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29.12.2014

09:27 Uhr

Augenzeugen von „Norman Atlantic“

„Es war wie auf der Titanic“

Die Mehrheit der Passagiere wurde inzwischen von der brennenden Adria-Fähre gerettet – Hunderte zittern nach wie vor um ihr Leben. „Wir werden verbrennen wie die Mäuse“, fürchtet einer von ihnen. Augenzeugen berichten.

Erste Gerettete von der Fähre „Norman Atlantic“ werden in eine Krankenhaus in Brindisi eingeliefert. Reuters

Erste Gerettete von der Fähre „Norman Atlantic“ werden in eine Krankenhaus in Brindisi eingeliefert.

Athen/RomRauchsäulen verdunkeln den Himmel, der Wind peitscht, die Wellen türmen sich auf. Die Retter sprechen von einer der schwersten Operationen, die sie je erlebt haben. Es ist ein Alptraum für die Menschen an Bord, deren Angehörige und die Rettungskräfte: Nordwestlich der griechischen Insel Korfu gerät die Fähre „Norman Atlantic“ mit fast 500 Menschen an Bord in Brand. Unter den Passagieren sind auch Kinder. Stundenlang sitzen Hunderte auf dem brennenden Schiff fest, das in Richtung Albanien treibt. Das Wetter ist so schlecht ist, dass die Retter kaum vorankommen.

„Wir werden verbrennen wie die Mäuse“, sagt ein Augenzeuge namens Nikos im griechischen Radiosender Skai. Stundenlang gibt es keine gesicherten Hinweise auf Opfer. Zunächst ist von einem Toten die Rede.

Jannis, der sich auf ein Containerschiff retten konnte, sagt: „Das ganze Schiff steht in Flammen. Meine Frau war in einem anderen Rettungsboot, das ist aber hier nie angekommen.“ Ein anderer Passagier spricht im griechischen Sender Mega von so starker Hitze, dass Schuhsohlen angefangen hätten zu schmelzen.

„Wir stehen draußen an Deck, sind durchfroren und ersticken im Qualm“, sagte Giorgos Styliaras dem griechischen Sender Mega Channel. „Das Schiff brennt, die Decks glühen, einige zittern vor Kälte, andere husten vom Rauch“, fügte er hinzu. „Die Frage ist, ob wir es durchhalten.“ Zwei gerettete Teenager aus Griechenland sagten laut Nachrichtenagentur Ansa, es sei „wie auf der Titanic“ gewesen. Beide seien beim Versuch in ein Rettungsboot zu kommen, ins Wasser gefallen.

Die Lage ist am Sonntag unübersichtlich, die Angaben widersprüchlich. Aber sicher scheint, dass das Feuer im Morgengrauen auf der Fähre der griechisch-italienischen Reederei Anek Lines ausbrach. Vermutlich im Autodeck. 478 Menschen sollen an Bord gewesen sein, darunter 18 Deutsche.

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