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01.09.2013

18:56 Uhr

BBC-Größe

Britischer Journalist David Frost gestorben

Charmant, aber entschlossen entlockte der britische Fernsehmoderator David Frost seinen meist prominenten Interviewpartnern oft Erstaunliches. Am Wochenende starb er unerwartet im Alter von 74 Jahren.

Der sowohl in den USA als in Großbritannien gefragte Frost jettete regelmäßig mit dem Überschallflieger Concorde über den Atlantik und interviewte mit Vorliebe Personen der Zeitgeschichte. Reuters

Der sowohl in den USA als in Großbritannien gefragte Frost jettete regelmäßig mit dem Überschallflieger Concorde über den Atlantik und interviewte mit Vorliebe Personen der Zeitgeschichte.

LondonDer britische Journalist und Fernsehmoderator David Frost ist im Alter von 74 Jahren gestorben. Das gab seine Familie in einer am Sonntag in London herausgegebenen Erklärung bekannt. Er starb demnach am Samstag an Bord des Kreuzfahrtschiffes Queen Elizabeth, vermutlich an den Folgen eines Herzinfarkts. Frost moderierte viele Jahre lang die sonntägliche Morgensendung „Breakfast with Frost“ im BBC-Fernsehen und war vor allem für seine Interviews bekannt.

Der 1993 von der Queen geadelte Sir David hatte die Gabe, seinen meist prominenten Interviewpartnern mit seiner vordergründig charmant-zurückhaltenden Art erstaunliche Aussagen zu entlocken und teils energische Reaktionen zu provozieren. Er war der letzte Journalist, der mit dem gestürzten persischen Schah Reza Pahlavi (1919-1980) sprach und nahm Margaret Thatcher wegen der Versenkung des argentinischen Kreuzers „General Belgrano“ durch ein britisches U-Boot im Falkland-Krieg ins Kreuzverhör.

Dem internationalen Publikum ist Frost am ehesten für sein legendäres Interview mit dem ehemaligen US-Präsidenten Richard Nixon aus dem Jahr 1977 bekannt. Drei Jahre nachdem Nixon über den Watergate-Skandal stürzte, führte Frost mit dem skandalumwitterten Ex-Politiker eine Serie von Gesprächen vor laufender Kamera. Darin gab Nixon zu, das amerikanische Volk im Watergate-Skandal im Stich gelassen zu haben. Aus den Aufzeichnungen entstanden das Theaterstück „Frost/Nixon“ von Peter Morgan (2006) und der gleichnamige Film von Ron Howard.

Der sowohl in den USA als in Großbritannien gefragte Frost jettete regelmäßig mit dem Überschallflieger Concorde über den Atlantik und interviewte mit Vorliebe Personen der Zeitgeschichte, neben Politikern auch Prominente aus Kultur und Sport wie die Beatles, die Schauspieler Peter Ustinov und Warren Beatty oder den Boxer Muhammad Ali.

„Ein Interview mit ihm war immer eine Freude, aber man wusste auch, dass am nächsten Tag daraufhin verschiedene Berichte in den Zeitungen erscheinen würden“, erinnerte sich der ehemalige Premierminister Tony Blair. Der jetzige Regierungschef David Cameron twitterte am Sonntag sofort sein Beileid an die Familie.

Der am 7. April 1939 in der Grafschaft Kent geborene Sohn eines Pfarrers studierte in Cambridge und arbeitete zunächst beim Sender ITV und danach bei der BBC. Seine Karriere nahm in den 60er Jahren mit der Moderation des satirischen BBC-Wochenrückblicks „That Was The Week That Was“ (sinngemäß: „Das war die vergangene Woche“) an Fahrt auf. Zuletzt hatte er für den englischsprachigen Kanal des arabischen Senders Al-Dschasira die chilenische Autorin Isabel Allende und den britischen Motorsportler Lewis Hamilton interviewt. Er war in zweiter Ehe mit Carina Fitzalan-Howard verheiratet, das Paar hat drei Söhne.

Von

dpa

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