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11.04.2017

18:44 Uhr

Attacke auf der A7

Autobahn-Steinewerfer muss in die Psychiatrie

Es ist ein seltener Vorgang im Strafrecht-Alltag. Ein Richter weist den Mann, der 2016 in der Nähe von Ulm Steine von einer Brücke geworfen hatte, in die Psychiatrie ein. Es gelte, die Allgemeinheit vor ihm zu schützen.

Dem Angeklagten (M.) im sogenannten Steinwerfer-Prozess wurde vorgeworfen, im September 2016 Steine auf die Autobahn 7 geworfen und damit einen Unfall mit schwerverletzten Personen verursacht zu haben. dpa

Urteil

Dem Angeklagten (M.) im sogenannten Steinwerfer-Prozess wurde vorgeworfen, im September 2016 Steine auf die Autobahn 7 geworfen und damit einen Unfall mit schwerverletzten Personen verursacht zu haben.

EllwangenMitten in der Nacht ist eine Familie auf der Autobahn unterwegs. Mutter, Vater und zwei Kinder. Sie kommen von einer Hochzeit, bis ins heimische Laupheim südlich von Ulm ist es nicht mehr sehr weit. Die Sicht ist gut, die Straße trocken. Der Vater am Steuer bleibt dennoch bei vorsichtigen 120 bis 130 km/h. Plötzlich ein Stoß, ein Knall, der Wagen überschlägt sich. Alle vier erleiden schwere Verletzungen. Eine Horrorvorstellung für jeden Autofahrer ist für sie wahr geworden: Ein Betonbrocken mitten auf der Fahrbahn.

Knapp sieben Monate nach dem dramatischen Geschehen hat das Landgericht Ellwangen am Dienstag die Strafe für den „Steinewerfer von der A7“ verkündet, wie der 37-Jährige seitdem genannt wurde. Es fiel ungewöhnlich aus. Weniger wegen des Strafmaßes von insgesamt neuneinhalb Jahren für versuchten Mord in vier Fällen, schwere Körperverletzung, schwere Gefährdung des Straßenverkehrs sowie - in einem parallelen Fall - wegen unerlaubten Waffenbesitzes.

Selten im deutschen Strafrecht-Alltag, so der Vorsitzende Richter Gerhard Ilg, sei die Entscheidung, den Täter nicht in ein Gefängnis, sondern in eine geschlossene psychiatrische Anstalt einzuweisen. Er begründete die Maßnahme mit dem offenbar notwendigen „Schutz der Allgemeinheit“ vor dem als gefährlich eingestuften Täter.

Immer wieder verächtliche Gesten

Der Mann habe mit einem heimtückischen Tötungsvorsatz gehandelt, als er in der Nacht zum 25. September 2016 einen zwölf Kilo schweren Betonpflasterstein von einer Brücke bei Giengen an der Brenz auf die Autobahn warf. Allerdings habe man auch berücksichtigen müssen, dass ihm das psychiatrische Gutachten eine problematische schwere seelische Störung und eine stark verminderte Steuerungsfähigkeit bescheinigt.

Besser verstehen kann das, wer diesen Angeklagten während Prozesses immer wieder beobachtet hat. „Ich sage nichts“, lautet seine kurze, genuschelte Antwort, als Richter ihm vor der Urteilsverkündung noch einmal das Wort erteilt.

Auf der Anklagebank sitzt er - wie immer mit Schiebermütze, Jeansblouson und Hosen im Military-Look bekleidet - zwischen einem Betreuer aus der Psychiatrie und einem bewaffneten Justizbeamten. An Händen und Füßen ist der bärtige Steinewerfer gefesselt. Am ersten Prozesstag war er ausgerastet, hatte dem Familienvater, der als Zeuge aussagte, gedroht, er würde ihm mit einer Schusswaffe auflauern. Immer wieder machte er verächtliche Gesten.

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