentration der Asche in der Atmosphäre ab. Grundlage dafür sind Messungen der Aschepartikel. Da sich die EU-Staaten bislang nicht auf einen europaweiten Grenzwert einigen konnten, bestimmt jedes Land diese selbst. Allgemein wird der Himmel in drei Zonen aufgeteilt. Für den deutschen Luftraum gelten folgende Zonen:

Zone 1

Die Aschekonzentration beträgt weniger als 0,2 Milligramm Vulkanasche pro Kubikmeter Luft. Flüge sind ohne Einschränkungen erlaubt.

Zone 2

Bis zu einem Wert von zwei Milligramm Asche gibt es noch einen regulären Flugbetrieb, aber mit Sicherheitsauflagen. So sind die Airlines dazu verpflichtet, ihre Flugzeuge häufiger zu warten und Vorkommnisse sofort an das Luftfahrt-Bundesamt zu melden.

Zone 3

Dies ist der gefährliche Kernbereich einer Aschewolke mit mehr als zwei Milligramm Asche. Alle Flüge sind dort grundsätzlich verboten. Sonst könnten Flugzeuge und Triebwerke beschädigt werden.

Ausnahmen

Ausnahmen bestehen in dieser Zone für Rettungsflüge, Einsatzflüge von Militär und Polizei sowie Messflüge. Auch Flugzeuge mit Kolbenmotoren dürfen noch in die Luft gehen. Ebenso können Flugzeuge mit Turbinenantrieb bei einem Wert von zwei bis vier Milligramm noch fliegen - vorausgesetzt, der Triebwerkshersteller lässt das zu und die Airline hat eine Risikoanalyse gemacht.

Europa weniger streng

Auf europäischer Ebene sind die Europäische Luftsicherheitsbehörde Eurocontrol und das Vulkanasche-Zentrum in London weniger streng und empfehlen höhere Grenzwerte. So beginnt die rote Flugverbotszone in ihrem Modell erst bei vier Milligramm Asche in der Luft. Die Zwischenzone mit Auflagen liegt zwischen zwei und vier Milligramm. Aus Sicherheitsgründen hat Deutschland seine Grenzwerte aber deutlich niedriger angesetzt.

Bis zum Dienstagabend könnte die Aschekonzentration an der deutschen Nordseeküste Werte zwischen 0,2 und 2,0 Milligramm je Kubikmeter Luft erreichen, wie Meteorologe Marcus Beyer vom Deutschen Wetterdienst (DWD) sagte. Bei diesen Konzentrationen seien Flüge nur unter besonderer Aufsicht möglich. Der Experte erwartete aber zunächst nicht, dass die kritische Marke von zwei Milligramm überschritten werde.

Bis Mittag waren im britischen Luftraum rund 250 Flüge gestrichen worden. Am Morgen habe der Kernbereich der Aschewolke - in dem Flüge nicht mehr erlaubt sind, weil die Asche Flugzeuge beschädigen kann - den Norden Großbritanniens und Teile Irlands erreicht. Allerdings ließen die Behörden nicht den gesamten Luftraum schließen, sondern es wurden lediglich einige Flüge abgesagt.

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