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16.03.2011

18:31 Uhr

Atom-Desaster in Japan

Katastrophenreaktor "faktisch außer Kontrolle"

Japan droht den Kampf gegen den Super-GAU zu verlieren: Auch in den bislang unbeschädigten Reaktoren Fünf und Sechs steigt die Temperatur. Der IAEA-Chef nennt die Lage "sehr ernst" - und fliegt sofort nach Japan.

Erneut Erdbeben in Japan

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Tokio/KyotoJapan steuert immer mehr auf einen atomaren Super-GAU zu. Die Lage im Atomkraftwerk Fukushima verschlechterte sich weiter: Die Betreiberfirma Tepco meldete am Donnerstag Probleme in den bislang von der Katastrophe nicht betroffenen Reaktoren Fünf und Sechs, in denen die Temperatur um das Doppelte angestiegen sei. Derweil drohte der Konzern den Kampf um die schwerbeschädigten Reaktoren Drei und Vier zu verlieren.

In einem verzweifelten Wettlauf mit der Zeit versuchten die wenigen verbliebenen Arbeiter das Schlimmste zu verhindern. Die IAEA nannte die Lage in dem 240 Kilometer nördlich von Tokio gelegenen Komplex „sehr ernst“. Sie sei aber noch nicht außer Kontrolle. Die Schäden am Kern dreier Reaktoren seien bestätigt, teilte die Internationale Atomenergiebehörde IAEA in Wien mit. Behördenchef Yukiya Amano fliegt sofort nach Japan, um sich an Ort und Stelle ein Bild machen zu können.

Amano kritisierte die Informationspolitik aus Tokio, die umfassender und schneller sein müssten.  Unterdessen warnte EU-Energiekommissar Günther Oettinger vor katastrophalen Ereignissen in Fukushima, die innerhalb weniger Stunden eintreten könnten. Das Kraftwerk sei faktisch außer Kontrolle.

Eine Sprecherin sagte später, die Äußerungen Oettingers beruhten nicht auf besonderen Informationen, sondern auf Medienberichten. Er habe nicht von einer bevorstehenden Katastrophe gesprochen, sondern lediglich seine Ängste geäußert.  Bundeskanzlerin Angela Merkel nannte die Lage „sehr, sehr ernst“. Das Auswärtige Amt verschärfte seine Reisewarnung. Es empfiehlt nun allen Deutschen, die Region um Fukushima und den Ballungsraum Tokio/Yokohama vorübergehend zu verlassen.

Die etwa 50 noch verbliebenen Arbeiter mussten sich am Mittwoch zeitweise aus dem Kraftwerk zurückziehen. Die Behörden registrierten an der Atomanlage zwischenzeitlich einen Strahlungshöchstwert von 1000 Millisievert, der aber schnell wieder absank. Über das genaue Ausmaß der Strahlenbelastung gab es unterschiedliche Angaben. Derweil erschütterten weitere Nachbeben das Land. Die japanische Regierung forderte nun auch im Ausland Hilfe an.

Priorität hat nach Angaben des Kraftwerkbetreibers Tepco der Reaktor Drei, dessen Dach durch eine Explosion beschädigt wurde und aus dem zeitweise Dampf entwich. Hubschrauber konnten die Anlage wegen der hohen Strahlung nicht aus der Luft mit Wasser kühlen. Tepco kündigte inzwischen einen neuen Helikopter-Einsatz an. Reaktor Drei verwendet auch das hochgiftige Plutonium als Brennstoff. Die hohe Strahlung und böiger Wind hatten Hubschrauber-Einsätze zum Kühlen im havarierten Atomkraftwerk Fukushima Eins bislang verhindert.

Wie verzweifelt die Lage ist, belegten Planungen der Polizei, Wasserwerfer zur Kühlung einzusetzen. Auch Soldaten sollen helfen. Die Lage in dem in Brand geratenen Meiler sei „nicht so gut“, räumte der Betreiber ein. Wegen der hohen Strahlenwerte verschieben Soldaten der Selbstverteidigungskräfte derweil ihre Arbeit an der Kühlwasserversorgung für Block drei, wie ein Armeesprecher mitteilte. Noch ist unsicher, wann die Soldaten wieder zu dem Reaktorgebäude vorrücken können

Kommentare (11)

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Morchel

16.03.2011, 20:23 Uhr

@ Adre einer der primitivsten Meinungen eines erfolglosen dummen Menschen.Wviele Menschen würden heut noch leben keine verseuhten Flächen wenn diese so erfogreichen Gierigen Menschen Keine AKWs gebaut hätten, wünsche dir eine lange erfolglose existens,du spinner.

Account gelöscht!

16.03.2011, 20:38 Uhr

@morchel
Du hörst zu den verblödeten Ökos die komplexere Zusammenhänge nicht begreifen können. Auf der Erde leben 7 Mrd. Menschen. Es würde in einer absoluten Katastrophe enden, wenn man versuchen würde, deren Stromversorgung ohne Kernenergie zu gewährleisten.

Klaus

16.03.2011, 20:43 Uhr

@Andre,
ich habe es zu etwas gebracht, trotzdem bin ich mittlerweile in das Lager der Gegener gewechselt.
Kennen Sie das Buch von Taleb über den schwarzen Schwan?

Keiner glaubte an die Finanzmarktkrise.

Die Japaner, eine Hochtechnologienation, glaubte auch, die AKW's seien sicher.

In Deutschland glauben das auch noch die Betreiber.

Die saublöde Einlassung, hier gibt es keine Beben mit einer derartigen Stärke, spricht für sich.
Die Reaktoren wurden nicht durch die Beben zerstört, sondern durch den Ausfall der Notkühlung. Und das kann auch hier passieren. Tragen die dann den Strom in Plastiktüten zum Kraftwerk, um die Kühlung herzustellen?

Jetzt ist es an der Zeit, auch mal das Unwahrscheinliche als das Wahrscheinliche zu denken.


Was glauben Sie, wenn tatsächlich mal ein Reaktor hier in Deutschland- aus welchem Grund auch immer - außer Kontrolle gerät?
Gudrun Pausewang hat ein Jugendbuch über die Auswirkungen eines Reaktorunfalls in Grafenrheinfeld geschrieben. Wer das mal gelesen hat.....

Ihr Kommentar ist, Entschuldigung, unter aller Kritik.

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