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08.06.2013

13:06 Uhr

Bangen an der Elbe

Dramatische Hochwasser-Lage in Sachsen-Anhalt

Die einen hoffen noch, die anderen müssen sich dem Hochwasser geschlagen geben. Tausende verlassen wegen der Elbeflut ihre Häuser. Wo das Wasser wieder sinkt, hinterlässt es Verwüstungen.

Helfer schichten Sandsäcke in einer überfluteten Straße in Magdeburg gegen das steigende Hochwasser der Elbe zu Dämmen auf. dpa

Helfer schichten Sandsäcke in einer überfluteten Straße in Magdeburg gegen das steigende Hochwasser der Elbe zu Dämmen auf.

Berlin/MagdeburgDurchweichte Dämme und Helfer im Dauereinsatz : Das Hochwasser bringt die Menschen vor allem im Osten Deutschlands an ihre Grenzen. In mehreren Orten an der Elbe und der Saale hielten Deiche den Wassermassen nicht mehr stand oder waren akut gefährdet. Tausende Flutopfer mussten sich in Sicherheit bringen. Besonders dramatisch war die Lage am Samstag in Sachsen-Anhalt. Politiker warfen die Frage auf, wer die erwarteten Milliardenschäden zahlen soll.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) forderte die Solidarität der anderen Bundesländer. „Das ist eine nationale Aufgabe, da müssen die 16 Bundesländer und der Bund zusammenhalten“, sagte er der „Mitteldeutschen Zeitung“.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) deutete an, dass die Finanzhilfen für Flutopfer falls nötig aufgestockt würden. Bisher hat der Bund 100 Millionen Euro Soforthilfe zugesagt. Steuererhöhungen seien trotz des hohen Schadens nicht nötig, sagte Schäuble der „Passauer Neuen Presse“. Sonntag will Bundespräsident Joachim Gauck Hochwasserregionen an der Saale und der Elbe besuchen.

Die Hochwassersituation im Überblick:

Sachsen Anhalt: In Sachsen-Anhalt spitzt sich die Lage an Elbe und Saale weiter zu. Im Mündungsbereich der Saale in die Elbe forderten die Behörden 3000 Menschen auf, sich vor einer drohenden Überflutung in Sicherheit zu bringen. Nach Angaben des Katastrophenschutzstabes ist nördlich des Ortes Klein-Rosenburg ein durchweichter Deich der Saale nicht mehr zu halten.

In Magdeburg wurde ein Altenpflegeheim evakuiert. Aber auch zahlreiche weitere Bewohner müssten sich darauf einstellen, ihre Häuser zu verlassen. In einigen Straßen musste auch die Elektrizität abgestellt werden. Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper warnte die Bürger vor einem dramatischen Wochenende. Weiter südlich sollte die Ortschaft Susigke evakuiert werden, rund 300 Bewohner sollten ihre Häuser verlassen. Bei Bitterfeld dagegen entspannte sich die Lage, auch in Halle an der Saale wurde der Katastrophenfall wieder aufgehoben.

Brandenburg: In Brandenburg blieb die Hochwasserlage angespannt. In Mühlberg sank der Pegelstand der Elbe zwar auf 9,77 Meter, dennoch blieb der Druck auf die Schutzanlagen enorm. Den Einsatzkräften an den Deichen stehe ein tagelanger Kampf gegen das Hochwasser bevor, sagte ein Sprecher des Koordinierungszentrums Krisenmanagement. Nach der Evakuierung von Mühlberg im Kreis Elbe-Elster sei an eine Rückkehr der knapp 4500 betroffenen Bürger nicht zu denken. Die Lage an Spree und Schwarzer Elster entspannte sich langsam.

Sachsen: Sachsen hat den Scheitelpunkt der Elbeflut zwar schon überstanden, allerdings sank der Wasserstand nur sehr langsam. Noch immer waren Orte überschwemmt und Verkehrslinien gekappt. Rund 12 000 Menschen harrten in Sachsen nach Angaben vom Freitag noch in Notquartieren, bei Verwandten und Freunden aus. Allein in Dresden waren 4900 Haushalte weiterhin ohne Strom. Hubschrauber der Bundeswehr versuchten bei Großtreben-Zwethau, ein Loch in einem Deich mit großen Sandsäcken abzudichten. Rund 500 Menschen sollten dort ihre Häuser verlassen.

Schleswig-Holstein/Niedersachsen: Im schleswig-holsteinischen Lauenburg sind die Vorbereitungen auf das Elbe-Hochwasser abgeschlossen. Der Fluss war dort allerdings weniger stark gestiegen als befürchtet. Der Höhepunkt der Flut wird dort an diesem Mittwoch erwartet. Auch in Niedersachsen erwarteten die Behörden für das Wochenende noch einmal stark steigende Wasserstände der Elbe. Wie schlimm es werde, sei aber noch immer nicht klar, sagte ein Sprecher.

Bayern: An der Donau durften im vom Hochwasser schwer betroffenen bayerischen Landkreis Deggendorf die meisten Menschen in ihre Häuser zurückkehren. Dort beginnen nun die Aufräumarbeiten. In einigen Stadtteilen von Deggendorf müssen sich die Bewohner hingegen weiter gedulden - Häuser und Straßen waren dort noch immer überflutet.

Österreich/Ungarn: Donauabwärts in Österreich ist das Hochwasser fast weg, jetzt kommt der Schlamm: Feuerwehr, Soldaten und freiwillige Helfer schaufelten Tonnen Schlamm aus eben noch überfluteten Ortschaften. Wenn die Erde antrockne, sei sie kaum noch zu beseitigen, warnten die Behörden. Die Schäden werden inzwischen mit der Jahrhundertflut 2002 verglichen: Sie sollen auch hier in die Milliarden gehen.

Das Rekordhochwasser nähert sich nun der ungarischen Hauptstadt Budapest. Die Scheitelwelle wird dort am Montagfrüh erwartet. Seit Tagen sind Tausende Soldaten und freiwillige Helfer im Einsatz, um Dämme und Uferanlagen mit Sandsäcken zu verstärken und mobile Schutzdämme zu errichten.

Von

dpa

Kommentare (8)

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Hochwasseropfer

08.06.2013, 09:02 Uhr

Kein Geld von der glorreichen Europäischen Union für die Hochwasseropfer in Deutschland.
Brüderle: "Die EU ist ziemlich instinktlos"

ohne Worte

pool

08.06.2013, 09:27 Uhr

Die Grenzen des Wachstums sind in dem viel zu dicht besiedelten Deutschland nun auch ganz offensichtlich überschritten.
Der Club of Rom warnte 1972 davor, dass sich die Kosten für Umweltschäden massiv aufdrängen würden. Ob es sich um Überfischung handelt, oder Fracking, welches das Grundwasser verseucht, oder Begradigung, Vertiefung, Landgewinnung in den Überflutungsregionen der Flüsse, wir werden bezahlen.
Zum Wohle der Wachstumsideologie stellen die Regierungen ihre verfehlte Umweltpolitik auch nicht sich selber in Rechnung oder den Konzernen, sondern den Bürgern.

Wenn der Plan durchgeht, dass mitten in den Trinkwasserreservoiren und Talsperren gefrackt werden darf, dann werden die Kosten für das Trinkwasser explodieren! Es wird teurer werden als alles Gold der Welt. Wasser, Lebensmittel und ein Dach über dem Kopf sind das einzige, was unter Grundversorgung subsumiert werden darf. Verblödung und Handlangerdienste der ÖRR gehören sicher nicht dazu.

Die "alternativlose" Politik der Bundesregierung schränkt nicht nur die Bürgerrechte ein, die lässt auch keinen Ausweg zu für eine andere, umweltfreundliche Politik. Alles Streben wird den Konzerninteressen untergerodnet.
Die Windmonster sind nur ein Deckmantel, unter dem eine exorbitant schädliche Umweltzerstörung betrieben wird via Fracking.

Politik und Medien setzen die Prioritäten ganz bewusst faslch, dass Headlines zum Ablenkungsmanöver werden, während sie die wirklichen Probleme vertuschen, verschleiern oder einfach unter den Tisch fallen lassen.

Claus Kleber sagte in einem heute-Journal im Angesicht der Wahllügen, dass er Wahllügen für opportun halten, um Wählerstimmen zu gewinnen.

Republikaner

08.06.2013, 13:43 Uhr

Der eigentliche Skandal ist doch der: für die EU haben wir zig Milliarden, für die eigenen Leute bestenfalls Kleingeld. 100 Mio - das ist gar nichts angesichts der riesigen Schäden. Aber wenn es um GR, Banken oder sonstwie EU Rettung geht, stehen die Milliarden ruck zuck bereit. Diese Blockparteien sind echter echter Abschaum! Zuallererst müssen C-Parteien entsorgt werden. Niemand haßt sein Volk mehr, wie dieses Pack.

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