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28.08.2011

10:14 Uhr

Ausweg Leihhaus

Geschichten von verpfändeten Leben

In Leihhäusern werden Erbstücke, liebgewonnene Kleinode oder ganze Wohnungseinrichtungen zu Geld gemacht. Die Motive für die Trennung sind unterschiedlich - und der Abschied oft genug endgültig.

Pfandleiher Thomas Käfer über die Anekdoten aus seinem Beruf. dpa

Pfandleiher Thomas Käfer über die Anekdoten aus seinem Beruf.

MünchenSie kommen mit teurem Schmuck und schwerem Gold, bieten feine Möbel an und edlen Wein - und wollen schnelles Geld. Das Pfandhaus bietet immer mehr Menschen unbürokratische Rettung aus Finanznöten. „Das Leihhaus als zweitältestes Gewerbe der Welt wird immer funktionieren, in guten und in schlechten Zeiten“, sagt der Münchner Pfandleiher Thomas Käfer. Aus der Dynastie der Feinkosthändler stammend entschied er sich, nicht ins Familiengeschäft einzusteigen. In dem Buch „Lieber Kleingeld als kein Geld“, das am Freitag in den Handel kam, hat er seine Erfahrungen veröffentlicht.

Schon bei den Griechen und Römern halfen Pfandleiher bei klammen Kassen. Dann waren es wegen des altkirchlichen Zinsverbots meist Juden, später auch Staaten und Städte, die angesichts des steigenden Kreditbedarfs ins Geschäft mit dem Geldverleih einstiegen. Bis heute gibt es einige kommunale Leihhäuser.

Trotz oder auch gerade wegen der Krise klingeln bei den Pfandleihern die Kassen. Keineswegs trügen verarmte Menschen ihre letzten Erbstücke ins Leihhaus, sagt Wolfgang Schedl, Geschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Pfandkreditgewerbes, dem rund 200 Häuser und damit die Mehrzahl der Pfandleiher in Deutschland angehören. Vielmehr beflügele die steigende Akzeptanz des Pfandkredits in der Bevölkerung und der steigende Goldpreis das Geschäft. Meist wird Schmuck beliehen, dessen Wert mit dem Goldpreis zunimmt. Damit bekommt der Kunde mehr Geld - und der Pfandleiher mehr Zinsen. „Der ständig gestiegene Goldpreis hat sehr, sehr positiv zur Entwicklung des Gewerbes beigetragen“, sagt Schedl.

Mehr als eine Million Deutsche gehen nach Schätzungen jedes Jahr ins Pfandhaus und nehmen insgesamt Kredite von weit mehr als einer halben Milliarde Euro auf. Die Tendenz ist weiter steigend.

Hinter verstärktem Glas ähnlich wie in einer Bank nehmen Käfer und seine Mitarbeiter die Dinge entgegen, die dem Besitzer aus der Not helfen sollen. Von fünf Euro bis 60.000 Euro reichen die Kredite, die er in bar über den Ladentisch schiebt, und so unterschiedlich wie die angebotenen Wertsachen sind auch die Kunden.

Prinzen, Baroninnen und Grafen deponieren laut Käfer genauso ihre Schätze wie glücklose Künstler und Literaten. Das Manuskript für einen vermeintlichen Bestseller schaffte es freilich ebenso wenig in Käfers Tresor wie teurer Rotwein, der ausgestopfte Kater Carlo, ein Rennpferd und eine lebende Schlange. Auch ein unmoralisches Angebot kommt schon mal über die Theke: Weil ihre von Oma geerbte Goldkette nur 20 Euro bringen sollte, hätte sich eine Wiesn-Besucherin für ein weiteres Entgegenkommen gern „erkenntlich gezeigt“, berichtet Käfer. Doch auch da blieb der Pfandleiher eisern.

Kommentare (2)

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Pendler

28.08.2011, 20:50 Uhr

Auper Beitag,
wie passend
wie passend

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Schon bei den Griechen und Römern halfen Pfandleiher bei klammen Kassen. Dann waren es wegen des altkirchlichen Zinsverbots meist Juden, später auch Staaten und Städte, die angesichts des steigenden Kreditbedarfs ins Geschäft mit dem Geldverleih einstiegen. Bis heute gibt es einige kommunale Leihhäuser.
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na dann man ran.
Endlich die Lösung für die Probleme der Dolce-Vita Staaten
LEIHHÄUSER

Account gelöscht!

29.08.2011, 08:12 Uhr

Womoeglich hat sich Herr Kaefer in den USA inspirieren lassen. Hier ist "Pawn Stars", eine Pfandhaus-Reality-Show, eine der beliebtesten Sendungen im Free-TV.
http://www.youtube.com/watch?v=8eBr8Th__NA

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