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16.04.2015

12:37 Uhr

Ausstellung

Flaschenpost aus dem Rhein

Joachim Römer hat Flaschenpost aus dem Rhein gefischt. In dieser Zeit haben sich zahlreiche Briefe angesammelt. In einer Ausstellung im rheinland-pfälzischen Bingen verrät der Künstler, was die Absender zu sagen hatten.

Die Flaschenpost-Ausstellung ist im „Museum am Strom“ in Bingen (Rheinland-Pfalz) zu sehen. dpa

Flaschenpost wird zum Kunstobjekt

Die Flaschenpost-Ausstellung ist im „Museum am Strom“ in Bingen (Rheinland-Pfalz) zu sehen.

Bingen am RheinSchnapsfläschchen, Marmeladengläser, Plastikflaschen – selbst einen hohlen Kürbis hat Joachim Römer schon aus dem Rhein gefischt. Alle Gefäße haben eines gemeinsam: in ihnen versteckt sich eine Nachricht. Meist handgeschrieben, manchmal auch gemalt. Manche sind nachdenklich verfasst, andere fröhlich. Römer hat sie alle geöffnet und gelesen. Nun stellt er sie im rheinland-pfälzischen Bingen am Rhein aus. Im Museum am Strom zeigt der Kölner Künstler 1001 Stücke seiner Flaschenpost-Sammlung.

Fein säuberlich aufgestellt und hinter Glas gesichert können sich Besucher das Treibgut mit Nachrichten ansehen. Die Botschaften in der Flasche anfassen darf aber niemand - sie bleiben in den Behältern. Briefe hat Römer abgetippt, Bilder hat er beschrieben. Zu jedem Fundstück können Besucher die passende Botschaft in einem Katalog nachlesen.

Seine erste Flaschenpost hat Römer 1997 am Rheinufer bei Köln gefunden - rein zufällig beim Sammeln von Plastik für Kunstinstallationen. Die schwimmende Nachricht hat ihn so sehr fasziniert, dass er inzwischen gezielt nach Post aus Flaschen sucht. Dafür schreitet und sucht der Geschichten-Fischer rund 100 Kilometer des Rheinufers zwischen Königswinter südlich von Köln und Düsseldorf im Norden ab. An manchen Tagen bis zu sieben Stunden. Der Inhalt einer schwimmenden Post sei immer eine Überraschung, auch wenn immer wieder traurige dabei seien.

„In diesem Kürbis habe ich drei Walnüsse, Rosenblätter und einen mit Tinte geschriebenen Brief gefunden“, sagt Römer, während er auf eine hohle Schale eines getrockneten Kürbisses zeigt. „In dem Brief verabschieden sich wohl eine Mutter und ein Vater von ihrem totgeborenen Kind.“ Römer war sich zunächst unsicher, ob er solch persönliche Botschaften überhaupt ausstellen soll. Er entschied sich schließlich dafür. Die Namen hat Römer nicht veröffentlicht.

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