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03.08.2011

16:01 Uhr

Auch Kreml-Auszug erwogen

Mega-Metropole Moskau wird massiv vergrößert

Mit rund zehn Millionen Einwohnern ist Moskau die größte Metropole Europas. Die Stadt platzt aus allen Nähten und soll daher um das anderthalbfache vergrößert werden. Die Regierung erwägt sogar den Auszug aus dem Kreml.

Moskau bei Nacht: Ist der Kreml bald nur noch ein Museum? Quelle: dpa

Moskau bei Nacht: Ist der Kreml bald nur noch ein Museum?

Von so einer Chance wie die russische Hauptstadt könne jede andere Megapolis dieser Welt nur träumen, sagt Moskaus Vizebürgermeister Wladimir Ressin. Der 75-Jährige frohlockt, dass die Metropole mit den mehr als zehn Millionen Einwohnern bald über sich hinauswächst. Um 1460 Quadratkilometer - das ist etwa das Anderthalbfache der bisherigen Stadtgröße - auf 2530 Quadratkilometer soll Moskau wachsen. Damit dehnt sich Moskau mal eben fast um die Fläche von Berlin (892 Quadratkilometer) und Hamburg (755 Quadratkilometer) aus.

Diese gigantische Eingemeindung des Moskauer Umlandes kommt ganz ohne jede Vorwarnung. Und das ärgert viele Moskauer, die sich einmal mehr vor vollendete Tatsachen gestellt sehen. Keinen Monat dauerte es von der Forderung des Präsidenten Dmitri Medwedew, die Stadt großzügig zu erweitern, bis zur Vorlage eines Generalplans. Gutachten? Bürgerbeteiligung? Öffentliche Debatten? Fehlanzeige.

Kritiker befürchten Zwangsenteignungen, das Ende der Selbstverwaltungen in den Umlandstädten und auch sonst allerhand sozialen Sprengstoff. Als „Geheimaktion Groß-Moskau“ kommentierten Medien das Projekt.

Es sei typisch für den Politikstil von Regierungschef Wladimir Putin, dem Ex-Geheimdienstoffizier, so ein Projekt in tiefster Verborgenheit ausbrüten zu lassen, schrieb das Magazin „Kommersant Wlast“. Gegen die anstehenden Kosten dieses Jahrhundertvorhabens nähmen sich die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi am Schwarzen Meer mit geschätzten 24 Milliarden Euro Kosten wie „Taschengeld“ aus.

„Die bisherige Fläche reicht einfach für nichts: nicht für neue Straßen, nicht für Geschäfte, nicht für Häuser“, begründet Rathausvize Ressin in einem Interview mit der Boulevard-Zeitung „Komsomolskaja Prawda“ diese historisch einmalig große Ausdehnung. Auch die Regierung soll den alten Stadtkern verlassen und ins neue Moskau ziehen. Zumindest diesem Teil des Plans können die Moskowiter mehrheitlich Positives abgewinnen.

Die Hauptstädter ärgern sich seit langem, dass die riesigen Stadtautobahnen immer wieder gesperrt werden. Staatsbeamte rasen mit Blaulicht und Sirenen durch die Stadt. Lange Staus sind die Folge.

Kommentare (1)

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Island

03.08.2011, 18:31 Uhr

Bei einer schrumpfenden Bevölkerung die „aufgeblähte Hauptstadt“ weiter auszubauen halte ich für den falschen Weg. Moskau beherbergt schon heute viele „Nicht Russen“ die für „Sozialen Sprengstoff“ sorgen. Diese werden dadurch verstärkt nach Moskau ziehen.

(ähnlich wie Kreuzberg/Türken in Berlin)

Diese „Megastadt“ ist schon heute kaum handlungsfähig.

Wir kennen dieses Symptom der „aufgeblähten Hauptstädte“ in vielen Zentralistischen Staaten wie Frankreich (Paris) oder Tschechei (Prag).

Diese Hauptstädte sind nicht in der Lage mit den eigenen Mitteln (Steuermittel) die Versorgung der Bevölkerung zu gewährleisten und es werden weitere Steuermittel aus den Regionen für die Hauptstadt verwandt.

(ähnlich Berlin: Staatsdefizit und Außenhandelsdefizit)

Damit bluten die Regionen weiter aus und die Abwanderung in die Hauptstadt wird forciert.

Russland wird im Jahre 2050 nur noch 100 Millionen Einwohner beherbergen (2010: 148 Millionen) und dann wird sich auch dieses Land sich diese Hauptstadt sich nicht mehr leisten können.

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