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30.01.2017

14:13 Uhr

Bayern

Sechs Teenager tot in Gartenlaube aufgefunden

Fünf junge Männer und eine Frau sind von einem Vater in Arnstein tot in einer Gartenlaube aufgefunden worden – darunter auch seine eigenen Kinder. Bisher ist unklar, woran die sechs jungen Menschen gestorben sind.

Sechs junge Erwachsene liegen tot in einer Gartenlaube in Bayern. Eine erste reine Vermutung könnte eine Kohlenmonoxidvergiftung sein. AP

Todesursache unklar

Sechs junge Erwachsene liegen tot in einer Gartenlaube in Bayern. Eine erste reine Vermutung könnte eine Kohlenmonoxidvergiftung sein.

ArnsteinFür den Vater muss es der blanke Horror gewesen sein. Seine Kinder, gerade volljährig, feiern zusammen mit Freunden in einer abgelegenen Gartenhütte. Als sich nach der Party niemand meldet, macht der Vater sich Sorgen, fährt nachschauen – und findet alle sechs jungen Erwachsenen im Alter von 18 und 19 Jahren tot. Warum sie starben, ist zunächst völlig unklar. Ein Gewaltverbrechen schließt die Polizei nach dem Fund am Sonntag aber früh aus.

Nach Angaben des zweiten Arnsteiner Bürgermeisters Franz-Josef Sauer stammen drei der Opfer direkt aus Arnstein, darunter das Geschwisterpaar des Vaters. Zwei junge Männer kommen aus Eußenheim (Landkreis Main-Spessart), das sechste Opfer aus Wasserlosen (Landkreis Schweinfurt).

Am Montag wurde die Obduktion der Leichen angeordnet. Sie sollte noch im Laufe des Tages erfolgen. Angeordnet wurden außerdem Blutuntersuchungen „auf etwaige körperfremde Stoffe“, wie die Würzburger Staatsanwaltschaft und die Kriminalpolizei mitteilten.

Die Laube steht in einer extrem einsamen Gegend. Mehrere Kilometer sind es bis nach Arnstein, dem nächsten kleineren Städtchen im unterfränkischen Landkreis Main-Spessart bei Würzburg. Auf dem Weg dahin sind vor allem Felder, Wälder, ab und an ein Bauernhof zu sehen. An einem langen holprigen Weg liegt dann das Gartengrundstück, rundum eingewachsen und schon etwas verwildert.

Das rostige Tor ist mit einem schwarzen Fahrradschloss versperrt, davor flattert ein Absperrband der Polizei. Ein behelfsmäßiger Ausdruck auf Papier in einer Klarsichthülle macht klar: „Tatort – Betreten verboten!“ Zur Sicherheit sind am Sonntagabend auch Polizisten vor Ort, die Scheinwerfer des Streifenwagens eingeschaltet.

Das Gartenhaus ist in der Dunkelheit dennoch nicht zu sehen. Polizeisprecher Björn Schmitt schildert, wie es dort aussieht: „Das ist ein kleineres, älteres Haus. Man kann es schon als Gartenhaus bezeichnen, aber es ist ein gemauertes Gebäude mit einem kleinen Anbau.“

In dem Häuschen der Familie hatten die Gruppe von fünf Männern und einer Frau am Samstagabend gefeiert. Als der Vater selbst in den frühen Morgenstunden noch nichts von seiner Tochter oder seinem Sohn hört, macht er sich Sorgen. Am Sonntagvormittag fährt er los, will nachschauen – und findet die sechs Freunde, tot.

Woran sie starben, ist zunächst völlig unklar. Klar ist nur: Es handelt sich nicht um ein Gewaltverbrechen, wie Polizei und Staatsanwaltschaft betonen. Die Spekulationen schießen ins Kraut. Eine davon: Kohlenmonoxid-Vergiftung. Denn in der Nacht ist es kalt, auf dem Boden liegt Schnee, und in der Laube haben die jungen Leute den Ofen eingeschürt. Polizeisprecher Schmitt macht aber energisch klar: „Es besteht diese Möglichkeit, es bestehen aber noch viele andere Möglichkeiten. Das ist reine Spekulation.“

In Arnstein, einem Städtchen mit gut 8000 Einwohnern, macht die Nachricht von der Tragödie sofort die Runde. Ein Nachbar der Familie, der die Hütte gehört, ist tief betroffen. Er habe die meisten der Opfer gekannt – und die junge Frau habe ihren 18. Geburtstag gefeiert, sagt er.

In der „Brotzeithütte“, wie der alte Gartenschuppen in den ehemaligen Weinbergen mit nachträglich eingebauten Fenstern genannt wird, hätten junge Leute immer wieder mal gefeiert, erzählt ein anderer Einwohner. Wie die anderen Gäste in der Gaststätte im Ortskern kennt auch er heute nur ein Thema. Schon am Mittag, als Rettungskräfte mit Blaulicht durch die Straßen rasten, habe man geahnt, „dass da was Schlimmeres passiert sein muss“. Wie schlimm aber – das hatte sich wohl niemand ausmalen können.

Einen Tag nach dem Fund gedenkt die katholische Kirchengemeinde in Arnstein der Opfer mit einer Trauerstunde. Sie soll am Montagabend in der Stadtkirche St. Nikolaus stattfinden und richtet sich ausdrücklich nur aus Angehörige und Freunde, wie eine Seelsorgerin der Pfarrgemeinde sagte.

Von

dpa

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