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13.03.2011

10:05 Uhr

Atom-GAU

Erinnerungen an Tschernobyl werden wach

VonFlorian Willershausen

Der Störfall in Japan erinnert an die Tschernobyl-Katastrophe vor 25 Jahren. Russische Experten, die damals die Katastrophe miterlebten, halten einen erneuten Unfall dieser Größenordnung aber für ausgeschlossen.

Blick auf den Betonmantel um das geborstene Kernkraftwerk Tschenobyl: Erinnerungen werden wach. Quelle: dpa

Blick auf den Betonmantel um das geborstene Kernkraftwerk Tschenobyl: Erinnerungen werden wach.

MoskauBei den Fernsehbildern aus Japan werden schreckliche Erinnerungen wach: Weißer Rauch steigt aus dem havarierten Block 1 des Atomkraftwerks Fukushima auf - ein Zeichen, dass radioaktives Material mit dem Sauerstoff der Luft reagiert. Auch im ukrainischen Tschernobyl, wo sich am 26. April 1986 die bis dato folgenschwerste Katastrophe der atomaren Stromerzeugung ereignete, trat dieser weiße Rauch auf.

Freilich sickern Details über Unfallhergang und Ursachen heute nicht gar so zäh an die Öffentlichkeit wie damals unter der ignoranten Sowjet-Herrschaft. Zur Stunde ist aber weiter unklar, ob es in Fukushima zu einer Kernschmelze, dem so genannten Super-GAU, kam oder ob die Reaktorhülle intakt ist. Darstellungen von Vertretern der Regierung und der japanischen Atomaufsichtsbehörde widersprechen sich.

Droht der Welt ein zweites Tschernobyl? Japans Regierung hat jedenfalls den nuklearen Notstand ausgerufen - eine Vorsichtsmaßnahme, wie es heißt. Aus den betroffenen Gebieten im Norden der Hauptinsel wurden laut Nachrichtenagentur Kyodo 300000 Menschen evakuiert. Rund um Anlage liegt die nukleare Strahlung bei 1.015 Mikrosiewert pro Stunde - der Grenzwert ist um das Zweifache überschritten.

Bei aller Vorsicht ob der ungefähren Nachrichtenlage geben Atomexperten aus Russland und der Ukraine Entwarnung: Rafael Arutjunjan vom Institut zur sicheren Entwicklung der Atomenergie in Moskau verspricht: "Ein schlimmeres Unglück als das von Tschernobyl kann nicht passieren." Fukushima-1 sei eine Anlage aus einer neueren Generation. Darin befinde sich ein sehr viel geringeres Volumen radioaktiven Materials, das austreten könnte. Technisch sei es im Übrigen möglich, den Reaktor wieder unter Kontrolle zu bringen, so der Moskauer Atomexperte, der zu den Liquidatoren des Tschernobyl-Unglücks zählte.

Ähnlich äußert sich Walerij Glygalo, vom ukrainischen Zentrum für Fragen zu Atomsicherheit, radioaktive Abfälle und Radioökologie: Der in Japan havarierte Reaktor sei einer von moderner Bauart. "Alle radioaktiven Substanzen sollten von einem so genannten Containment zurückgehalten werden", der Schutzhülle des Reaktors. Allenfalls ein Austreten von Gasen sei vorstellbar, so der Experte. Im Übrigen sei dieser Reaktor für den Betrieb in seismisch aktiven Regionen ausgelegt, was ein besonders starkes Containment nahe lege. "Insofern sollte sich ein solch ernster Unfall wie in Tschernobyl nicht wiederholen können."

Kommentare (5)

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Autsch

13.03.2011, 16:22 Uhr

Wenn diese sog. "Experten", damit meine ich auch die Jurnalisten vom Handelsblatt, sich die aktuellen Nachrichten (auch auf der eigenen Seite) durchgelesen hätten, würden sie feststellen, dass das sog. "Containment" schon gestern in die Luft geflogen ist. Der Artikel beinhaltet keine Aktualität-auch andere Fakten sond nicht mehr aktuell.
Und die "bösen Sowjets" berichteteten sicherlich nicht im Sinne des Westens; die japanische Regierung bzw. die westliche Presse lässt den Bürger/Leser mit möglichst vielen Unklarheiten und Beschwichtigungsversuchen seitens der (Atom-)Politiker ebenfalls im Unklaren!

virus

13.03.2011, 17:08 Uhr

Ich glaube es erinnert extrem viel and Tschernobyl. Die Salamietaktik der Regierung, die hilflosen Rettungsversuche. Durch den Reaktor 3, der mit Plutonium bestückt ist, wäre die Katastrophe noch viel größer, da dieses nicht nur strahlt sondern auch hoch taxisch ist. Ich habe sehr viele russische Experten zu Wort kommen hören, die damals bei Tschernobyl die Federfürhung hatten und Sie sehen mehr Parallelen als Unterschiede mit dem Hergang. Daher kann ich den Bericht, das das in Japan kein 2. Tschernobyl werden kann, nicht verstehen. Zumal in Tschernobyl nur 1,2 Tonnen Brennelemente vorhanden ware. In Fukushima sind es im Reaktor 1 alleine 70 Tonnen.
"Autsch" muss ich jedoch energisch widersprechen, das das Containment beschäftigt oder sogar weggesprengt worden sei. Dafür gibt es keinerlei Anzeichen! Lesen sie die sonstigen Artikel genau durch, dann wissen sie, das es zu einer Wasserstoff Explosion unterhalb der Reaktordaches und nicht dem Containment gekommen ist, da Wasser im Zuge der Kernschmelze in Wasserstoff und Sauerstoff gespalten wurde.

Account gelöscht!

13.03.2011, 17:36 Uhr

Mappus wackelt.....
Merkel will einen AKW -Check
ABER vorher haben beide die Laufzeiten verlängert.
TRAUERspiel

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