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01.02.2011

10:56 Uhr

Bahnunglück in Sachsen-Anhalt

Alle Opfer zweifelsfrei identifiziert

Nach dem tragischen Bahnunglück in Sachsen-Anhalt rückt immer mehr der Führer des Güterzugs in den Fokus der Ermittler. Nun wurde bekannt, dass dessen Lok zwei Haltesignale schlichtweg überfuhr. Inzwischen konnten endlich alle Opfer des Unfalls identifiziert werden.

HB MAGDEBURG/BERLIN.Alle zehn Opfer des tragischen Zugunglückes vom Samstag bei Oschersleben sind identifiziert. Bei den Opfern handelt es sich um vier Mädchen und Frauen im Alter von 12 bis 61 Jahren und sechs Männern im Alter von 33 bis 74 Jahren, wie Staatsanwaltschaft und Polizei am Dienstag mitteilten. Neun der Opfer stammten aus dem Landkreis Harz, ein Opfer kam aus Mecklenburg-Vorpommern.

Spezialisten von Landespolizei, Landes- und Bundeskriminalamt hätten die Getöteten zweifelsfrei identifiziert, hieß es weiter. Rechtsmediziner setzten bei ihren Untersuchungen auch auf den Zahnstatus und die DNA der Opfer. In einigen Fällen sei eine Identifizierung der Getöteten durch Hinterbliebene nicht zu verantworten gewesen, sagte ein Polizeisprecher. Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes würden keine weiteren Angaben über Opfer oder deren Angehörige gemacht.

Drei Tage nach dem schweren Zugunglück in Sachsen-Anhalt deuten Ermittlungsergebnisse auf einen schwerwiegenden Fehler des Güterzug-Lokführers hin. Der Mann hat laut einem Bericht des Bundesverkehrsministeriums vor dem Zusammenstoß mit dem Regionalzug zwei Haltesignale überfahren. Der Fahrdienstleiter im Stellwerk Hordorf habe daraufhin über Funk einen Nothalt angeordnet, heißt es in dem Papier, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Zehn Menschen wurden bei dem Unglück getötet. Der Zustand von zwei Insassen, darunter eine Zehnjährige, ist kritisch.

Auf der seit Samstagabend gesperrten Strecke Magdeburg-Halberstadt fuhren am Dienstag wieder die ersten Züge des Harz-Elbe-Expresses (HEX). Die Bahn kündigte Konsequenzen aus dem Unglück an und will die Sicherheitsvorkehrungen verbessern.

Die Staatsanwaltschaft in Magdeburg zeigte sich erstaunt über den Bericht. „Es befremdet uns ein wenig, dass Ergebnisse bekanntgegeben werden, die den Ermittlungsbehörden noch nicht vorliegen“, sagte Behördensprecherin Silvia Niemann der dpa. Indizien deuteten aber darauf hin, „dass es so gewesen sein könnte“. Gegen den 40 Jahre alten Lokführer des Güterzugs wird unter anderem wegen fahrlässiger Tötung ermittelt.

Dem Bericht zufolge hatte der 35 Jahre alte Lokführer des Personenzugs den Regionalexpress nach dem Notruf von 98 Kilometern pro Stunde bis zum Zusammenstoß auf Tempo 66 abgebremst. Ob auch der Güterzug vor dem Unfall auf der eingleisigen Strecke gebremst hat, müsse noch ausgewertet werden. Der aus Schwerin stammende Lokführer des Personenzugs wurde bei dem Unglück getötet.

Zum Zeitpunkt des Unfalls hatte das Stellwerk das Gleis für den Personenzug HEX 80876 korrekt freigegeben, er hatte also grünes Licht für die Fahrt über die eingleisige Strecke. Der Güterzug sollte hingegen die Durchfahrt des Personenzugs abwarten, bevor er auf die eingleisige Strecke Richtung Oschersleben geleitet werden sollte.

Die Deutsche Bahn will schnellstmöglich mehr eingleisige Strecken mit moderner Sicherungstechnik ausstatten. „Da ist Handlungsbedarf“, sagte Bahnchef Rüdiger Grube am Montagabend in der ARD. Der Konzern wolle alle eingleisigen Strecken analysieren und - wo nötig - den Einbau eines automatischen Bremssystems aus eigenen Mitteln finanzieren. Er wolle nicht auf Bundesministerien warten, sagte Grube.

Der Lokführer des Güterzugs, der bei dem Unfall Prellungen und einen Schock erlitt, äußerte sich bisher nicht zu dem Geschehen. „Er hat den Status des Beschuldigten. Er muss sich nicht äußern“, sagte Oberstaatsanwältin Niemann. Mit einem schnellen Ende der Ermittlungen sei nicht zu rechnen, die Analyse der Fahrtenschreiber der Züge und weiterer Beweismaterialien könne Monate in Anspruch nehmen.

Die Salzgitter AG bestätigte unterdessen Informationen der „Bild“- Zeitung, wonach der Güterzug mit zweistündiger Verspätung unterwegs war. „Das ist ein normaler Vorgang, der mit der DB Netz abgestimmt war“, sagte Konzernsprecher Bernd Gersdorff. Der 2700 Tonnen schwere Zug der Salzgitter-Tochtergesellschaft VPS war in Blankenburg mit Kalk beladen worden und sollte über Magdeburg nach Salzgitter fahren.

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