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06.04.2011

21:50 Uhr

Auszeichnung

Blüm erhält Oswald-von-Nell-Breuning-Preis

Vondapd

Der frühere Bundesarbeitsminister Blüm fordert in seiner Dankesrede eine höhere Wertschätzung der Arbeitsleistung.

Der ehemalige Bundesarbeitsminister Norbert Blüm (CDU, r) bei der Preisverleihung in Trier. Quelle: dpa

Der ehemalige Bundesarbeitsminister Norbert Blüm (CDU, r) bei der Preisverleihung in Trier.

TrierDer langjährige ehemalige Bundesarbeitsminister Norbert Blüm (CDU) ist am Mittwochabend mit dem Oswald-von-Nell-Breuning-Preis der Stadt Trier ausgezeichnet worden. In seiner Dankesrede kritisierte der 75-Jährige scharf das System des Finanzkapitalismus, dem er den Untergang prophezeite. Zugleich verlangte er eine höhere Wertschätzung der Arbeitsleistung gegenüber dem Kapital.

Blüm erhalte die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung für seine christlich geprägte Sozialpolitik, die substanziell auf den Lehren des Jesuitenpaters aufgebaut habe, erklärte Triers Oberbürgermeister Klaus Jensen (SPD) als Vorsitzender der Jury. Der Preis wurde in diesem Jahr zum fünften Mal vergeben, vor Blüm erhielten ihn unter anderem Altkanzler Helmut Schmidt (SPD) sowie die Brüder Hans-Jochen Vogel (SPD) und Bernhard Vogel (CDU).

Der 1890 in Trier geborene Oswald von Nell-Breuning setzte sich in mehr als 1.800 Veröffentlichungen vor allem mit dem Verhältnis von Arbeit und Kapital sowie mit Fragen der betrieblichen Mitbestimmung und der Rolle der Gewerkschaften im Sozialstaat auseinander. Der Jesuit, der 1991 im Alter von 101 in Frankfurt starb, beriet mehrere Bundeskanzler und Minister der Bonner Republik.

Darunter war auch Blüm, der von 1982 bis 1998 das Amt des Arbeitsministers innehatte. Der Rheinländer bezeichnete Nell-Breuning am Mittwoch als „das große Vorbild meines Lebens“. Blüm sagte weiter: „41 Jahre hatte ich das Privileg, auf ihn hören zu dürfen.“ Noch wenige Tage vor Nell-Breunings Tod suchte der damalige Minister den Jesuitenpater in Frankfurt auf.

Der Christdemokrat nannte den Sozialethiker und Theologen einen leidenschaftlichen Streiter für die betriebliche Mitbestimmung. Nell-Breuning sei es zeitlebens um die Würde der Arbeitnehmer und der Arbeitsleistung gegangen, unterstrich Blüm. Vor dem Hintergrund der Finanzkrise müsse es jetzt um eine „Rehabilitierung der ehrlichen Arbeit“ gehen, deren Wertschätzung gegenüber dem Faktor Kapital ins Hintertreffen geraten sei, verlangte der Preisträger. Es könne nicht sein, dass „98 Prozent der die Welt umkreisenden Dollar-Billionen nichts mit Wertschöpfung, Arbeit und Gütern zu tun haben“.

Die Laudatio auf den Unions-Politiker hielt der frühere sozialpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rudolf Dreßler, der viele Jahre Blüms parlamentarischer Gegenspieler war. Der ehemalige Arbeitsminister habe in seinem politischen Leben „große Erfolge und herbe Niederlagen“ erfahren, so Dreßler, „doch der aufrechte Gang war stets der Wegbegleiter“. Dass Blüm und er unterschiedlichen Parteien angehören, ändere nichts daran, dass man sich den Lehren Nell-Breunings gemeinschaftlich verbunden fühle.

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