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04.04.2011

16:55 Uhr

Atom-Drama in Japan

Tepco verklappt radioaktives Wasser ins Meer

Japans Regierung sorgt sich angesichts der steigenden radioaktiven Verseuchung um den Zustand der Ozeane. Gleichzeitig leitet AKW-Betreiber Tepco Millionen Liter verstrahltes Wasser direkt ins Meer.

Der Atomkonzern Tepco steht nach wie vor schwer in der Kritik. Quelle: Reuters

Der Atomkonzern Tepco steht nach wie vor schwer in der Kritik.

Tokio/HamburgWegen der Wassermassen in der Atomruine von Fukushima sieht sich der Betreiber gezwungen, Teile der radioaktiven Brühe ins Meer zu leiten. Der Energiekonzern Tepco begann am Montag damit, 11.500 Tonnen Abwasser in den Pazifik zu pumpen, meldete die Nachrichtenagentur Kyodo. Es sei nur leicht belastet, versicherte das Unternehmen. Gleichzeitig kämpfen die Arbeiter weiter gegen ein Leck, aus dem unkontrolliert stark verseuchtes Wasser in den Ozean strömt.

Wie der Energiekonzern mitteilte, stammt der Großteil des Abwassers, das ins Meer geleitet wird, aus einer Speicheranlage auf dem Kraftwerksgelände. Mit der Aktion soll dort Platz geschaffen werden, um stärker strahlendes Abwasser lagern zu können. Dies sei nötig, weil vor allem im Turbinenraum von Block zwei sehr viel Flüssigkeit stehe, erklärte Tepco. Aus dem Block konnte die giftige Brühe bisher nicht abgepumpt werden, weil es an Tanks fehlt.

Regierungssprecher Yukio Edano sagte, das Vorgehen von Tepco sei ohne Alternative. Größere Gesundheitsrisiken befürchte die Regierung nicht.

Zudem macht den unter Lebensgefahr arbeitenden Helfern ein Leck zu schaffen, das am Wochenende entdeckt worden war. Versuche, die undichte Stelle mit Hilfe chemischer Bindemittel zu stopfen, scheiterten. Das Wasser hatte sich im Untergeschoss des Turbinengebäudes von Reaktor zwei sowie in einem tunnelförmigen Verbindungsrohr angesammelt.

Zunächst war versucht worden, den 20 Zentimeter langen Riss in der Wand eines Kabelschachtes am Ende des Rohrs mit Zement zu schließen. Als dies nichts brachte, gossen die Männer das Bindemittel, das zusätzlich mit Sägemehl und geschredderten Zeitungen angereichert wurde, durch ein Loch in das Verbindungsrohr.

Als auch dies nicht wirkte, kippten die Arbeiter am Montag ein weißes Färbemittel in das Wasser, um seinen genauen Verlauf in der Anlage festzustellen. Doch das gefärbte Wasser kam nicht bei den Abflussausgängen an. Nun wird befürchtet, dass das Wasser aus Gesteinschichten heraus sickere, berichtete die Agentur Jiji unter Berufung auf Tepco.

Während die Suche nach dem genauen Wasserlauf weitergeht, erwägt Tepco, im Meer Barrieren zu errichten, um eine Ausbreitung radioaktiver Partikel in den Pazifischen Ozean einzudämmen. Dies wird laut Atomaufsichtsbehörde vermutlich einige Tage dauern.

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