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26.12.2016

22:07 Uhr

Berlin-Anschlag

Łukasz Urban – ein polnischer Held?

Hat Łukasz Urban während des Anschlags in Berlin wirklich in die Todesfahrt des Attentäters eingegriffen? Neue Obduktionsergebnisse nähren Zweifel, dass der polnische Lkw-Fahrer dazu imstande war.

Auf einem Schild steht „Für den erschossenen polnischen LKW Fahrer – Łukasz Urban – Ein Held“. dpa

Blumen am Breitscheidplatz

Auf einem Schild steht „Für den erschossenen polnischen LKW Fahrer – Łukasz Urban – Ein Held“.

BerlinDer polnische Lkw-Fahrer, der nach dem Lastwagenanschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt tot auf dem Beifahrersitz gefunden wurde, hatte nach „Bild“-Informationen schon Stunden vor der Tat einen Kopfschuss erlitten. Bislang war vermutet worden, dass der Mann noch kurz vor dem Anschlag mit dem Attentäter im Führerhaus gekämpft hatte.

Die abschließenden Obduktionsergebnisse hätten ergeben, dass der Pole am Tag der Bluttat schon zwischen 16.30 und 17.30 Uhr einen Kopfschuss erlitten und viel Blut verloren habe, berichtete die „Bild“-Zeitung am Montagabend in ihrem Onlineportal. Möglich sei, dass er zum Zeitpunkt des Attentats noch gelebt habe.

Der 37-jährige Lastwagenfahrer hatte seinen Sattelschlepper am 19. Dezember in Berlin geparkt, um auf die Entladung seiner Fracht zu warten. Nach Angaben des Spediteurs war er etwa ab 16.00 Uhr telefonisch nicht mehr erreichbar. Kurz nach 20.00 Uhr steuerte der Attentäter den Lastwagen auf den Weihnachtsmarkt. Auf dem Markt starben elf Menschen, mehr als 50 wurden verletzt.

Eine Online-Petition, die das Bundesverdienstkreuz für den beim Berliner Anschlag getöteten polnischen Lkw-Fahrer fordert, erfährt unterdessen weiter großen Zulauf. Auf der Plattform Change.org gab es bis Montagnachmittag mehr als 33.000 Unterstützer für das Anliegen. Die Initiatorin der Petition schrieb auf der Plattform, der polnische Fahrer sei ein Held, weil sein Ringen mit dem Täter vermutlich viele Menschenleben gerettet habe. Der Mann war tot im Führerhaus gefunden worden. Die Petition richtet sich an Bundespräsident Joachim Gauck. Eine posthume Verleihung des Bundesverdienstordens gibt es nur in seltenen Sonderfällen.

Was wir über Amris Flucht wissen

War Amri der Attentäter von Berlin?

Die Ermittler sind sich sicher, dass Anis Amri (24) bei dem Terroranschlag am Montagabend den Lastwagen auf den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche gesteuert und mindestens zwölf Menschen getötet hat. Seine Fingerabdrücke wurden am Fahrerhaus des Lastwagens sichergestellt.

Quelle: dpa

Wie kam Amri zum Bahnhof Sesto San Giovanni?

Zumindest sein Weg von Frankreich nach Italien ist grob bekannt: Der Terrorverdächtige kaufte am Donnerstag in Lyon das Bahnticket für Italien, wie die französische Wochenzeitung „Journal de Dimanche“ mit Verweis auf eine hochrangige Quelle im Pariser Innenministerium berichtete. Über das französische Chambéry fuhr er italienischen Polizeiangaben zufolge nach Turin und von dort mit der Bahn nach Mailand, wo er am frühen Freitagmorgen am Bahnhof Sesto San Giovanni erschossen wurde.

Kannte er Italien?

Ja. Der Tunesier war 2011 nach seiner Flucht über das Mittelmeer nach Italien gekommen. Wegen verschiedener Gewalttaten saß er dort vier Jahre im Gefängnis. 2015 setzte er sich nach Deutschland ab. Er war in Kalabrien, bevor er Italien verließ.

Der mutmaßliche Attentäter Anis Amri war am Freitag bei einer Routinekontrolle bei Mailand von Polizisten erschossen worden. In Deutschland gibt es nun Forderungen, die beiden italienischen Polizisten auszuzeichnen. Sie hätten dies „für ihr entschiedenes Handeln“ verdient, sagte der CSU-Bundestagsabgeordnete Hans-Peter Uhl der „Bild“-Zeitung (Dienstag). In Frage käme etwa das Bundesverdienstkreuz. Ähnlich äußerte sich der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt: „Die italienischen Polizisten haben sich mit ihrem Mut auch um Deutschland verdient gemacht.“

Von

dpa

Kommentare (2)

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Herr Bernhard Ramseyer

26.12.2016, 17:50 Uhr

Ehrung der beiden italienischen Polizisten mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland, Ja.

Eine Verleihung des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland an den LKW-Fahrer, Nein.
Begründung: Die Verleihung eines Ordens an einen Toten erinnert an die Zeit des 2. Weltkriegs und war damals u. a. auch der Propaganda geschuldet.
Stattdessen eine Feier- und Gedenkstunde im Bundestag und finanzielle Unterstützung der Familie des polnischen Getöteten.

Herr Peer Kabus

27.12.2016, 19:31 Uhr

Dafür, dass die beiden Polizisten den Islamisten bei einer Routinekontrolle - nicht ein Fahndungserfolg, wovon d(i)e Misere dummdreist in der PK geschwafelt hat, in einer Notwehrsituation heraus erschossen haben, befürwortet man eine Ehrung mit dem Bundesverdienstkreuz?

Dann verleihen wir es doch in Zukunft regelmäßig an Kommissar "Zufall".



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