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21.01.2011

17:35 Uhr

Asterix-Zeichner Uderzo

Ein unbeugsamer Gallier gegen den Fiskus

Albert Uderzo ist gemeinsam mit René Goscinny als Vater der Asterix-Comics bekannt und beliebt. Dem 83-jährigen droht jedoch nun Ungemach mit den französischen Steuerbehörden. Die erkennen ihn nicht als Co-Autor der Bände an und fordern eine Menge Geld zurück. Doch Uderzo gilt in der Tat als unbeugsam – und Asterix sehr ähnlich.

Steuerstreit mit "Lutetia": Albert Uderzo gibt den Asterix. dpa

Steuerstreit mit "Lutetia": Albert Uderzo gibt den Asterix.

HB PARIS. Der alte Mann hinter Asterix versteht die Welt nicht mehr. Jahrzehnte seines Lebens hat Albert Uderzo dem kleinen gewitzten Gallier als Zeichner ein Gesicht gegeben und gemeinsam mit René Goscinny eine der erfolgreichsten Comic-Serien der Welt geschaffen. Nun will ihn der französische Fiskus auf einmal zum einfachen Handlanger machen und deshalb einen Haufen Geld zurück. „Die Finanzbehörden haben entschieden, dass ich niemals Ko-Autor der ersten 24 Alben war, sondern nur der Zeichner“, berichtete der 83- Jährige dem französischen Literaturportal „ActuaLitté“. 203 000 Euro solle ihn der kleine, aber feine Unterschied nachträglich kosten. Weil Zeichner steuerlich anders veranlagt werden als Autoren.

Keine Frage, dass Uderzo anderer Ansicht ist - nicht nur des Geldes wegen. „Selbstverständlich war ich mit Goscinny Ko-Autor“, poltert der erfolgreichste lebende Comic-Zeichner der Welt und prangert das Verhalten der Behörden als beschämend an. Dass er an den Abenteuern des tapferen und trinkfreudigen Galliers als Mitautor mitwirkte, stehe in allen Verträgen. „Ich hoffe, dass mein Anwalt mir helfen wird, Licht in die Sache zu bringen“, sagt Uderzo - und ergänzt im Gallier-Stil: „Ich werde kämpfen.“ Der Fiskus will sich bislang nicht äußern. „Kein Kommentar“, heißt es bei den zuständigen Behörden.

Dass Uderzo schnell aufgeben wird, ist unwahrscheinlich. Wie sein Comic-Held Asterix gilt der Sohn eines italienischen Geigenbauers als durchaus streitlustig. In den 90er Jahren zoffte er sich jahrelang vor Gericht mit dem Verlag Dargaud um die Rechte für die ersten 25 Asterix-Bände. Später geriet er dann auch mit seiner einzigen Tochter heftigst aneinander. Erst vor zwei Jahren verurteilte ein Pariser Gericht Uderzos Verlag Les Éditions Albert-René dazu, Sylvie Uderzo de Choisy 270 000 Euro Entschädigung zu zahlen. Das Gericht befand, dass die Entlassung der Tochter als Generaldirektorin wegen schwerer Fehler nicht gerechtfertigt gewesen war.

Wie so oft bei Familienstreits ging es auch ums Geld. Die Schmunzelabenteuer der Sippe um Asterix haben Uderzo und die Nachfahren seines bereits 1977 gestorbenen Freundes Goscinny zu Millionären gemacht. Weit mehr als 300 Millionen Exemplare sind bis heute verkauft worden; der gallische Witz ist in mehr als hundert Sprachen und Dialekten übersetzt worden. Bis Goscinny mit 51 Jahren früh starb, veröffentlichte das rastlose Duo mehr als 20 Alben. Als Zeichner und Texter setzte Uderzo das einträgliche Gallier- Unternehmen fort - jedoch in einem langsameren Rhythmus.

Zuletzt plante Uderzo bereits für die Zeit nach seinem Tod. „Ich weiß nur allzu gut, dass mein Held stärker ist als ich. Es wäre egoistisch, Asterix zu verbieten, mich zu überleben“, sagte er im vergangenen Jahr der französischen Tageszeitung „Le Figaro“. Lange Zeit habe er gedacht, dass es nach seinem Tod keine neuen Abenteuer geben sollte. Das sei allerdings ein Fehler gewesen.

Um dem oberschlauen Asterix und seinem kraftstrotzenden Partner und Wildschweinliebhaber Obelix eine Zukunft zu ermöglichen, arbeitete der an Rheuma erkrankte Uderzo zuletzt mit anderen Zeichnern zusammen. „Ein bisschen wie die italienischen Maler mit ihren Schülern“, meint er.

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