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06.06.2016

07:59 Uhr

Bahn

Tödliches Zugunglück in Belgien

Im Dunkel der Nacht kracht ein Passagierzug nahe Lüttich in einen Güterzug. Mehrere Waggons entgleisen, ein Augenzeuge berichtet von „chaotischen Szenen“. Auch Stunden später rätseln die Ermittler, wie das passierte.

Todesfälle nach Zug-Crash

Zugunglück in Belgien - mindestens drei Tote

Todesfälle nach Zug-Crash: Zugunglück in Belgien - mindestens drei Tote

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BrüsselNach dem folgenschweren Zusammenstoß zweier Züge nahe der belgischen Stadt Lüttich befürchten die Rettungskräfte einen weiteren Anstieg der Opferzahlen. Es sei nicht auszuschließen, dass neben den drei geborgenen Leichen noch weitere aus den Trümmern befreite Insassen ihren schweren Verletzungen erliegen, teilten die Behörden bei einer Pressekonferenz am frühen Montagmorgen mit. Wie es zu dem Unglück kommen konnte, war auch Stunden nach der Kollision weiter unklar. Ein Krisenstab wurde eingerichtet.

Am Sonntagabend kurz nach 23 Uhr war ein Passagierzug mit rund 40 Insassen bei der Ortschaft Hermalle-sous-Huy ins Heck eines Güterzugs auf demselben Gleis gekracht. Der Passagierzug mit sechs Waggons war zu diesem Zeitpunkt mit ungefähr 90 Stundenkilometern unterwegs, wie des Bürgermeister der Ortschaft Saint-Georges-Sur-Meuse, Françis Dejon, laut Medienberichten erklärte. Nach Angaben der Bahngesellschaft SNCB entgleisten die vorderen zwei Waggons und kippten auf die Seite.

Neun Zuginsassen seien mit Verletzungen unterschiedlichen Grades ins Krankenhaus gebracht worden, hieß es auf der Pressekonferenz, bei der neben Dejon auch Verkehrsminister François Bellot sowie Vertreter des Schienennetzbetreibers Infrabel, der Kommunalbehörden, der Rettungskräfte und von SNCB anwesend waren. Um weitere 27 Menschen mussten sich die Rettungskräfte nur kurz kümmern. „Wir haben großes Glück, dass es nicht mehr Opfer gegeben hat“, sagte Dejon laut Belga.

Krise, Katastrophe, Katastrophenalarm – wann gilt was?

Begriffserklärung

Die Begriffe Krisen und Katastrophen nach verheerenden Unwettern oder anderen Notsituationen werden in der öffentlichen Wahrnehmung oft gleichgesetzt. Eine Begriffserklärung.

Krise

Im Bevölkerungsschutz und der Katastrophenhilfe wird mit dem Begriff Krise eine Lage bezeichnet, bei der Sachschäden drohen oder bereits entstanden sind, und Hilfsorganisationen wie die Feuerwehr diese Lage nicht mehr allein bewältigen können. Eine Krisenlage kann durch Naturereignisse (Stürme, Starkniederschläge, Hochwasser, Waldbrände, Epidemien) ausgelöst werden oder zivilisatorische Ursachen haben – diese reichen von technischem Versagen oder Fahrlässigkeit bei Unfällen und Havarien bis zu Terroranschlägen.

Katastrophe

Sind Gesundheit oder Leben vieler Menschen, deren natürliche Lebensgrundlagen und bedeutende Sachwerte in ungewöhnlichem Ausmaß bedroht, sprechen die Behörden von einer Katastrophe. Für die Bewältigung dieses „Großschadensereignisses“ reichen die normalen technischen und finanziellen Mittel oder rechtlichen Befugnisse der betroffenen Gemeinden oder Kreise nicht aus. Zudem erfordert die Abwehr und Bekämpfung die einheitliche Leitung durch die zuständige (Katastrophenschutz-)Behörde.

Katastrophenalarm

Ein Katastrophenalarm (Katal) wird ausgelöst, wenn ein Notfall die besondere Koordination der Hilfskräfte verlangt beziehungsweise für dessen Bewältigung die technischen und finanziellen Mittel oder rechtlichen Befugnisse der normalerweise zuständigen Gemeinden nicht ausreichen. Die Bewältigung von Katastrophen und das Krisenmanagement liegen in Deutschland grundsätzlich in der Verantwortung der 16 Bundesländer. Der Katastrophenfall wird demzufolge entsprechend dem Katastrophenschutzgesetz des jeweiligen Landes festgestellt. Dies war auch im niederrheinischen Hamminkeln der Fall, wo ein Dammbruch am Fluss Issel befürchtet wurde.

Ein Augenzeuge berichtete dem Nachrichtenportal „L'Avenir“ zufolge von „chaotischen Szenen“. Laut dem jungen Mann, der in dem Passagierzug gesessen habe, seien die vorderen beiden Waggons völlig zerstört worden. Ein Großaufgebot an Rettungskräften aus der ganzen Region eilte zum Unglücksort und barg eingeschlossene Menschen aus den Trümmern. Sanitäter und Seelsorger kümmerten sich um die befreiten Passagiere.

Der Frachtzug hatte Medienberichten zufolge keine Gefahrengüter geladen. In dem Passagierzug saßen laut Verkehrsminister Bellot viele Studenten, die am Sonntagabend auf dem Weg nach Lüttich waren.

Ermittler und Staatsanwaltschaft nahmen Untersuchungen zum Unfallhergang auf. Ein Infrabel-Sprecher wollte zunächst keine Einschätzung dazu abgeben, wodurch das Unglück ausgelöst wurde. Er erwähnte Medienberichten zufolge aber, dass es auf der betroffenen Strecke zuvor einen Blitzeinschlag gegeben habe. Auf der Twitter-Seite von SNCB gab es am Abend einen Hinweis auf eine Signalstörung auf dieser Route. Ob und inwiefern ein Zusammenhang mit der späteren Kollision besteht, war zunächst unklar.

Von

dpa

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