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30.12.2014

07:58 Uhr

Beliebte Baby-Namen

Emma verdrängt Mia vom Spitzenplatz

Nach fünf Jahren an der Spitze hat Mia ein Nachsehen: Emma ist der beliebteste weibliche Baby-Name 2014. Unter den Jungs wurden erstaunlich viele Neymars und Lionels geboren. Deutsche Weltmeister-Namen floppen dagegen.

Sieger in der Vornamen-Statistik 2014: Emma und Ben. dpa

Sieger in der Vornamen-Statistik 2014: Emma und Ben.

HamburgMia und Ben waren fünf beziehungsweise vier Jahre lang die beliebtesten deutschen Vornamen. Dann kam Emma: In der Hitliste der attraktivsten Namen für Neugeborene schaffte der Name es mit knappem Vorsprung, den Spitzenreiter Mia vom bundesweiten Thron zu stoßen. „Es war spannend bis zum letzten Datensatz, aber 2014 hat Emma das bundesweite Rennen gewonnen“, sagt der Ahrensburger Hobby-Namensforscher Knud Bielefeld.

In sieben Bundesländern rangiert Emma gemeinsam mit dem Jungennamen Ben auf Platz eins. Auch auf den bundesweiten Plätzen zwei und drei gibt es in diesem Jahr kleine Veränderungen: Bei den Mädchen folgen Ex-Spitzenreiter Mia und Hanna/Hannah, bei den Jungen Luis/Louis und Paul. In Berlin lösen Noah und Elias einen Boom aus, im Osten ist Oskar begehrt, im Norden Henri/Henry. Felix dagegen fällt aus der Top Ten.

Im traditionellen Freistaat gibt es eine kleine Revolution: Erstmals steht Lucas/Lukas auf der bayrischen Pole-Position. „Dass Maximilian von Platz eins verdrängt wird, hat es in meiner Statistik noch nicht gegeben“, sagte Bielefeld. Da es keine amtliche deutsche Vornamenstatistik gibt, wertet er seit 2006 die häufigsten Babynamen in den Bundesländern aus. In diesem Jahr basiert die Liste auf 181.300 Geburtsmeldungen von mehr als 450 Kliniken, Geburtshäusern und Standesämtern - „das sind circa 27 Prozent aller im Jahr 2014 in Deutschland geborenen Babys“.

Wie Vornamen das Leben bestimmen

Erfolgschancen

Namensforscher gehen davon aus, dass Vornamen Effekte haben. Auf Partnerschaftsbörsen im Internet klicken Frauen zum Beispiel Alexander um 102 Prozent häufiger an als Kevin. Mit Alexander assoziieren sie Bildung, mit Kevin wenig Sozialprestige.

Herkunft

In Deutschland werden Vornamen oft nach sozialer Schicht vergeben. Das Bildungsbürgertum bevorzugt klassische Varianten, die in Religion, Geschichte, Literatur oder dem eigenen Stammbaum eine Rolle spielen. Sozial schwache Familien orientieren sich gern an Fernsehshows und benennen ihre Kinder nach ihren Film-Helden.

Schule

Studien belegen, dass sich Pädagogen nicht von Namensklischees frei machen können. Sie schrieben Mädchen mit Namen Charlotte intuitiv positivere Eigenschaften zu als einer Chantal.

Kennenlernen

Bei der ersten Begegnung spielen Aussehen und Stimme eine große Rolle. Die erste Information, die wir über einen Menschen erhalten, ist aber oft sein Name. Populäre Vornamen werden dabei häufig positiv wahrgenommen, weil sie ein Gefühl der Vertrautheit vermitteln. Mit dubiosen Vornamen wie Laperla oder Pepsi-Carola verbinden viele Menschen unwillkürlich auch einen dubiosen Typ.

Trends

In den 60er Jahre riet ein Baby-Buch: Nennen Sie ihr Kind nicht Elke, wenn Sie nicht wollen, dass der ganze Kindergarten angerannt kommt. Ein ausgefallener Name kann einem Kind das Leben schwer machen - aber auch eine zukunftsweisende Idee sein. Wer vor 40 Jahren Friederike getauft wurde, hatte es nicht leicht. Heute gilt der Name als schick. Psychologen raten zu zeitlosen Vornamen.

Immer wieder orientieren sich Eltern an medialen Ereignissen - 2014 ist dabei besonders Mats auf der Überholspur. Schon nach dem WM-Finale im Juli prophezeite Knud Bielefeld dem Fußballer Mats Hummels Rekorde: nicht auf dem Spielfeld, aber als Namenspate für Neugeborene. Besonders in Nordrhein-Westfalen, der Heimat von Hummels, gebe es einen Boom, sagt Bielefeld.

„Seit der Fußballer vor ein paar Jahren bekannt wurde, klettert auch der Name im Ranking nach oben“, sagt der Hobby-Namensforscher. „Aber noch nie wurden so viele Babys wie im Jahr 2014 Mats genannt.“ Das Fußballjahr hat insgesamt deutliche Spuren in den Namenslisten hinterlassen: Erstmals findet sich Neymar unter den Top 150, unzählige Samis, einige Lionels und wenige Cristianos und Arjens landen ebenfalls in der Hitliste.

Einzige Ausnahme: Manuel und Mario – trotz Heldenstatus sind sie kein Erfolg in der Namensgebung.

Politiker als Namenspaten sind selten, aber selbst einen Barack und mehrere Erdogans findet der Namensforscher in seiner Statistik. Nur die Bundeskanzlerin hat keinen Erfolg als Namensvorbild, sagt Bielefeld. „Angela ist so was von aus der Mode.“

Von

dpa

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