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10.09.2011

16:46 Uhr

Beerdigung von Horst Kasner

Kanzlerin nimmt Abschied von ihrem Vater

Aufsehen um seine eigene Person mochte Horst Kasner nie - auch nicht, als er plötzlich Vater der Bundeskanzlerin war. So soll es nun auch nach seinem Tod bleiben. Der Abschied erfolgt im engsten Kreis.

Das Grab von Horst Kasner, dem Vater von Bundeskanzlerin Angela Merkel, auf dem Waldfriedhof in Templin. dpa

Das Grab von Horst Kasner, dem Vater von Bundeskanzlerin Angela Merkel, auf dem Waldfriedhof in Templin.

TemplinIn der Templiner Maria-Magdalenen-Kirche sind am Samstag fast alle Plätze besetzt: Menschen trauern um Pfarrer Horst Kasner. Das Mitgefühl gilt auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die den Vater verloren hat. Betont schlicht, dafür mit viel Gesang und Musik läuft die Zeremonie ab. Auf dem Städtischen Waldfriedhof bettet die Familie den Ehemann, Vater, Schwiegervater und Opa dann unter Ausschluss der Öffentlichkeit zur letzten Ruhe. Er war am Freitag vor einer Woche im Alter von 85 Jahren gestorben.

Freunde, Angehörige und Weggefährten können dem Verstorbenen in der Kirche die letzte Ehre erweisen. Unter den rund 500 Gästen des Gottesdienstes sind auch viele, die der Familie im Schmerz beistehen wollen, darunter Bundespolitiker.

In der ersten Reihe nehmen Kanzlerin Merkel und Ehemann Joachim Sauer, ihre Mutter Herlind und ihre Geschwister Marcus und Irene mit Kindern Platz. Den schlichten Holzsarg schmückte ein herbstlicher Strauß mit Astern, Dahlien, Sonnenblumen und Wiesengräsern.

Angela Merkel geht am Samstag  auf dem Waldfriedhof in Templin gemeinsam mit der Trauergemeinde hinter dem Sarg ihres Vaters Horst Kasner. Er ist am 02.09.2011 im Alter von 85 Jahren verstorben. dpa

Angela Merkel geht am Samstag auf dem Waldfriedhof in Templin gemeinsam mit der Trauergemeinde hinter dem Sarg ihres Vaters Horst Kasner. Er ist am 02.09.2011 im Alter von 85 Jahren verstorben.

Merkels Bruder Marcus, wie seine Schwester Physiker, erinnert an die Lebensstationen des Vaters. In Templin hatte Kasner mit seiner Familie nach der Übersiedlung von Hamburg in die DDR 1954 eine neue Heimat gefunden, hier baute er das Pastoralkolleg - eine Stätte zur Weiterbildung von Pfarrern - auf und hielt auch noch lange nach der Pensionierung Vorlesungen an der Volkshochschule in Templin.

Pfarrer Peter Freybe, der 14 Jahre mit Kasner am Pastoralkolleg zusammengearbeitet hatte, zeichnet in seiner Predigt ein lebendiges Bild des Verstorbenen. Er sei ein starker Mann gewesen, der seine Schwächen für sich behalten habe. Wenn sich die Kinder beklagten, dass ihr Vater mehr Zeit für andere hatte als für sie, könne er das verstehen. „Das ist das Schicksal von Pfarrerskindern“, sagt Freybe.

Auf Wunsch der Familie sollte auf Blumengebinde oder Kränze verzichtet werden. Stattdessen wurden Spenden für das Kirchlein in Alt Placht vor den Toren Templins erbeten. Für den Wiederaufbau des verfallenen Bauwerks inmitten von jahrhundertealten Bäumen hatte Kasner viel Kraft eingesetzt. Der Erhalt lag ihm besonders am Herzen. Bis zuletzt traute er dort Paare. Im Sommer hielt er seinen letzten Gottesdienst.

In Erinnerung an den Vater und Ehemann lud die Familie am Nachmittag in die kleine Kirche, die weiträumig abgesperrt war. Mit Musik und Gesang - eine weitere große Liebe des Vaters - sollte des Toten gedacht werden. Noch auf dem Sterbebett, erzählte Pfarrer Freybe, hatte Kasner gemeinsam mit dem Pfleger gesungen. Vor allem das Lied seiner Familie: „Lobe den Herren, den mächtigen König“.

Von

dpa

Kommentare (5)

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R.Rath

10.09.2011, 21:13 Uhr

Man lese noch einmal den Essay von Gottfried Benn "Der deutsche Mensch" mit seinen Meditationen über das evangelische Pfarrhaus und die Abkömmlinge, die aus diesem Milieu stammen. Erstaunlich, die große Anzahl von bedeutsamen Gestalten, die ihr Herkommen aus dieser Umgebung ableiten. Der Vater von Gottfried Benn war selber ev. Pfarrer, er wußte also wovon ersprach.

Selberdenker

11.09.2011, 09:42 Uhr

Der "rote Kasner" ruht in Frieden. Als Gegner der Bundesrepublik Deutschland hat er seinen Lebenstraum wohl durch seine Tochter noch erfüllt gesehen - ein Deutschland unter dem Sozialismus.

Thomas-Melber-Stuttgart

11.09.2011, 10:20 Uhr

Nun ja, Horst Wessel und Gudrun Ensslin stammten auch aus einer evangelischen Pfarrersfamilie.

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