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15.07.2015

10:03 Uhr

Beihilfe zu Mord in 300.000 Fällen

Ex-SS-Mann Gröning zu vier Jahren Haft verurteilt

Beihilfe zum Mord in 300.000 Fällen: Oskar Gröning, genannt „Buchhalter von Auschwitz“, ist zu einer vierjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Das Gericht ging damit über den Antrag der Staatsanwaltschaft hinaus.

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Urteil im Ausschwitz-Prozess: 94-Jähriger KZ-Aufseher zu vier Jahren Haft verurteilt

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LüneburgIm Auschwitz-Prozess hat das Landgericht Lüneburg den früheren SS-Mann Oskar Gröning zu vier Jahren Haft verurteilt. Er habe sich der Beihilfe zum Mord in 300.000 Fällen schuldig gemacht, urteilte das Gericht am Mittwoch. Ob der gesundheitlich angeschlagene 94-Jährige haftfähig ist, muss die Staatsanwaltschaft prüfen, wenn das Urteil rechtskräftig ist. Das Gericht ging mit seinem Urteil über das von der Anklage geforderte Strafmaß hinaus.

Gröning hatte im Prozess seine Beteiligung und moralische Mitschuld am Holocaust eingeräumt. Der später auch „Buchhalter von Auschwitz“ genannte Gröning hatte gestanden, Geld von Verschleppten gezählt und zur SS nach Berlin weitergeleitet zu haben. Er sagte aus, zwei- bis dreimal vertretungsweise Dienst an der Rampe getan zu haben, um dort Gepäck zu bewachen.

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Die Staatsanwaltschaft hatte dreieinhalb Jahre Haft gefordert, von denen 22 Monate als verbüßt angesehen werden sollten, weil eine Verurteilung schon vor Jahrzehnten möglich gewesen wäre. Erste Ermittlungen hatte es 1977 gegeben. Anwälte der über 70 Nebenkläger hielten das von der Staatsanwaltschaft verlangte Strafmaß für zu gering. Die Verteidiger plädierten auf Freispruch, weil Gröning den Holocaust im strafrechtlichen Sinne nicht gefördert habe. Im Falle eines Schuldspruchs solle von einer Strafe abgesehen werden.

Von

dpa

Kommentare (16)

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Herr Edmund Stoiber

15.07.2015, 11:30 Uhr

Die -gefährliche- Ignoranz der "Spätgeborenen" über Lebenssituationen die den Richtenden völlig fremd und unbekannt sind.
Unter diesem Aspekt stellt sich die Professionalität dieser Justiz selbst infrage.

Warum tuen wir uns dies nach über 70 Jahren noch an?

Es paßt zu dieser tragischen Gesellschaft unf ihrer Justiz, dass sie eben diese Gleichgültigkeit gegenüber menschlichen Schicksalen, tatsächlich und zukünftig nicht verhindern wird. Es sind also primitive politische Urteile!

Das gesamte deutsche Berufsbeamtentum ist darauf trainiert, die staatlichen Verordnungen kommentarlos durchzuführen! Gearde so, wie das ethisch/moralische Verständnis des damals 23-jährige SS-Mann das Einsammeln der Wertgegenstände von "Untermenschen" verstanden hat!

Herr Herr Kroker

15.07.2015, 11:34 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr hans mueller

15.07.2015, 11:49 Uhr

da wir ein 94-jähriger zu 4 Jahren Gefängnis verurteilt. Was soll das? ist das die deutsche Gerechtigkeit oder die Rache des deutschen Staates? Millionen sinnlos verschwendet. Warum
wurden die Staatsanwälte, die Richter und die Beamten nicht vor Gericht gestellt, die die Nazis
und deren Regime jahrelang aktiv am Leben erhalten und die Verbrechen zugelassen haben,
vor Gericht gestellt. Statt dessen wird wieder einmal -auch bei der DDR- ein Mitläufer verurteilt.
Wo ist die Staatsanwaltschaft.?

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