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31.03.2011

10:17 Uhr

Atom-Katastrophe in Japan

Regierung hält größere Evakuierungszone für nicht nötig

Die Strahlenwerte rund um das zerstörte Atomkraftwerk Fukushima steigen. Im Meer liegen sie mehr als 4000 mal so hoch wie erlaubt, Experten fordern mehr Sicherheitsabstand - die Regierung indes hält das für nicht nötig.

Japans Atom-Behörde legt Regierung weitere Evakuierungen nahe

Video-News: Japans Atom-Behörde legt Regierung weitere Evakuierungen nahe

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TokioNach der UN-Atomenergiebehörde hat sich nun auch die japanische Nuklear-Aufsicht für weitere Evakuierungen um das Katastrophen-AKW Fukushima ausgesprochen. Die Regierung müsse eine Ausweitung der Evakuierungszone erwägen, erklärte die Behörde am Donnerstag.

Die Regierung von Ministerpräsident Naoto Kan plant allerdings vorerst keine Ausweitung der Evakuierungszone. Es gebe im Moment keine sofortigen Pläne für einen solchen Schritt, sagte Regierungssprecher Yukio Edano.

Um das AKW Fukushima I gilt bislang eine Evakuierungszone von 20 Kilometern. Einwohnern in einem weiteren Umkreis von 30 Kilometern wird empfohlen, wegen der Strahlengefahr das Gebiet zu verlassen oder sich nicht im Freien aufzuhalten. Der UN-Atombehörde IAEA zufolge wurden jedoch auch in einem Dorf 40 Kilometer von Fukushima entfernt hohe Strahlungswerte gemessen.  

Die Radioaktivität in dem Meerwasser vor dem AKW nahm unterdessen weiter zu und erhöhte sich auf einen Rekordwert. Die japanische Atombehörde meldete, die Konzentration von radioaktiven Jod-Partikeln liege 4385-fach über dem Grenzwert. Die hohen Werte, die nach Angaben der Atomaufsichtsbehörde 330 Meter von den Abwasserrohren der Reaktoren 1 bis 4 entfernt gemessen wurden, könnten bedeuten, dass ständig Radioaktivität aus dem Reaktor entweiche, erklärte die Behörde. Es sei jedoch unklar, wo sich das Leck befinde und wie die Radioaktivität ins Meer gelangt.

Der AKW-Betreiber Tepco vermutet, dass das Jod entweder von den Reaktoren selbst oder von beschädigten Brennstäben in den Abklingbecken stammt. Ein Austritt aus den Abwasserrohren sei jedoch noch nicht bestätigt worden, meldete die Nachrichtenagentur Jiji
Press. Die Atomaufsichtsbehörde wolle jetzt die Zahl der Messstellen im Meer erhöhen und zugleich das Grundwasser auf dem AKW-Gelände analysieren.

Auch außerhalb Japans wächst die Sorge vor den Folgen der Reaktorkatastrophe. Singapur erklärte, die Strahlenbelastung von Kohl aus Japan überschreite teilweise den Grenzwert um das neunfache. Sogar in Milchproben im US-Bundesstaat Washington fanden US-Behörden „minimale“ Radioaktivitätswerte. Die gemessene Strahlung sei jedoch weit davon entfernt, für Menschen gefährlich zu sein.

Die Katastrophenregion im Nordosten Japans ist zudem erneut von einem starken Nachbeben heimgesucht worden. Die Erschütterung hatte eine Stärke von 6,0, wie der Fernsehsender NHK berichtete. Eine Warnung vor Tsunami gaben die Behörden nicht aus. Auch lagen keine Berichte über mögliche weitere Schäden oder Verletzte in Folge des Nachbebens vor. Der Erdbebenherd lag unter dem Meeresboden vor der Katastrophenprovinz Miyagi. Auch in der etwa 300 Kilometer entfernten Hauptstadt Tokio gerieten Hochhäuser ins Schwanken.

Kommentare (2)

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jagmahi

31.03.2011, 08:26 Uhr

Eine Frage: Wo sind denn nun die Anzeichen fuer eine stabilere Lage?? Ich finde, wenn Sie eine solche Bildunterschrift verwenden, sollte das auch erlaeutert werden. Und wenn es keine Anzeichen gibt, dann bitte nicht schreiben..

Wir leben hier in Tokio, und versuchen aus jedem dieser Zitate, Saetze, Interviews eine vernuenftige Entscheidung abzuleiten.

Account gelöscht!

31.03.2011, 12:11 Uhr

Die Betreiber und die Regierung vermuten, nehmen an und gehen davon aus .... aber wissen tun sie nichts, außer, daß eine größere Evakuierungszone nicht notwendig ist.
Und das natürlich unabhängig davon, was andere Organisationen sagen.
Da hat man doch gleich wieder volles Vertrauen.

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