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14.03.2011

11:38 Uhr

Atomkraftwerk Fukushima

Atombehörde IAEA gibt Teil-Entwarnung

VonFinn Mayer-Kuckuk, Reuters , dpa

Während sich der Betreiber des Atomkraftwerks Fukushima noch verzweifelt gegen die drohende Kernschmelze stemmt, gibt die Atomenergiebehörde IAEA teilweise Entwarnung. Aber die Lage bleibt kritisch.

Der Reaktor 3 des Kernkraftwerks Fukushima aus der Vogelperspektive. Quelle: DigitalGlobe

Der Reaktor 3 des Kernkraftwerks Fukushima aus der Vogelperspektive.

Tokio/NagoyaDie UN-Atomenergiebehörde ist Befürchtungen entgegengetreten, die Atomkrise in Japan könne zu einem zweiten Tschernobyl führen. IAEA-Chef Yukiya Amano sagte, es sei „unwahrscheinlich, dass sich der Unfall so entwickeln“ werde. Die Strukturen seien anders, erklärte Amano. Noch sei es zu früh zu sagen, welche Auswirklungen die Krise auf die jüngste Wiedergeburt der Atomkraft haben werde. Allerdings ändere das Unglück nichts an der Tatsache, dass ein stabiler Energielieferant benötigt werde. Bei dem weltgrößten Atomunfall der Geschichte war 1986 in Tschernobyl ein sowjetischer Reaktor explodiert.  Die IAEA teilte am Abend weiter mit, es gebe keine Anzeichen für ein Schmelzen der Brennstäbe in dem am schwersten von einem Erdbeben und Tsunami betroffenen Kernkraftwerk in der Präfektur Fukushima. Die in der Umgebung gemessene Radioaktivität sei am 12. März stark angestiegen, dann jedoch bis zum Abend wieder zurückgegangen.

Die französische Atomaufsicht schätzt die Atomkatastrophe in Japan auf Störfallstufe sechs von sieben ein. „Es ist ein höheres Niveau als Three Mile Island, aber noch nicht so schlimm wie Tschernobyl“, sagte André-Claude Lacoste von der Behörde für Atomsicherheit am Montag in Paris. Es sei indes möglich, dass die Stufe von Tschernobyl erreicht werde, fügte er hinzu. Bei dem Vorfall im US-Kraftwerk Three Mile Island war es 1979 zu einer Kernschmelze gekommen.

Währenddessen liefern sich die Techniker im Atomkraftwerk Fukushima liefern sich einen dramatischen Wettlauf mit der Zeit: In drei Reaktoren des 400 Kilometer nördlich von Tokio gelegenen AKW droht eine Kernschmelze, wie die Regierung am Montag einräumte. Bei einer zweiten Explosion wurde erneut ein Gebäude im Reaktor zerstört, sieben Arbeiter wurden verletzt. Am Haupttor des Kraftwerks Fukushima Eins stieg die Strahlung am Abend mit 3100 Mikrosievert auf das Doppelte des zuvor gemessenen Maximums - bei einer Röntgenaufnahme des Oberkörpers sind es rund 80 Mikrosievert.

Im Reaktorblock 2 könnte die Kernschmelze bereits begonnen haben, erklärte die AKW-Betreibergesellschaft Tepco. Dort ragten die vier Meter langen Brennstäbe am Abend aus dem Wasser heraus, nachdem es zu Problemen mit einem Ventil gekommen war. Daraufhin pumpten Techniker erneut große Mengen Meerwasser in die Anlage.  Zuvor hatte es um 11.00 Uhr Ortszeit (03.00 Uhr MEZ) eine zweite Wasserstoffexplosion gegeben: Diesmal war Reaktorblock 3 betroffen. Sieben Arbeiter wurden verletzt und fünf verstrahlt, wie Kyodo berichtete. Die Betonhülle des Gebäudes wurde beschädigt.

Nach Informationen von Greenpeace enthält der Reaktor 3 das besonders gesundheitsgefährdende Plutonium. Nach Angaben der japanischen Behörden blieb der Reaktor selbst intakt. Am Samstag war es zu einer ähnlichen Explosion in einem Gebäude des Reaktors 1 gekommen.  Mit einer Kernschmelze steigt die Gefahr, dass der Druckbehälter beschädigt und hochgradig radioaktives Material aus dem Reaktor-Inneren freigesetzt wird. Deshalb sei es außerordentlich wichtig, die Brennstäbe möglichst schnell wieder abzukühlen, betonte Sven Dokter von der Deutschen Gesellschaft für Reaktorsicherheit im dpa-Gespräch. Bei einer vollständigen Kernschmelze mit extrem hohen Temperaturen und hohem Druck sei nicht auszuschließen, dass sich die heiße Masse durch den Boden des Druckbehälters fresse. Treffe sie später auf Grundwasser, könnte es zu einer verheerenden Dampfexplosion kommen.

Probleme mit der Kühlung gibt es auch im rund zwölf Kilometer entfernten Atomkraftwerk Fukushima Zwei. Dort arbeiten Experten an der Wiederherstellung der Kühlung von zwei Reaktoren. Zudem versagte im AKW Tokai am Sonntag (MEZ) eine Pumpe für das Kühlsystem. Die Anlage steht nur rund 120 Kilometer nordöstlich von Tokio. Die Botschaften mehrerer EU-Staaten legten ihren Bürgern nahe, Japan zu verlassen.  Beim Wetter könnte der Dienstag für Japan ein „kritischer Tag“ werden, sagte der Meteorologe Martin Jonas vom Deutschen Wetterdienst (DWD). In der Nacht zum Dienstag und im Laufe des Tages drehe der Wind aus West in nördliche bis nordöstliche Richtung. Der Nordwind könnte radioaktive Substanzen vom Atomkraftwerk Fukushima nach Tokio transportieren.

Kommentare (9)

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14.03.2011, 10:04 Uhr

²Die Notenbank unterstützt den Bankensektor mit 15 Billionen Yen (132 Milliarden Euro), um die Märkte zu beruhigen.²

Angesichts von Massensterben machen sich andere vor allem Sorgen wegen ihrer Kohle.

Ware mir immer schon sehr sympathisch die Börsianer... .

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14.03.2011, 13:18 Uhr

@ikonaut

................ was soll der Quatsch!?

Account gelöscht!

14.03.2011, 13:51 Uhr

Wie ich schon bereits am Freitag geschrieben habe, sollte sich die japanische Regierung genau überlegen, ob sie in einem erdbeeben-gefährdeten Gebiet, welches auch noch so dicht besiedelt ist wie Japan, wirklich die Atomenergie überhaupt eine sinnvolle Energiequelle ist.

Sicherlich ist der Tsunami mit seinen Folgen schlimm, aber in ein paar Jahren sind die Schäden wieder in Ordnung. Ganz im Gegensatz zu dieser atomaren Gefahr bzw. der Verseuchung. Auf einem so kleinen Landstreifen wie Japan, ist soetwas unverzeilich.

Und wie dürfen nicht vergessen, auch die Franzosen haben uns eine schön große AKW-Dichte vor die Tür gesetzt. Ganz nach dem Motto: wenn mal etwas passiert, dann ist französischer Boden nur teilweise verseucht. Und das Problem auch nach Deutschland verlagert.
Wer hier bei uns über AKWs diskutiert, sollte auch die französischen an der deutschen Grenze nicht vergessen!

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