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16.04.2015

15:59 Uhr

Autobahntunnel in Paris

Diebe erbeuten Millionen-Schmuck

Unbekannte haben einer Taxi-Kundin auf der A1 in Paris Schmuck im Millionenwert geraubt. Überfälle in berüchtigtem Landy-Tunnel sind keine Seltenheit. Schließlich finden die Täter beste Bedingungen vor.

Taxen, die im Pariser Landy-Tunnel im Stau stehen, werden gerne von Dieben ausgeraubt. Reuters

Begehrtes Ziel

Taxen, die im Pariser Landy-Tunnel im Stau stehen, werden gerne von Dieben ausgeraubt.

ParisEs war ein eher gewöhnlicher Raub, die Beute aber fiel spektakulär aus. In einem Autobahntunnel zwischen dem Flughafen Charles-de-Gaulle und der Pariser Innenstadt schlugen drei Unbekannte das Fenster eines Taxis ein, packten die Handtasche der Insassin und rannten blitzschnell weg.

Der Frau, einer in Deutschland lebenden Kunstsammlerin, wurde damit Schmuck im Wert von fünf Millionen Euro geraubt. Der Vorfall wirft wieder einmal ein schlechtes Licht auf die Sicherheitslage in der französischen Hauptstadt - und auf den berüchtigten Landy-Tunnel.

Der 1,3 Kilometer lange Autobahntunnel im Norden von Paris ist bekannt für derartige Überfälle - und ein Paradies für Räuberbanden. Häufig staut sich der Verkehr in dem laut Behörden mit täglich mehr als 220.000 Fahrzeugen meistbefahrenen Tunnel Europas, durch den die Autobahn A1 zwischen dem Fußballstadion Stade de France und dem Verkehrsknotenpunkt Porte de la Chapelle verläuft.

Autos kommen bei den ständigen Staus nur im Schritttempo voran oder müssen zeitweise stehen bleiben. Leichte Beute also für die Räuber, die schnell zuschlagen und ebenso schnell wieder verschwunden sind. Französische Medien sprechen von Zuständen wie im Wilden Westen.

Spektakuläre Geiselnahmen

17. November 2000

Während einer ärztlichen Untersuchung wegen einer schweren Kopfverletzung nimmt ein 36-jähriger Untersuchungshäftling in Frankenthal in der Pfalz eine in der Praxis versteckte Waffe an sich und flüchtet in ein Mehrfamilienhaus in der Nachbarschaft. Dort bringt er eine Frau und ihr Kind in seine Gewalt. Erst nach rund zwölf Stunden gibt der Täter auf.

12. Januar 2001

Ein Bankräuber bringt in Borken bei Kassel vier Menschen in seine Gewalt. Zwei lässt er am frühen Abend frei. Der 40-jährige Iraker gibt Stunden später auf.

16. August 2001

Ein 28-jähriger Staatenloser lauert gegen Mitternacht zwei jungen Frauen nach einem Disco-Besuch im belgischen Hasselt auf und zwingt die Frauen zu einer Irrfahrt durch Belgien, die Niederlande und Deutschland. Unterwegs vergewaltigt er eines seiner Opfer mehrfach. Erst in Aachen gelingt der jüngeren Geisel die Flucht. In einem Wald nahe der Autobahnausfahrt Kerpen-Buir wird er von der Polizei gestellt.

28. Dezember 2001

Ein angetrunkener 31-Jähriger bringt in Nürnberg eine U-Bahn mit 25 Fahrgästen in seine Gewalt. An einer Haltestelle lässt der Täter die Fahrgäste frei und versucht über die Gleise zu flüchten, wird aber in einem U-Bahn-Tunnel gefasst.

13. Februar 2002

Ein mit Messern bewaffneter 17-Jähriger hat 13 ehemalige Mitschüler einer Hauptschule im Jüchener Ortsteil Hochneukirch fast vier Stunden in seiner Gewalt. Ein Sondereinsatzkommando beendet die Geiselnahme unblutig.

2. April 2002

Nach einem Banküberfall in der Sparkasse Wrestedt im Landkreis Uelzen in Niedersachsen nehmen drei bewaffnete Täter zwei weibliche Sparkassen-Angestellte als Geiseln und geben erst nach einer 22-stündigen Irrfahrt über Polen bis in die Ukraine nach rund 1.600 Kilometern auf. Die drei Männer werden im August 2002 vom Landgericht Lüneburg zu langjährigen Haftstrafen verurteilt.

11. April 2003

Ein Geiselnehmer bringt einen Linienbus nach einem Banküberfall im Stadtteil Berlin-Schöneberg in seine Gewalt. Ein zweiter Bankräuber konnte zunächst entkommen. Von ursprünglich 20 Geiseln werden im Verlauf einer mehrstündigen Irrfahrt durch die Stadt alle bis auf zwei freigelassen. Nach viereinhalbstündiger Geiselnahme stürmt ein Sondereinsatzkommando den entführten Bus, befreit die letzten beiden Geiseln unverletzt und nimmt den 46-jährigen Entführer fest.

25. April 2003

Ein bewaffneter Geiselnehmer entführt in Bremen einen Linienbus mit rund 15 Insassen. Nach sieben Stunden lässt der 17-Jährige seine letzten Geiseln frei und wird von Polizisten überwältigt.

23. Mai 2004

Ein psychisch kranker 37-jähriger Mann nimmt ein 13-jähriges Mädchen in den Niederlande als Geisel. Nach 40 Stunden wird das Mädchen von der deutschen Polizei in Greven in der Nähe von Münster befreit.

2. Juli 2008

Ein Strafgefangener einer Einrichtung des offenen Strafvollzuges in Marl bedroht eine Frau mit einem Messer, um seine Verlegung in den geschlossenen Strafvollzug abzuwenden. Die Polizei überwältigt den Mann und nimmt ihn fest. Die als Geisel genommene Frau bleibt unversehrt.

Ende November 2009

Die Strafgefangenen Michael Heckhoff und Paul Michalski fliehen aus der JVA Aachen. Auf ihrer Flucht nehmen sie in Köln, Essen und Mülheim mehrere Geiseln. Heckhoff wird am vierten Tag der Flucht in Mülheim an der Ruhr gefasst, sein Komplize Michalski zwei Tage später auf einem Fahrrad in Schermbeck am Niederrhein. Im Prozess wird den beiden Schwerverbrechern Menschenraub, Erpressung und Geiselnahme zur Last gelegt. Der mitangeklagte JVA-Bedienstete muss sich unter anderem wegen Gefangenenbefreiung und Bestechlichkeit verantworten. Die beiden Gefängnisausbrecher werden zu hohen Haftstrafen und anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt.

15. Juni 2010

Ein Mann dringt mit einer scharfen Waffe in eine H&M-Filiale in der Leipziger Innenstadt ein und nimmt 19 Kunden als Geiseln. Bei der Geiselnahme wird niemand verletzt. Der Täter gibt nach dreieinhalb Stunden widerstandslos auf.

21. Februar 2011

Ein aus den Niederlanden stammender Mann hat in einer Aachener Bank wegen eines Kredites ein Vorgespräch und wird dabei von einer Psychologin begleitet. Weil die Beratung nicht so läuft wie gewünscht, greift er einen Kugelschreiber und droht damit, seine Begleiterin „abzustechen“. Anschließend fordert er eine Geldsumme von mehr als 200.000 Euro. Für etwa eine Stunde hält der Mann vier Personen in seiner Gewalt.

29. März 2011

Ein 30-Jähriger Mann verschanzt sich in seiner Wohnung in Bad Langensalza und hält seinen vierjährigen Sohn als Geisel. Zuvor bedrohte der Mann die Angestellte eines Supermarkts mit einer Pistole und flüchtete zu sich nach Hause. Der Junge konnte acht Stunden nach der Geiselnahme befreit werden. Der Mann wurde festgenommen.

31. Mai 2011

Bei einer Kontrolle schießt ein Mann unvermittelt auf Polizisten in Düsseldorf. Anschließend nimmt er eine 22-jährige Passantin als Geisel und schießt ihr in den Hinterkopf. Die Frau überlebte. Die Beamten verhaften den Mann.

20. August 2011

Ein schwer bewaffneter 30-Jähriger nimmt in Hamburg-Barmbek eine vier Jahre jüngere Frau als Geisel. Offenbar sollte sie in seiner Wohnung über einen längeren Zeitraum gefangen gehalten werden. Dem Opfer gelang aber die Flucht. Der 30-Jährige hatte zuvor seine Wohnung für die Geiselnahme präpariert. Unter anderem war sie mit Stacheldraht gesichert.

30. April 2012

Ein Familienvater nimmt seinen dreieinhalbjährigen Sohn als Geisel und droht, das Kind zu töten, falls seine Frau nicht nach Hause zurückkehre. Die Polizei befreit das Kind nach drei Stunden und nimmt den Vater fest.

„Die Gegebenheiten sind einwandfrei“, seufzt ein Polizist - wohlgemerkt für die Räuber und nicht für die Ordnungshüter. „Oft sind es Kriminelle aus der Gegend. Sie haben vor nichts Angst, kennen das Terrain und flüchten über die Notausgänge in die Fußgängerzonen von Saint-Denis“, der im Norden an Paris angrenzenden Problem-Vorstadt.

Die Kriminellen agieren zu Fuß oder auf Motorrollern, mit denen sie sich durch die Fahrzeugkolonnen schlängeln können. „Ein Team kann so 10, 20, 30, sogar 100 Opfer ausnehmen“, sagt der Polizist. Eine Verfolgungsjagd ist wegen des dichten Verkehrs unmöglich; die Polizei hat zwar aufgerüstet, erscheint aber machtlos.

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