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06.08.2014

17:09 Uhr

Bernie Ecclestone

„Hey bank? I need 100 million dollar“

VonJörg Hackhausen, Jürgen Röder

Wie kann er sich das leisten? Bernie Ecclestone zahlt 100 Millionen Dollar Strafe – innerhalb einer Woche. Wie schafft es der Formel-1-Boss, die Summe in der kurzen Zeit aufzubringen? Muss die Ex-Frau aushelfen?

Kann das Geld schnell flüssig machen: Formel-1-Boss Bernie Ecclestone. dpa

Kann das Geld schnell flüssig machen: Formel-1-Boss Bernie Ecclestone.

DüsseldorfAuf einem Konto bei der Bayern LB dürften in den kommenden Tagen fast 75 Millionen Euro eingehen, unter der Bankleitzahl 700 500 00, Kontonummer 3024919, eingezahlt von Bernie Ecclestone. Es ist die Summe, die der Formel-1-Boss zahlt, um ein Strafverfahren zu beenden.

Dass Ecclestone das Geld ausgerechnet an die Bank überweist, deren Mitarbeiter er bestochen haben soll, ist in dem ganzen Fall nur eine Randnotiz, wenn auch nicht ohne Ironie. Kontoinhaber ist in diesem Fall allerdings die Landesjustizkasse des Freistaates Bayern. Sie nimmt die Einzahlung sämtlicher Geldstrafen und -auflagen entgegen, die von bayerischen Gerichte angeordnet werden.

Das Landgericht München I war am Dienstag dem Vorschlag von Verteidigung und Staatsanwaltschaft gefolgt, das Verfahren gegen Ecclestone gegen Zahlung der 100 Millionen Dollar (umgerechnet 74,5 Millionen Euro) einzustellen. Der Verdacht der Bestechung habe sich in wesentlichen Teilen nicht erhärtet, erklärte das Gericht. Es habe große Zweifel an einer Verurteilung gegeben.

Ecclestone war angeklagt worden, weil er dem früheren Finanzvorstand der Bayerischen Landesbank, Gerhard Gribkowsky, 44 Millionen Dollar gezahlt hatte. Im Gegenzug sollte dieser dabei helfen, dass die Bank ihre Anteile an der Formel 1 einem Ecclestone wohlgesonnenen Investor verkauft. Gribkowsky war deswegen selbst zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Ecclestone kommt ohne Strafe davon.

Ecclestone - Ein Kurzporträt

Der Funktionär

Kein anderer hat die Formel 1 so im Griff gehabt wie Bernie Ecclestone. Fast vier Jahrzehnte lang war der gerade mal 1,58 Meter große Brite derjenige, zu dem alle aufschauten.

Der Unternehmer

Ecclestone hat die Formel 1 zum Milliardengeschäft gemacht. Und er hat dabei selbst bestens mitverdient. Nachdem er schon im Kindesalter seinen Geschäftssinn entdeckt und gepflegt hatte, brachte es Ecclestone vom Gebrauchtwagenhändler zum Milliardär. Laut Forbes gehört er zu den reichsten Menschen der Welt.

Seine Jugend

Bernie Ecclestone wurde am 28. Oktober 1930 in Ipswich in England geboren. Nach der Schule arbeitete er bei den Stadtwerken.

Seine Frauen

Ecclestone hat dreimal geheiratet. Von seiner ersten Frau Ivy bekam er die Tochter Deborah, die ihm seinen ersten Enkel schenkte. Mittlerweile ist er sogar Urgroßvater.

Später heiratete Ecclestone das kroatische Modell Slavica Radic. Sie war 28 Jahre jünger und 29 cm größer als Ecclestone.

2012 heiratete Ecclestone schließlich Fabiana Flosi.

Sein Aufstieg

Aufgewachsen ist er im südenglischen Bexleyheath. Ecclestone versuchte sich als Rennfahrer - der Erfolg blieb aus, also stieg er als Team-Mitbesitzer und Fahrerberater in die Formel 1 ein. 1977 kaufte er die Werberechte für die Königsklasse, ein Jahr später die Übertragungsrechte.

Seine Herrschaft

Ecclestones Herrschaft war keineswegs ohne Widerstände. Er leistete sich teilweise haarsträubende verbale Entgleisungen, köderte Teams mit Geld und Sonderbehandlungen und schaltete und waltete mehr oder weniger nach Belieben.

Sein Deal

Nach der Formel-1-Übernahme durch die Investmentgruppe CVC wurde Ecclestone als Geschäftsführer eingesetzt. Der Verkauf der Anteile der BayernLB an die CVC brachte ihm den Vorwurf der Bestechung ein. Das Landgericht München stellte das Verfahren jedoch gegen einen Auflage von 100 Millionen Dollar ein.

Über diese moderne Form des „Ablasshandels“ ist viel geschrieben worden. Die Kritiker schimpfen, es könne nicht sein, dass man sich von einer Strafe freikaufen könne. Unter anderem hat die ehemalige Bundesjustizministerin Sabine Leutheuser-Schnarrenberger ihren Unmut bekundet. Das Urteil sei „verheerend für unseren Rechtsstaat“, kritisierte die FDP-Politikerin.

Ecclestone selbst sieht das etwas anders: „So laufen die Dinge nun mal in Deutschland“, sagte der 83-Jährige in der „Bild Zeitung“. „Es ist sicher ein wenig unglücklich, so viel Geld zu bezahlen. Aber noch unglücklicher ist es, das Geld nicht zu haben. Aber eigentlich finde ich dieses kapitalistische System gut.“

Bei alledem ist eine Frage bislang fast untergegangen: Wie viel Vermögen besitzt Ecclestone überhaupt? Und wie schafft er es, innerhalb kurzer Zeit die geforderte Summe zusammenzutragen?

Rekordgeldstrafe statt Gefängnis

Ecclestone-Prozess eingestellt

Rekordgeldstrafe statt Gefängnis: Ecclestone-Prozess eingestellt

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Kommentare (5)

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Herr Andreas Maehler

06.08.2014, 17:19 Uhr

korruptionsfall endet mit korruptionsfall :-))

Aber ich finds gut, kann man mit dem geld doch tausenden facharbeitern, flüchtlingen und gläubigen des friedens hier in DE eine neue schicke bleibe geben.

[...]

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Manfred Zimmer

06.08.2014, 18:08 Uhr

"Ecclestone selbst sieht das etwas anders: „So laufen die Dinge nun mal in Deutschland“, sagte der 83-Jährige in der „Bild Zeitung“. „Es ist sicher ein wenig unglücklich, so viel Geld zu bezahlen. Aber noch unglücklicher ist es, das Geld nicht zu haben. Aber eigentlich finde ich dieses kapitalistische System gut.“"

Könnte man den Rechtsstaat Deutschland treffender beschreiben? Wohl kaum! „So laufen die Dinge nun mal in Deutschland“

Herr Andreas Maehler

06.08.2014, 18:43 Uhr

:-))

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