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04.04.2011

10:42 Uhr

Atomdrama in Japan

Tepco will verseuchtes Wasser ins Meer leiten

Ein Riss im Reaktorgebäude belastet die Umwelt um Fukushima stark. Dennoch will Betreiber Tepco zehntausende Liter verstrahltes Wasser ins Meer leiten. Die Strahlungswerte seien schwach, behinderten jedoch die Arbeiten.

Die Reaktoren eins bis vier in Fukushima. Quelle: Reuters

Die Reaktoren eins bis vier in Fukushima.

TokioIm verzweifelten Versuch, das Kernkraftwerk Fukushima unter Kontrolle zu bringen, will der Betreiber Tepco schwach verstrahltes Wasser ins Meer ableiten. Es sei geplant, 15.000 Tonnen abzulassen, gab das Unternehmen am Montag bekannt. Die Verstrahlung des Wassers liege um das 100-Fache über dem gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwert, was aber immer noch als relativ niedrig gilt. Der Betreiber erwägt diesen Schritt, da die gewaltigen Massen an radioaktiv verseuchtem Wasser in verschiedenen Teilen der Atomruine die Arbeiter daran hindern, unter anderem die dringend erforderliche Kühlung der Reaktoren in Gang zu bringen.

Aus dem havarierten Atomkraftwerk in Fukushima gelangt ohnehin weiter Radioaktivität in die Umwelt. Versuche, den Abfluss verseuchten Wassers durch einen Riss ins Meer mit Hilfe chemischer Bindemittel zu stoppen, haben bislang keinen Erfolg gebracht.

Der Betreiber Tepco will nun Barrieren errichten, um eine weitere Verseuchung des Meers zu verhindern. Zudem wurde weißes Färbemittel in das Wasser geleitet, um den genauen Verlauf von verseuchtem Wasser in der Anlage festzustellen und weitere Lecks aufzufinden. Da das gefärbte Wasser jedoch nicht bei den Abflussausgängen anlangte, werde befürchtet, dass das Wasser aus Gesteinschichten unterhalb von Rohren durchsickere, berichtete die Agentur Jiji unter Berufung auf Tepco.

Zuvor hatten Arbeiter einen 20 Zentimeter langen Spalt in einem Kabelschacht des Turbinengebäudes von Reaktor zwei entdeckt. Die Regierung warnte, dass es Monate dauern könnte, das Leck zu schließen. Derweil wurde laut der Nachrichtenagentur Kyodo außerhalb der 30-Kilometer-Sicherheitszone um das Kraftwerk Radioaktivität oberhalb der erlaubten Grenzwerte gemessen.

Die Regierung überlegt nun, die Reaktoren des Kraftwerks zu versiegeln. Wie Kyodo unter Berufung auf informierte Kreise meldete, wird erwogen, eine Hülle über die 45 Meter hohen Reaktorgebäude zu bauen und zu versiegeln. Bei dem Erdbeben und Tsunami von vor über drei Wochen starben nach neuesten Angaben 12.157 Menschen, 15.496 weitere werden vermisst.

Kommentare (6)

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04.04.2011, 08:22 Uhr

Liest man die Medien in Deutschland, dann gelangt man in eine schreckliche Katastrophe, die ständig weiter eskaliert. Besörgt man sich die Daten aus Japan, ergibt sich ein völlig anderes Bild - die im Zusammenhang mit den Knallgasexplosionen im Land verteilte geringe (!) Radioaktivität ist überall auf einen Bruchteil gefallen. GAU oder MedienGAU? Aus meiner Sicht zeigt sich hier das Bild einer Medienkatastrophe - eine Eruption der Inkompetenz und des politisierenden Sendungswahns. Und Deutschland ist auf dem Wege, dafür bitter zu büßen - durch drastische Fehlentscheidungen einer nur noch stümpernden und stolpernden Politik!

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04.04.2011, 10:24 Uhr

Also ich kann mich leider Herrn Ermecke nicht anschließend.
Die Situation in Japan zeigt uns meiner Meinung nach, wie schlimm es eigentlich um die Welt steht, nämlich genau kurz vorm Abgrund! Genau an solchen Situationen kann man erkennen wie Fähig ein Land ist und genauso wie Fähig die Länder sind, die eigentlich wesentlich früher hätten eingreifen müssen EGAL ob Japan es will oder nicht. Die Meere gehören nicht Japan sonder uns allen!
Das Schlimmste an der Situation ist die schlechte Informationsweitergabe. Ich würde mich auf keinen Fall, darauf verlassen was die japanischen Medien oder die Regierung berichten! Es errinert mich an der selben Berichterstattung wie damals in der Ukraine!

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04.04.2011, 11:49 Uhr

Wer den zahlen aus Japan glaubt - der glaubt auch an den Weihnachtsmann.

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