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23.06.2015

17:01 Uhr

Berlin vor Staatsbesuch

Warten auf die Queen

Die Hauptstadt bereitet sich auf die Königin vor. In Berlin laufen die letzten Maßnahmen, den Reiseplan der britischen Queen Elizabeth II. ihren Vorstellungen gemäß umzusetzen. Dazu zählen auch zahlreiche Sperrungen.

Royaler Besuch

Die Queen ist da - Erste Bilder vom Treffen mit Gauck

Royaler Besuch: Die Queen ist da - Erste Bilder vom Treffen mit Gauck

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BerlinLetzte Vorbereitungen auf den Besuch der Queen haben alle Beteiligten am Dienstag in Berlin getroffen. „Die besondere Herausforderung ist es, die Wünsche der Königin nach Nähe zur Berliner Bevölkerung mit den Sicherheitsanforderungen in Einklang zu bringen“, sagte der Chef der Verkehrspolizei und Einsatzleiter beim Queen-Besuch, Markus van Stegen. Die Monarchin sollte am Abend mit ihrem Mann Prinz Philip in der Hauptstadt ankommen.

Mit bis zu 1450 Polizisten will die Berliner Polizei den Besuch nach eigenen Angaben bewältigen. Für den unmittelbaren Schutz des Paares sind britische Leibwächter und das Bundeskriminalamt zuständig.

Nach ihrer Ankunft am Flughafen dürfte die Königin sich auf den Weg ins Adlon machen, wo sie der Botschaft zufolge residieren wird. Das Hotel benannte das Zimmer, in dem sie nach dpa-Informationen schläft, kurz vor dem Besuch sogar in Royal Suite um.

Die Queen-Visite zum Mitreden: Fünf Fakten

Das huldvolle Winken beginnt

Am Dienstagabend kommt die Queen mit ihrem Tross in Berlin an. Mit Hut und Handschuhen wird sie viele Titelseiten zieren. Fünf Fakten zum Mitreden:

Quelle: dpa

Salutschüsse

21 Mal schießen Soldaten am Flughafen Tegel in die Luft. Die Zahl ist kein Zufall: Früher schossen Schiffe ihre 20 Kanonen leer, bevor sie in einen Hafen einfuhren. Aus dem Hafen gab es einen Schuss als Antwort - zusammen also 21. Salutschüsse werden heute der Bundeswehr zufolge nur beim Empfang von Monarchen und beim ersten Empfang eines ausländischen Staatsgastes in Deutschland abgegeben.

Diplomatie

Die Queen kommt nicht, weil ihr gerade danach ist. Staatsbesuche macht sie „auf Empfehlung der britischen Regierung“. Premierminister David Cameron, der gerade EU-Reformen aushandeln will, passt ein wenig Briten-Begeisterung gut ins Konzept.

Reiselustig

Es ist der 97. Staatsbesuch der Queen insgesamt und der fünfte in Deutschland. Kein britischer Monarch ist bisher mehr gereist. Auch in den USA und in Frankreich war die Königin zu fünf Staatsbesuchen.

Sicherheit

So aufwendig wie US-Präsident Barack Obama oder der Papst wird die Queen nicht beschützt. Berichten zufolge sollen aber etwa 1000 Polizisten allein in Berlin im Einsatz sein - aus Sicherheitsgründen hält sich die Polizei bei solchen Fragen bedeckt.

Gedenken

Der Besuch in Bergen-Belsen am Freitag ist für die Queen besonders wichtig. In der KZ-Gedenkstätte will sie keinen Medienrummel, es dürfen nur wenige, ausgewählte Journalisten dabei sein. Als die Briten das Konzentrationslager 1945 befreiten, war Elizabeth II. selbst in der Frauenabteilung der britischen Armee.

Bis zum Rückflug am Freitag wird das Paar hauptsächlich in Berlin unterwegs sein, es besucht aber auch Frankfurt am Main und das ehemalige Konzentrationslager Bergen-Belsen. Eingeladen hat offiziell Bundespräsident Joachim Gauck, bei ihm hat die Königin am Mittwoch auch ihren ersten Termin.

Was sie ihm schenken wird, verriet der britische Botschafter Sir Simon McDonald schon vorab: ein Buch aus Preußen-Zeiten - die „Briefe eines Verstorbenen“ von Hermann Fürst von Pückler-Muskau aus dem 19. Jahrhundert.

Am Mittwoch hält der britische Museumsdirektor und designierte Gründungsintendant des Berliner Schlosses, Neil MacGregor, die Queen's Lecture an der Technischen Universität. Bei der Vortragsreihe zu Ehren der Königin spricht der Deutschland-Kenner über Dinge, die die Deutschen mit Großbritannien verbinden.

Pro und Kontra Queen: Teurer Luxus oder wichtig fürs Land?

Liebe

Die Briten lieben ihre Königin - so denkt man im Ausland in der Regel, und im Großen und Ganzen stimmt das auch. Doch die Monarchie hat auch Gegner.
Quelle: dpa

Umfragen

Mehr als drei Viertel der Briten wollen einer Umfrage von 2013 zufolge die Monarchie behalten. Was spricht dafür, was dagegen?

Eint das Land

Schottland, Nordirland, Wales und England unterscheiden sich in manchem, die Königin haben sie gemeinsam. Als viele Schotten sich vergangenes Jahr per Referendum aus dem Vereinigten Königreich verabschieden wollten, stand außer Frage: Die Queen wollen sie behalten. Mit ihr identifizieren sich außerdem Menschen aller Gesellschaftsschichten, die in Großbritannien noch deutlicher getrennt sind als in Deutschland.

Zieht Touristen an (1)

Wie groß etwa der Royal-Effekt ist, kann die Tourismusagentur VisitBritain nicht beziffern. Doch die Königsfamilie lockt Besucher ins Land.

Zieht Touriste an (2)

Viele Touristen schauten sich Orte an, die mit dem royalen Erbe zu tun hätten, sagt Sprecherin Andrea Hetzel der Deutschen Presse-Agentur - zum Beispiel Schlösser, aber auch Hoflieferanten. „Hier wird die königliche Geschichte noch ganz aktuell gelebt und übt daher eine so große Anziehungskraft auf Touristen aus.“

Setzt sich ein

Engagement für wohltätige Zwecke ist eine der Hauptaufgaben für die Mitglieder der Königsfamilie. Ob benachteiligte Kinder, Seenotrettung oder Tierschutz - mit Reden, Appellen und Besuchen lenken sie Aufmerksamkeit da hin, wo sie gebraucht wird. Alleine die Queen unterstützt als Schirmherrin mehrere Hundert Einrichtungen, Vereine und Wohltätigkeitsorganisationen.

Kostet Geld (1)

Etwa 36 Millionen Pfund - umgerechnet rund 50 Millionen Euro - im Jahr bekommen die Royals derzeit vom Steuerzahler. Die Monarchie-Gegner der Gruppe Republic argumentieren aber, das Königshaus käme das Land sehr viel teurer.

Kostet Geld (2)

Vorkehrungen für die Sicherheit von Queen & Co. übernimmt zum Beispiel die Polizei, königliche Besuche müssen die Städte finanzieren. Die Einkünfte der königlichen Anwesen stünden zudem eigentlich dem Volk zu, argumentiert Republic und beziffert die „wahren Kosten“ der Monarchie auf etwa 299 Millionen Pfund.

Ist undemokratisch

Royal ist man durch Geburt oder vielleicht noch Heirat, gewählt wird man nicht. Monarchiegegner halten es für völlig überkommen, dem Adel eine Sonderstellung einzuräumen und das Staatsoberhaupt nicht demokratisch zu wählen, selbst wenn es, wie die Queen, eigentlich nur repräsentative Aufgaben hat.

Ist undurchsichtig

Kritiker stören sich daran, dass die Royals abseits des Rampenlichts für ihre Interessen werben können und nicht der selben Auskunftspflicht wie die Regierung und Behörden unterliegen. Dieser Vorwurf trifft besonders Prinz Charles, der alle möglichen Anliegen in Briefen an Regierungsmitglieder vorgetragen hat.

Am zweiten Tag des Besuchs, kündigte der Botschafter an, werde die Königin in Frankfurt am Main bei schönem Wetter zu Fuß von der Paulskirche zum Römer gehen. Auch auf dem Balkon des Rathauses werde sie sich zeigen.

Der dritte und letzte Tag des Besuchs beginnt mit einem Spaziergang am Pariser Platz in Berlin. Durch das nahe Brandenburger Tor wird die Königin mit dem Auto fahren - auch, weil sie mit ihren fast 90 Jahren nicht zu lange Strecken zu Fuß gehen soll.

Auf ihrem Hut könnte sie dabei deutschen Schmuck tragen: Der Eigentümer einer Kunstblumenmanufaktur aus Sachsen beliefert den königlichen Hutmacher nach eigenen Angaben schon seit Jahren mit Stoffblüten und Federn - die Queen selbst dürfte davon aber freilich kaum etwas mitbekommen.

Von

dpa

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