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06.04.2011

01:12 Uhr

Atom-Drama in Japan

Kleine Fortschritte im Kampf gegen Strahlung

Während Millionen von Litern verseuchtes Wasser teils absichtlich in den Pazifik strömen, haben die Einsatzkräfte am AKW Fukushima Fortschritte bei der Versiegelung des Risses im Reaktorgebäude erzielen können.

Arbeiten am Kraftwerk Fukushima. Quelle: dpa

Arbeiten am Kraftwerk Fukushima.

TokioDer Kampf gegen ein Leck an der Atomanlage Fukushima kommt voran. Aus dem stark beschädigten Atomkraftwerk Fukushima in Japan fließt nach Angaben des AKW-Betreibers kein hochradioaktives Wasser mehr ins Meer. Das Leck sei behoben worden, teilte Tepco am Mittwoch mit.

Techniker von Tokyo Electric Power (Tepco) haben seit Tagen versucht, das Leck zu stopfen. Am Dienstag hatte Tepco erklärt, es fließe augenscheinlich weniger hochverstrahltes Wasser aus dem Reaktorgebäude 2, wo sich Risse in einem Betonschacht gebildet hatten. Beim Versuch, die Risse abzudichten, füllten die Techniker Beton sowie eine Mischung aus Sägespäne, Zeitungen und Kunstharz in den Schacht.

Im Pazifik wurde in der Nähe des AKW radioaktives Jod gemessen, das 4800-mal über dem zulässigen Grenzwert lag. Südlich von Fukushima wiesen Medienberichten zufolge Jungfische erhöhte Cäsium-Werte auf. Einen ersten Höhepunkt erreichten die Jodwerte an der Schleuse zum Reaktor 2 am Samstag, als sie 7,5 Millionen Mal den zulässigen Grenzwert überstiegen

Das bisher unkontrolliert ins Meer strömende, hoch radioaktiv verseuchte Wasser stammt vermutlich aus Block 2, in dem die Brennstäbe teilweise geschmolzen waren. Die Regierung kündigte schärfere Kontrollen bei Meeresfrüchten an. Um das Wasser endgültig zu stoppen, sollten noch einmal 1500 Liter des Abdichtmittels in den Schacht gekippt werden, meldete der Fernsehsender NHK.

Mit immer neuen Methoden versuchen die Helfer zudem, den Wassermassen in anderen Teilen der Atomanlage zu begegnen. Tepco braucht dringend Auffangmöglichkeiten für das Wasser, das zum Kühlen in die Gebäude geleitet wurde und sich dort nun angesammelt hat. Die Behörden gehen davon aus, dass inzwischen 60 Millionen Liter der Strahlensuppe im Keller der Reaktorgebäude sowie in unterirdischen Kanälen stehen. Das Wasser behindert die Bemühungen, die Atomruine in den Griff zu bekommen.

Helfen soll unter anderem ein Tankfloß, das bis zu zehn Millionen Liter an radioaktiv verseuchtem Wasser aufnehmen können soll. Es wird derzeit in eine Werft in der Tokioter Nachbarstadt Yokohama gezogen. Dort soll es für den Einsatz an der Atomruine umgebaut werden, wie die Nachrichtenagentur Jiji Press berichtete. Das stählerne Tankfloß werde voraussichtlich nach dem 16. April in Fukushima eintreffen. Es ist 136 Meter lang und 46 Meter breit. Bisher diente es im Hafen der Stadt Shimizu in der Provinz Shizuoka als schwimmende Insel für Angler.

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