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31.01.2011

09:46 Uhr

Bahnunglück in Sachsen-Anhalt

Zugführer war womöglich nicht auf der Lok

Hätte das schwere Zugunglück in Sachsen-Anhalt verhindert werden können? Die Ermittler suchen fieberhaft nach der Ursache für den tragischen Unfall, tappen aber noch im Dunkeln. Allerdings wurde der Führer des Güterzugs angeblich aus einem hinteren Teil des Fahrzeugs geborgen.

dpa

HB HORDORF. Nach dem schweren Zugunglück in Sachsen-Anhalt konzentrieren sich die Ermittlungen auf den Aufenthaltsort des Güterzug-Lokführers zum Zeitpunkt des Unfalls. Zu Berichten, wonach der Lokführer auf der hinteren der beiden Lokomotive gefunden wurde, sagte der Einsatzleiter der Bundespolizei Ralph Krüger: „Dieses Gerücht haben wir auch gehört, können es aber nicht bestätigen.“ Es sei aber Bestandteil der Ermittlungen, wo sich der Lokführer aufgehalten habe.

Krüger verwies darauf, dass eine Lok nicht allein fahre. Es sei aber denkbar, dass der Lokführer sich in Sicherheit gebracht hat, als er den Regionalzug auf sich zufahren sah.

Die Staatsanwaltschaft hat offiziell ein Ermittlungsverfahren gegen den Lokführer des Güterzugs eingeleitet. Der Lokführer hat vor dem Zugunglück möglicherweise ein Haltesignal überfahren. Gegen ihn wird nach einer Zeugenaussage wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und Gefährdung des Bahnverkehrs ermittelt, teilten Staatsanwaltschaft und Polizei am Montag in Magdeburg mit. Bei der Kollision auf der eingleisigen Strecke in Hordorf mit einem Regionalexpress kamen am Samstagabend zehn Menschen ums Leben.

Die Staatsanwaltschaft Magdeburg wollte im Laufe des Montags eine Presseerklärung zum Stand der Ermittlungen herausgeben. Nach dem schweren Zugunglück in Hordorf, bei dem am Samstagabend zehn Menschen ums Leben kamen und 23 Verletzungen erlitten, waren die Trümmer des völlig zerstörten Personenzuges in der Nacht zu Montag beseitigt und abtransportiert worden. Die Strecke ist weiter gesperrt.

Während der Lokführer des Personenzugs ums Leben kam, wurde sein Kollege im Güterzug am Sonntag aus dem Krankenhaus entlassen. Der 39- Jährige erlitt Prellungen. Die Bundespolizei wies am Montag Spekulationen zurück, wonach sich der Mann womöglich nicht im Führerstand aufgehalten hatte, sondern in der zweiten Lok. Ein Sprecher der Salzgitter AG, für deren Tochtergesellschaft VPS der 2700 Tonnen schwere Güterzug unterwegs war, wies darauf hin, dass es Zugführern strikt verboten sei, sich in der hinteren Lok aufzuhalten. Der 39-Jährige habe sich auf Unglücksstrecke gut ausgekannt.

Der Fahrgastverband Pro Bahn fordert unterdessen Konsequenzen. „Es muss geklärt werden, ob und wo es gegebenenfalls grundlegende Sicherheitsmängel gibt, insbesondere auf Strecken mit schwerem Güterverkehr und Personenzügen“, erklärte Karl-Peter Naumann, Vorsitzender des Verbandes, am Sonntag im Gespräch mit den „Ruhr Nachrichten“.

Die näheren Umstände des Unglücks vom späten Samstagabend in der Nähe von Oschersleben, bei dem mindestens zehn Menschen getötet worden waren, müssten umfassend aufgeklärt werden. Sicherheitssysteme, die beim Überfahren eines roten Signals eine sofortige Notbremsung auslösen, seien „längst nicht auf allen Strecken in Ostdeutschland“ eingebaut. Dort müsse jetzt schnell nachgerüstet werden.

Kommentare (1)

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Also ich wäre

31.01.2011, 18:13 Uhr

Also ich wäre als Lockführer auch nach hinten gerannt, gleich nachdem ich die bremse voll reingehauen hätte...

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