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28.02.2014

14:43 Uhr

Auftakt in Rio de Janeiro

Teurer Samba-Karneval

VonAnna Heidebroek

Glitzernde Pailletten, heiße Rhythmen, knappe Outfits – und viel Geld: Der Karneval in Brasilien kostet Unsummen. Ohne Zuschüsse von großen Konzernen wie BASF wären die Paraden der Sambaschulen kaum zu finanzieren.

Sie sitzen vor ihren Häusern aus Wellblech und Palmwedeln. Kinder spielen im Müll. Es existieren weder befestigte Straßen noch ein Abwassersystem. Tausend Favelas gibt es allein in Rio de Janeiro. Bis zum Start der Fußballweltmeisterschaft im Sommer investiert die Stadt viel Geld, um die Armenviertel zu „verschönern“. Befriedungspolizisten sollen sie sicherer machen, die Infrastruktur soll verbessert werden.

Szenenwechsel. Federn, Pailletten, schwitzende Körper. Acht passend zum Motto gestaltete Paradewagen legen die 800 Meter im Sambódromo in 80 Minuten zurück. Die Unidos da Tijuca gehört zu den zwölf besten Sambaschulen, die während des Karnevals in der Special Group gegeneinander antreten und um ihr Prestige kämpfen. Am heutigen Freitag beginnt die spektakulärste Karnevalssause der Welt. Bis zum 5. März feiert ganz Rio – und die Welt feiert mit. In diesem Jahr soll die Millionen-Marke an Gästen geknackt werden.

Der Auftritt in der Parade kostete die Sambaschule im vergangenen Jahr mehr als dreieinhalb Millionen Euro. Doch die Protagonisten bleiben die gleichen: die Mehrzahl, der Mitglieder in den Sambaschulen, stammt aus den Favelas. Wie passt das zusammen?

Karneval weltweit

Notting Hill (24.8 bis 25.8.2014)

Der Notting Hill Karneval ist das größte Straßenfestival in Europa und findet jährlich im August in dem Londoner Szeneviertel statt. Er entstand 1964 als Möglichkeit für afro-karibische Migranten, ihre eigenen Kulturen und Traditionen zu feiern. Vom Konzept ist das Fest vergleichbar mit dem Karneval der Kulturen in Berlin, wo ebenfalls Livebands spielen und die Völkerverständigung im Mittelpunkt steht.

Santa Cruz de Tenerife (26.2 bis 9.3)

Der Karneval der spanischen Inselhauptstadt Santa Cruz de Tenerife entstand im 16. Jahrhundert. Er erinnert durch seine Sambarhythmen und die leichtbekleideten Tänzer an den brasilianischen Fasching. Einer der Höhepunkte ist die Wahl der Karnevalskönigin. Mit dem Verbrennen einer Pappsardine werden das Ende des Karnevals und der Beginn der Fastenzeit angekündigt.

Aalborg (16.5 bis 24.5)

In Aalborg wird der größte Karneval Skandinaviens gefeiert. Jährlich kommen etwa 25.000 Teilnehmer und 100.000 Zuschauer in die dänische Stadt. Im Zentrum der Feierlichkeiten steht die Ankunft des Faschingskönigs im Hafen von Aalborg. Zu den weiteren Höhepunkten gehört ein Musikwettbewerb mit Bands aus ganz Europa.

Venedig (15.2 bis 4.3)

Der Karneval in Venedig wurde erstmals 1094 urkundlich erwähnt. Ende des 18. Jahrhunderts eroberte Napoleon die Republik. Im Tausch gegen die norditalienische Lombardei übergab er sie an Österreich. Die damit verbundenen Veränderungen brachten den Karneval zum Erliegen. Erst 1979 wurde er von Theaterleuten, Bildhauern und Malern wieder zum Leben erweckt. Kunstvolle Masken, aufwendige Kostüme und prunkvolle Bälle prägen jährlich das Bild der Lagunenstadt. Das Fest endet mit einem großen Feuerwerk.

Rio de Janeiro (28.2 bis 4.3)

Seit 1840 wird in der brasilianischen Stadt Rio de Janeiro Karneval gefeiert. Damals wurden noch Polka und Walzer getanzt - ab 1917 dann Samba. Bei dem fünftägigen Spektakel treten diverse Sambaschulen gegeneinander an. Ihre Tänzer präsentieren auf den glamourösen Festwagen in knappen, glitzernden Kostümen heiße Sambarhythmen.

New Orleans (15.2 bis 4.3)

Der Ursprung des Faschingsfestes Mardi Gras (fetter Dienstag) in der Stadt New Orleans (US-Bundesstaat Louisiana) reicht ins 18. Jahrhundert zurück. Damals führten dort französische Einwanderer die Tradition bunter Umzüge vor der Fastenzeit ein. Bei den Paraden werden Perlenketten aus Plastik oder Münzen von den Festwagen in die Menge geworfen.

In den Anfängen des Karnevals war es üblich, dass sich die Reichen als Bürgerliche und die Armen als Prinzen und Prinzessinnen verkleideten. Die sozialen Rollen wurden getauscht. Auch heute noch ist der Karneval für die Favela-Bewohner die Zeit, in der sie ihr schwieriges Leben vergessen und feiern als gäbe es kein Morgen.

Deutlich werden die monetären Dimensionen der Sambaparade beim Blick auf die Anzahl der Mitwirkenden. Zwischen drei- und fünftausend Tänzer sowie dreihundert Trommler pro Sambagruppe defilieren jedes Jahr an 80.000 Zuschauern vorbei.

Millionen Zuschauer sehen die Parade im Fernsehen. Vor dem großen Tag werkeln zweihundert Arbeiter monatelang an den Paradewagen. Choreografen inszenieren die Tanzshow und Komponisten schreiben Sambalieder. Hunderte Frauen nähen die aufwändigen Kostüme. Allein das Material kostet Unsummen. Dazu kommt noch der Lohn für die professionellen Tänzer, Choreografen, Kostümdesigner und Komponisten.

Pyrotechnik und Illuminationen sind in den letzten Jahren als Spezialeffekte dazugekommen.
In der Samba City sind die Hallen untergebracht, in denen die Mottowagen immer weiter in den Nachthimmel wachsen. Die Einnahmen aus dem Verkauf der Fernsehrechte und Eintrittskarten reichen den Sambaschulen schon lange nicht mehr.

Trotz Zuschüssen von der Stadtverwaltung können sie nicht mehr auf Sponsorengelder verzichten. Vorher, so wird vermutet, finanzierten vor allem Verbrecherbanden, die ihr Geld mit dem Wettspiel jogo do bicho machen, die Schulen. Sponsoren statt Gangster. Auf den ersten Blick ein guter Tausch.

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